Nürburgring-Desaster: Beck und die Suche nach Plan B

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Nürburgring-Desaster: Beck und die Suche nach Plan B

von Florian Zerfaß

Keine Rettungsbeihilfen für den Nürburgring: Die EU-Kommission will die Rennstrecke in die Pleite schicken. In Mainz läuft die Suche nach einem Ausweg an.

Als die Geschäftsführer der Nürburgring GmbH vor ihre Mitarbeiter traten, garnierten sie die grausige Nachricht noch mit einem Hauch von Hoffnung. Vor genau einer Woche warnten Gerd Weisel und Hans-Joachim Koch die Belegschaft vor einer Insolvenz noch in diesem Monat- es sei denn, die EU-Kommission gibt bis Ende Juli die beantragten Rettungsbeihilfen frei und erlaubt dem Land Rheinland-Pfalz, den "Ring" mit Millionen vor der Pleite zu bewahren. Doch bis Ende des Monats reicht weder die Hoffnung noch das Geld.

An der Rennstrecke kommt offenbar selbst der K.O. mit Hochgeschwindigkeit um die Kurve gerauscht – schon jetzt stellt sich laut der Koblenzer "Rhein-Zeitung" heraus: Die Kommission genehmigt die Beihilfen nicht und schickt die Nürburgring GmbH in die Insolvenz. Das Unternehmen gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler. Ein Sprecher der EU-Kommission dementierte auf Nachfrage, dass es bereits eine offizielle Entscheidung gebe, doch im Umkreis der Kommission ist zu hören, dass die Rettungsbeihilfen nicht freigegeben werden. Ein Sprecher der Landesregierung sagte, es gäbe laut seiner Kenntnis noch keine Entscheidung in Brüssel.

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Drastische Folgen für den Landeshaushalt

Die Pleite der Landesgesellschaft wäre ein neuer, düsterer Akt im Nürburgring-Trauerspiel. Seit Jahren dilettieren der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und seine Regierungsmannschaft auf der großen und glamourösen Bühne vor sich hin, doch neben Größenwahn und Unfähigkeit haben die Mainzer Landespolitiker bei der unwürdigen Inszenierung bestenfalls das Niveau eines Provinz-Laientheaters nachgewiesen. Eine Insolvenz der Nürburgring GmbH kommt zugleich einer politischen und wirtschaftlichen Bankrotterklärung für die Landesregierung gleich. Drastische Folgen für den Landeshaushalt inklusive.

Ministerpräsident Beck hat die Nürburgring-Investitionen stets als Strukturhilfe verteidigt. Das Land habe keine andere Wahl gehabt, als die wirtschaftlich schwache Eifel zu fördern. 330 Millionen Euro haben Beck und seine damalige SPD-Alleinregierung für das Projekt "Nürburgring 2009" locker gemacht; so viel kostete alleine der Bau von Hotels, Restaurants, Veranstaltungshallen und einem Freizeitpark mit Museum. Beck & Co. gaben sich der Illusion hin, für die Betonmonster im Niemandsland private Geldgeber finden zu können, ließen sich mit dubiosen Finanzvermittlern und Privatinvestoren ein, überwiesen mal 80, später sogar 95 Millionen Euro auf Konten in der Schweiz. Den vermeintlichen Privatinvestor Kai Richter musste das Land zudem mit 85,5 Millionen an stillen Beteiligungen stützen.

Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) trat nach dem Platzen der Privatfinanzierungs-Pläne zurück, Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz wurde einige Monate später gefeuert. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat im Februar gegen sie und weitere Beteiligte Anklage erhoben, wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu. Gegen Kai Richter ermittelt sie weiterhin wegen des Verdachts der Untreue.

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