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Nürburgring: Das große Chaos

von Florian Zerfaß

Kurt Beck und seine Regierung versinken im Nürburgring-Strudel: Der Rechnungshof hält die Finanzierung des Projekts über Staatsschulden für rechtswidrig, und auch eine landeseigene Bank droht in den Schlamassel gezogen zu werden. In Mainz steht eine turbulente Woche bevor.

 Der hell erleuchtete Freizeitpark am Nürburgring - das Desaster um die Millioneninvestition droht endgültig das Chaos. Quelle: dpa
Der hell erleuchtete Freizeitpark am Nürburgring - das Desaster um die Millioneninvestition droht endgültig das Chaos. Quelle: dpa

Bis kurz vor der Insolvenz vor eineinhalb Wochen blieb der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) eisern bei seiner Version. Nein, die überdimensionierten Verlustbauten am Nürburgring seien nicht mit Landesgeld bezahlt. „Keinen Euro“ hätten sie den Steuerzahler gekostet, betonte er immer wieder.

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Auch als die WirtschaftsWoche Ende April den Beihilfebeschluss der EU-Kommission zum Nürburgring in voller Länge online veröffentlichte und ein finanzielles Horrorszenario skizzierte, gab sich Beck gelassen. „Die WirtschaftsWoche habe ich natürlich auch gelesen“, verkündete der Ministerpräsident bei seiner nächsten Pressekonferenz, fügte lapidar hinzu, das sei doch alles nichts Neues. Und weiter: „Da gibt's keine Haushaltsrisiken.“

Die fragwürdige Logik hinter Becks Geschichte von der Finanzierung ohne Steuergeld: Das Geld wurde von der Nürburgring GmbH investiert – die ist zwar eine Tochter des Landes, aber nicht das Land selbst. So wiegelte er vor der Landtagswahl im März vergangenen Jahres jegliche Kritik ab.

Wider alle Schönrednereien

Jetzt hat die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH Insolvenz angemeldet, und die Beck’schen Beteuerungen sind Makulatur. Der Steuerzahler muss bluten, der Rechnungshof soll ein Sondergutachten erstellen, die tief erschütterte SPD stürzt in Umfragen ab, die Opposition fordert Becks Rücktritt oder gleich Neuwahlen. In Mainz ist vor der Sondersitzung des Landtags am kommenden Mittwoch das politische Chaos ausgebrochen.

Wider alle Schönrednereien werden nun die verheerenden Schäden des Frontalcrashs am Nürburgring sichtbar. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche war das Projekt „Nürburgring 2009“ von Beginn an durchgängig mit Schulden des Landes Rheinland-Pfalz finanziert. Die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH bediente sich für ihren Erlebnispark mit Achterbahn, Rennsportmuseum, überdachter Einkaufsmeile sowie Hotels, Disco und Restaurants zunächst kräftig aus dem Liquiditätspool des Landes. Das ist eine merkwürdige Konstruktion, im Grunde bloß ein Konto bei der Landeshauptkasse im Finanzministerium. Doch so wie die Regierung den Pool handhabt, hält Landesrechnungshofs-Präsident Klaus Behnke ihn für „mit dem Haushaltsrecht schlicht nicht vereinbar“.

Deutschlands teuerstes Kulturprojekt, die Hamburger Elbphilharmonie, wird die Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stolze 789 Millionen Euro kosten. Das Prestigeprojekt würde damit gut zehnmal teurer als 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) veranschlagt. Damals war von rund 77 Millionen Euro die Rede. Auf der Baustelle im Hafen herrscht mittlerweile seit rund anderthalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten.

Bild: dpa

Der Gedanke hinter dem Liqui-Pool ist eigentlich sinnvoll: Über ihn können sich die Tochterfirmen des Landes gegenseitig Geld leihen, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Wer gerade was übrig hat zahlt es ein, wer gerade was braucht nimmt es heraus. So lassen sich Zinsen sparen, die die Landestöchter ansonsten zahlen müssten, wenn sie Kredite bei Banken aufnehmen würden.

Die Crux ist allerdings: Die Rechnung geht nur dann auf, wenn tatsächlich auch liquide Mittel von Landesfirmen im Pool drin sind. Sobald aber das Finanzministerium Kredite aufnehmen muss um den Pool zu füllen, lassen sich keine Zinskosten mehr sparen. Flutet das Land den Pool sogar im ganz großen Stil mit Krediten, so wird die ursprünglich sinnvolle Idee – der Rechnungshof hatte sie einst selbst vorgeschlagen – ad absurdum geführt.

Genau das tat die SPD-Alleinregierung, mit der Kurt Beck zwischen 2006 und 2011 regierte. Bis zu 700 Millionen Euro an so genannten Kassenverstärkungskrediten nahm sie auf, um den Liquiditätspool liquide zu machen. Nach Auffassung des Landesrechnungshofs ein klarer Verstoß gegen Haushaltsrecht.

Keine konkrete Regel zur Verwendung von Geldern

„Das war rechtsmissbräuchlich, da die Kassenverstärkungskredite ohne jede parlamentarische Ermächtigung gewährt wurden“, sagt Präsident Klaus Behnke der WirtschaftsWoche, „im Landeshaushaltsgesetz für das Haushaltsjahr 2012 ist erstmals bestimmt, dass Kassenverstärkungskredite bis zu einer bestimmten Höhe auch für Zwecke des Liquiditätspools in Anspruch genommen werden dürfen.“ Vorher seien Kreditaufnahmen zugunsten des Liqui-Pools gar nicht vorgesehen gewesen.

Bis heute gibt es zudem noch keinerlei Statut, in dem konkret geregelt wäre, nach welchen Kriterien überhaupt Gelder aus dem Liquiditätspool entnommen werden dürfen. Die Nürburgring GmbH jedenfalls bediente sich aus dem Pool praktisch nach Belieben.

Damit sollte sie so lange über Wasser gehalten werden, bis die eigentlich geplante Privatfinanzierung für die Nürburgring-Neubauten steht. Als diese platzte, finanzierte die landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) den Freizeitpark an der Rennstrecke 2010 mit einem 330-Millionen-Euro-Kredit an die Nürburgring GmbH.

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Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Aus dem Eröffnungsbeschluss der EU-Kommission für das Nürburgring-Beihilfeverfahren geht jedoch hervor, dass die ISB zur Refinanzierung des Kredits gleich wieder den Liquiditätspool anzapfte. Der war laut Landesrechnungshof auch zu diesem Zeitpunkt tief im Minus und wurde ausgeglichen, indem das Land weiterhin Schulden aufnahm. Vereinfacht gesagt verläuft der Weg des Geldes so: Das Land nimmt Schulden auf, pumpt das Geld in den Liqui-Pool, von dort aus fließt es weiter zur ISB, die gibt es schließlich der Nürburgring GmbH.

Oppositionsführerin Julia Klöckner hält es für „absurd“, dass das Geld im Einflussbereich des Landes über drei Ecken hin- und her geschoben und dann behauptet wurde, es sei kein Geld des Steuerzahlers. „Wie Kurt Beck das Ganze vor der Wahl verschleiert hat, zeigt klar und deutlich: Er war brutal auf den Machterhalt aus, koste es was es wolle“, sagt die Partei- und Fraktionschefin der CDU. „Diese Wählerstimmen sind teuer erkauft worden – mit Steuerzahlergeld.“ Ein Sprecher von Becks Staatskanzlei teilte mit, man sehe „keinen Widerspruch“ zu früheren Äußerungen des Ministerpräsidenten.

Staatskanzlei hält Kredite für rechtmäßig
Der Rechnungshof hält die Konstruktion, an deren Anfang Kassenverstärkungskredite stehen, noch aus einem weiteren Grund für rechtswidrig: Kassenverstärkungskredite dürften laut Haushaltsrecht nur vorübergehend aufgenommen werden, um kurzfristig die Liquidität zu sichern. Zum Beispiel zur Überbrückung, wenn das Land Gehälter schon auszahlen muss, Steuereinnahmen aber erst später eingehen werden.

„Keinesfalls können Kassenverstärkungskredite verwendet werden, um Investitionen zu finanzieren oder dauerhaft die Verluste von Tochtergesellschaften des Landes auszugleichen“, sagt Rechnungshofs-Präsident Behnke. „Für solche Ausgaben ist ein Titel im Haushalt nötig, und dazu bedarf es der Zustimmung des Parlaments.“

Staatskanzlei und Finanzministerium teilen dagegen auf Nachfrage in einer gemeinsamen Formulierung mit, dass man die Kredite für rechtmäßig halte. Der Kurzfrist-Passus im Landeshaushaltsgesetz beinhalte nicht von Vornherein „eine zeitliche Begrenzung der Inanspruchnahme des Liquiditätspools auf einen Zeitraum von unter einem Jahr“, erklären sie schriftlich. Zudem seien die Kreditbeziehungen zwischen den Landestöchtern täglich kündbar. „Im Ergebnis bleibt daher festzustellen, dass das Instrument des Liquiditätspools rechtlich legitimiert war und ist.“

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Flughafen Leipzig/Halle

1994 wollte Sachsens damaliger Landesvater Kurt Biedenkopf (CDU) Leipzig, der einstigen DDR-Messehochburg ein Tor zur Welt zu bauen. Seit der deutschen Wiedervereinigung hatte der Landeplatz Leipzig/Halle von 600 000 auf gut zwei Millionen Kunden zugelegt. „Bald werden wir mehr als sechs Millionen Passagiere haben“, frohlockte der damalige Geschäftsführer Wolfgang Hesse und investierte eine Milliarde Euro, größtenteils in einen Terminal für 4,5 Millionen Passagiere pro Jahr.

Doch die Hoffnungen entpuppten sich als Größenwahn. Das Passagierwachstum stockte bereits, als der Terminal öffnete. 2011 hatte Leipzig/Halle gerade mal 86 000 mehr als vor eineinhalb Jahrzehnten. 

Bild: Uwe Schoßig

Die CDU verlangt in diesen Fragen Klarheit und wird in der Sondersitzung des Landtags am Mittwoch beantragen, dass der Rechnungshof mit einem Sondergutachten beauftragt wird. Nach Informationen der WirtschaftsWoche gibt es in der CDU darüber hinaus auch Bestrebungen, eine Klage beim Verfassungsgerichtshof des Landes einzureichen, damit das Finanzgebaren der Regierung höchstrichterlich überprüft wird.

Kritik an der Nürburgring-Finanzierung jedenfalls gab es auch im Finanzministerium selbst. Eine Referentin sagte im Frühjahr 2011 – nur vier Tage vor der Landtagswahl – bei der Staatsanwaltschaft Koblenz aus. Laut der Beamtin habe das Finanzministerium die ISB mit dem Kreditauftrag de facto angewiesen, eine Staatsfinanzierung für die Nürburgring GmbH zu übernehmen. Die ISB habe dabei quasi nur als „Clearingstelle zur Durchreichung der Gelder“ gedient.

Mit dem Kreditauftrag über 330 Millionen Euro samt einer 100-prozentigen Landesgarantie sei es zudem möglich gewesen, die eigentlich vorgeschriebene Risikoprüfung nach dem Kreditwesengesetz zu umgehen. Eine solche Garantie sei sonst nicht üblich, sagte die Beamtin. Ihre Aussage liegt der WirtschaftsWoche vor.

SPD im Sinkflug der Wählergunst
Genau diese unübliche Garantie könnte den Sinkflug der Sozialdemokraten in der Wählergunst kommende Woche massiv verschärfen. Nach der Nürburgring-Insolvenz ist die SPD einer Wahlumfrage des Südwestrundfunks zufolge bereits drastisch abgestürzt. Von 36 auf 31 Prozent.

Der tiefste Wert, seit die Umfrage vor gut eineinhalb Jahrzehnten eingeführt wurde. Und es ist keinesfalls auszuschließen, dass die Pleite noch viel weitere Kreise ziehen wird: Auch die landeseigene Investitionsbank ISB droht in den Sog des Schlamassels zu geraten. Die Sondersitzung am Mittwoch wirft ihre Turbulenzen schon voraus.

Die mittlerweile rot-grüne Landesregierung will gegenüber der ISB ihre Garantie für den 330-Millionen-Kredit erfüllen und deshalb eine im Haushalt eingestellte Nürburgring-Rücklage in Höhe von 254 Millionen Euro aktivieren. Weitere 20 Millionen Euro sollen aus anderen Rücklagen fließen, der Rest aus dem laufenden Haushalt.

Dafür will die Regierung Beck am Mittwoch im Anschluss an die Plenarsitzung die Zustimmung des Haushalts- und Finanzausschusses einholen. Die ISB braucht das Geld aus der Garantie der Landesregierung unbedingt – wenn die landeseigene Bank den 330-Millionen-Kredit an die Nürburgring GmbH auf Grund von deren deren Insolvenz abschreiben müsste, wäre die ISB auf einen Schlag selbst bilanziell überschuldet. Ihr Eigenkapital beträgt nur gut 240 Millionen Euro.

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1,3 Millionen Euro für mitdenkende Fußböden

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) kümmert sich um mitdenkende Fußböden in Wohnungen, Hotels, Seniorenheimen und Kreuzfahrtschiffen. „Sensfloor“ heißt das Subventionsprojekt. Entwickelt werden soll ein sensorischer Bodenbelag, „der Senioren unauffällig zu mehr Sicherheit und Komfort“ verhelfen soll. Dazu gehört „beispielsweise das automatische Anschalten des Lichts, sobald nachts jemand im Zimmer den Boden betritt“.

1,3 Millionen Euro fließen in den „Sensfloor“. Neben zwei Universitäten erhält die Future-Shape GmbH mit knapp 900.000 Euro den Löwenanteil. Aber auch die Meyer Werft GmbH, die unter anderem die AIDA-Kreuzfahrtschiffe baut, wird bezuschusst (rund 23.000 Euro). „Mit dem demografischen Wandel eröffnen sich für die Wirtschaft viele neue Marktchancen. Senioren sind eine wachsende und zum erheblichen Teil auch durchaus zahlungskräftige Zielgruppe, die genau weiß, was sie will“, heißt es in der Projektbeschreibung. Der Bund der Steuerzahler versteht deswegen nicht, warum hier Subventionen nötig sind.

Bild: dpa

Für helle Aufregung in Mainz sorgt deshalb ein Gutachten, das die oppositionelle CDU bei Clemens Antweiler in Auftrag gegeben hat, einem Rechtsanwalt der Düsseldorfer Kanzlei RWP. Der renommierte Spezialist für öffentliches Wirtschaftsrecht kennt sich an der Rennstrecke bestens aus, er vertritt bereits seit zwei Jahren die Hotelkette Dorint im Streit mit der landeseigenen Nürburgring GmbH.

Antweiler kommt in seiner Expertise zu einem brisanten Schluss: Weil die EU-Kommission die Garantie des Landes für das ISB-Darlehen an die Nürburgring GmbH vorläufig als Beihilfe einstuft, besteht gemäß den europäischen Verträgen ein Durchführungsverbot.

Das Geld darf demnach nicht an die ISB fließen - selbst wenn die Konsequenzen fatal sein sollten. „Wenn die Kommission die Garantie nicht ausdrücklich für zulässig erklärt“, betont Antweiler auf Nachfrage der WirtschaftsWoche, „dann muss das Land hinnehmen, dass auch die ISB zahlungsunfähig wird.“

"Der ISB steht nicht im Wettbewerb"

Die Landesregierung weist diese Einschätzung zurück. Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) stellt auf Nachfrage klar, dass die Landesregierung die ISB mit aller Macht verteidigen wird. „Wir können es politisch nicht zulassen, dass die ISB umfällt“, sagt die Ministerin, deren Haus die Fachaufsicht über das Institut hat.

Bei der ISB handele es sich um eine Förderbank und nicht um eine Geschäftsbank. „Die ISB steht nicht im Wettbewerb“, betont Lemke, „daher handelt es sich bei einer Zahlung der Garantie an die ISB auch nicht um eine Beihilfe.“
Für die Landesregierung ist es laut Lemke „eine Grundsatzfrage“, dass öffentliche Förderbanken Landesgelder bekommen dürfen. Im EU-Beihilfenbeschluss sei die Garantie des Landes zwar vorläufig als Beihilfe eingestuft, die ISB allerdings nicht selbst als Begünstigte genannt worden. Stattdessen profitiere von der Landesgarantie letztlich - indirekt - die Nürburgring GmbH. „Damit ist die Auszahlung der Garantie an die ISB aus unserer Sicht kein Verstoß gegen EU-Recht", betont Lemke und kündigt an: „Für diese Auffassung werden wir kämpfen.“

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Der Brüsseler Rechtsanwalt Andreas Bartosch von der Kanzlei KRB&C sowie der Regensburger Juraprofessor Jürgen Kühling teilen dagegen Antweilers Einschätzung. Sie halten die geplante Ablösung des Nürburgring-Kredits bei der ISB aus dem Landeshaushalt für „mehr als fragwürdig“, berichtet der Südwestrundfunk.

In der Landesregierung begann derweil am Wochenende der hektische Versuch, eine Debatte über die Zulässigkeit der Garantie sowie über die Zukunft der ISB wieder einzufangen. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke machte auf Facebook Stimmung gegen Kühling, Finanz-Staatssekretär Salvatore Barbaro (SPD) persönlich schickte am Samstagabend um kurz nach 22 Uhr noch E-Mails mit einer Stellungnahme seines Ministeriums an ausgewählte Journalisten.

Die Nervosität in Mainz ist ebenso greifbar wie nachvollziehbar - zumal bei den weiteren Folgerungen des Antweiler-Gutachtens. Seiner Einschätzung nach besteht nicht bloß ein Durchführungsverbot für die Auszahlung der Landesgarantie an die ISB. Er stuft darüber hinaus sowohl den Kreditvertrag zwischen ISB und der Nürburgring GmbH als auch die zugehörige Garantieerklärung des Landes als nichtig ein, weil sie gegen Europarecht verstoßen.

Zündstoff pur

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Quelle: dpa
Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Quelle: dpa

Die Unruhe in den Landtagsfraktionen ist umso größer, als Antweiler darauf hinweist: „Vermögensverfügungen, die gegen gesetzliche Verbote verstoßen oder die aufgrund nichtiger Verträge geleistet werden, sind rechtswidrig. Zahlungen des Landes Rheinland-Pfalz an die ISB aufgrund der Landesgarantie wären daher als rechtswidrige Vermögensverfügungen zu qualifizieren.“

Was im Juristendeutsch noch recht trocken klingt, ist in der Wirklichkeit Zündstoff pur. Denn, so schreibt Antweiler weiter: „Sollte das Land Rheinland-Pfalz gleichwohl eine Haushaltsrücklage von 254 Mio. Euro aktivieren, um aufgrund der Landesgarantie Zahlungen an die ISB zu leisten, käme bei den Personen, die an dieser Vermögensverfügung mitwirken, eine Strafbarkeit wegen Untreue zu Lasten des Vermögens des Landes Rheinland-Pfalz oder wegen Beihilfe hierzu in Betracht.“ Wie gesagt: die Woche in Mainz wird heiß…

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2012, 19:33 UhrPiet

    Schlimm genug, dass die Öffentlichkeit betrogen wurde, was das Engagement des Landes betrifft. Noch schlimmer, dass die Gelder auch noch weitestgehend in dunklen Kanälen verschwunden sind - siehe die "Investoren" Lindner und Richter, die sich jetzt eifrig ins Fäustchen lachen...

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