NSA: Deutschland macht es der NSA leicht

NSA: Deutschland macht es der NSA leicht

Nicht nur in der Politik, auch in der Wirtschaft richtet Spionage einen Milliardenschaden an. Gegen einen Teil der Übergriffe können sich Unternehmen wehren. Doch die wenigsten tun es.

Von Hans-Jürgen Klesse, Jacqueline Göbel, Henning Krumrey, Florian Willershausen, Matthias Kamp, Martin Seiwert, Florian Zerfaß, Mario Brück, Nele Hansen, Thomas Kuhn, Andreas Menn, Jürgen Salz und Oliver Voß.

Der Krieg ist erschreckend nah in Camp Williams. Ratternde Panzerketten, Kampfhubschrauber im Tiefflug, Nahkampf im Nachbau eines afghanischen Dorfes. In dem Armeestützpunkt werden US-Soldaten für ihre weltweiten Einsätze gedrillt. Einen Steinwurf entfernt stehen acht hellgraue Industriehallen, jede größer als ein Fußballfeld. Was von außen so harmlos anmutet, ist das Intelligence Community Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center, das neue Datenzentrum des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA).

Anzeige

Sein neues Abhörzentrum baute NSA-Chef Keith Alexander 26 Meilen südlich der Mormonen-Metropole Salt Lake City in Bluffdale. Man kann das mit „Tal der Klippen“ übersetzen. Aber genauso mit „Tal der Täuschungen“.

Die zweite Übersetzung passt besser. Die streng abgeschirmte Anlage, die so viel Strom verbraucht wie eine Kleinstadt und zwei Milliarden Dollar gekostet haben soll, beherbergt einen der größten Datenspeicher der Welt und ist zugleich ein Symbol für die beispiellose Aufrüstung der Amerikaner im Cyber War, dem Datenkrieg im Internet. Hier laufen die Fäden weltweiter Lauschangriffe zusammen, hier werden Online-Attacken auf ausländische Einrichtungen vorbereitet, hier, 8400 Kilometer westlich von Berlin, werden auch Mitschnitte wie die vom Handy der Bundeskanzlerin Angela Merkel gespeichert.

Rund 500 Millionen E-Mails, Telefonate, SMS und andere Datenströme überwacht der US-Militärgeheimdienst allein in Deutschland Monat für Monat, schätzen Experten. Abgehört und ausgespäht werden Privatpersonen, Politiker und Unternehmen. Vor allem die deutsche Industrie ist das Ziel technisch hochgerüsteter Lauschangriffe, und längst nicht immer geht es dabei um sicherheitsrelevante Dinge, wie etwa illegale Rüstungsexporte in Problemländer wie den Iran. Auf breiter Front abgegriffen werden Forschungsergebnisse, Patentschriften oder Informationen über neue Produkte und Verfahren.

Der NSA-Skandal und die Enthüllungen des Edgar Snowden haben das Problem ins Bewusstsein der Deutschen gerückt: Die Bürger reagieren fatalistisch, die Wirtschaft ist alarmiert: 78 Prozent der Unternehmen sagten schon im Sommer laut einer Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), die Gesamtwirtschaft sei stark oder sehr stark betroffen.

Zu Recht: Jedes fünfte deutsche Unternehmen wurde in den vergangenen drei Jahren Opfer von Industriespionage, schätzt das Münchner Sicherheitsunternehmen Corporate Trust, allein der dadurch entstandene Schaden stieg seit 2007 um 50 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Noch düsterer wird das Bild, wenn man alle durch Internet-Kriminalität verursachten Schäden zusammenrechnet. Das Bundeskriminalamt hat allein in Deutschland im vergangenen Jahr 60.000 Internet-Straftaten registriert, Experten gehen allerdings davon aus, dass nur einer von 1000 Cybercrime-Fällen aktenkundig wird. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schätzt den Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft auf 50 Milliarden Euro im Jahr.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%