NRW-Wahl: So wenig Politik im Wahlkampf war nie

NRW-Wahl: So wenig Politik im Wahlkampf war nie

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Politik ohne Inhalte. Dafür mit verstärkt personalisiertem Wahlkampf

von Dieter Schnaas

Die NRW-Wahl ist seit dem ersten Tag des Wahlkampfes entschieden – dank der konsequenten Verbannung aller politischen Inhalte. Unsere Wahl-Wette.

Zeit für eine kleine Wette: Was wir heute Abend erleben werden, ist ein klarer Wahlsieg von Rot-Grün. Wir erleben eine starke Hannelore Kraft (SPD, 38 Prozent), einen schwachen Norbert Röttgen (CDU, 29 Prozent) und einen kraftstrotzenden Christian Lindner, der die hohen Erwartungen in ihn noch einmal übertrifft (FDP, acht Prozent). Die Grünen (nicht ganz zehn Prozent) trudeln knapp vor den Piraten (in etwa gleichauf mit den Liberalen) ins Ziel, die Linken (vier Prozent) fliegen aus dem Landtag.

Indes: So klar die Antwort der Bürger auf den NRW-Wahlkampf auch ausfällt, so offen bleibt die eigentliche Frage, die er aufgeworfen hat: Ist es in den vergangenen acht Wochen nicht so gewesen, dass der politische Trend keine Gründe und Ursachen mehr kannte, sondern im Gegenteil: dass alle Gründe und Ursachen nur noch dem politischen Trend gefolgt sind?

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Die Wahl in NRW ist ganz sicher nicht die Erste, deren Ausgang von volatilen Stimmungslagen beeinflusst wird, von zunehmend heftig bewegten Meinungswellen, die durch massenmediale Rückkopplung und demoskopische Impulse eine sich selbst verstärkende Eigendynamik entwickeln. Der plötzliche Erfolg einer Partei, die ständige Zwitscherbereitschaft mit Bürgernähe verwechselt, die sich durch notorische Argumentationsarmut und schwarmintelligentem Plumperquatsch auszeichnet und die noch dazu die Unverschämtheit besitzt, zum Raub von digitalen Waren aus Notwehrund aus Freiheitsliebe aufzurufen, ist dafür nur das jüngste (und ein besonders trauriges) Beispiel.

Verbannung politischer Inhalte

Aber die Wahl in NRW ist ganz sicher die Erste, die bereits am ersten Tag des Wahlkampfes entschieden war – und deren Ergebnis sich durch die konsequente Verbannung aller politischen Inhalte medial-demoskopisch berechnen ließ. In NRW standen Kraft, Röttgen und Lindner zur Abstimmung, nicht SPD, CDU und FDP – und schon gar nicht die landespolitische Programmatik der drei Parteien. Und während Kraft von Anfang an mit landesmütterlicher Bürgernähe assoziiert wurde und Lindner sich als eine Art Messias des Liberalismus durch Talk-Shows reichen ließ, wurde Röttgen monatelang Ambition und akademische Abgehobenheit zugeschrieben, seit er sich nicht darauf festlegen wollte, im Falle einer Wahlniederlage nach Düsseldorf zu wechseln.

Natürlich ist hier nicht der Ort, eine Ehrenrettung von Norbert Röttgen zu versuchen. Mit seinem uninspirierten Wahlkampf und seinem Ehrgeiz - auch mit seinem intellektuellen Hochmut - hat er viele in der Union verprellt. Den Landesgruppenvorsitz im Bundestag wollte er erobern und den Unions-Fraktionschef vom Posten verdrängen, an die Spitze der NRW-CDU hat er sich gedrängelt und dabei alte Freunde abserviert, zum BDI-Hauptgeschäftsführer fühlte er sich berufen, nur um wenige Jahre später das Weltklima im Alleingang retten zu können - gewiss: Dass manche in der Union sich nicht nur heimlich über Röttgens Karriereknick freuen, ist verständlich.

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