Nürburgring-Desaster: Peinlichkeiten zum Prozess-Auftakt

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Nürburgring-Desaster: Peinlichkeiten zum Prozess-Auftakt

von Florian Zerfaß

Die Aufklärung des Nürburgring-Desasters geht in die nächste Runde. Am Ende könnte noch eine Regierungskrise für Kurt Becks Nachfolgerin Malu Dreyer stehen.

Da war er wieder. Ganz der Alte. Er spielte den Hasen und war doch ein Fuchs. Kurt Beck, 63, seit 18 Jahren Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, SPD-Landeschef, Ex-Bundesparteichef, Bauchmensch, Instinktpolitiker, zuletzt wegen des Nürburgring-Desasters unter Dauerbeschuss. Vor zwei Wochen kündigte er „aus gesundheitlichen Gründen“ an, sich Anfang kommenden Jahres aus dem Amt zurückzuziehen – und zog sich damit gekonnt aus der Affäre.

Einen Monat nach dem überstandenen Misstrauensvotum hat er den Zeitpunkt selbst bestimmt und geschickt gewählt. Sein angekündigter Rückzug mindert den Druck, egal, was ab Dienstag an Peinlichkeiten bekannt wird. Dann beginnt in Koblenz ein Prozess, der vor den Augen der Öffentlichkeit Irrwege und Irrsinn der letzten Regierungsjahre des Kurt Beck ausbreiten wird.

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Vor dem Landgericht muss sich Becks früherer Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) wegen Untreue verantworten und mit ihm fünf weitere Angeklagte. Darunter Ex-Ring-Chef Walter Kafitz (SPD). Beide bestreiten die Vorwürfe. Die Aufklärung des Rennstrecken-Desasters geht mit dem Prozess in die nächste Runde, abgeschlossen aber ist sie noch lange nicht.

Bei der Vertuschung des Debakels vor der Landtagswahl im Jahr 2011 haben nach Recherchen der WirtschaftsWoche diverse SPD-Stützen mitgemauschelt, sodass am Ende womöglich noch eine handfeste Regierungskrise für Becks designierte Nachfolgerin Malu Dreyer (SPD) stehen könnte. Im Koblenzer Prozess kommen nur die Sünden der Vergangenheit auf den Tisch, doch deren Folgewirkungen strahlen noch weit in die Zukunft. Alles begann mit einer gut gemeinten – und doch sehr wirklichkeitsfremden – Idee: Becks damalige SPD-Alleinregierung will Arbeitsplätze schaffen und lässt monströse Bauten in die abgelegene Eifel betonieren.

Strukturpolitik. Ein ganzjähriges Business- und Freizeitzentrum, so der Plan, wird Millionen von Menschen in den Hinterwald locken. Die staatliche Nürburgring GmbH baut Veranstaltungshallen, eine Motorsport-Erlebniswelt, eine Achterbahn. Mindestens die Hälfte soll privat finanziert werden. Zudem soll in einem zweiten Bauabschnitt ein Privatinvestor zwei Hotels, ein Partydorf mit Disco und Restaurants sowie ein Feriendorf errichten.

Wie aus einer Idee Irrsinn wird

Das Resultat: Gäste und Geld bleiben aus, die Nürburgring GmbH ist inzwischen pleite, der Steuerzahler muss entgegen allen Beteuerungen bluten. Der Weg dorthin führte über abenteuerliche Peinlichkeiten. Die staatseigene Firma finanzierte Managern Luxusgelage in Schweizer Nobelhotels, um die verzweifelt gesuchten Privatinvestoren zu umgarnen. Angeblich auch Bordellbesuche. Zahlte Provisionen an einen ehemaligen Hoteldirektor und an den Ex-Assistenten eines Zirkusdirektors, obwohl die beiden eine Privatfinanzierung nie zustande brachten.

Das Land verschuldete sich sogar, um mal 80, mal 95 Millionen Euro auf Schweizer Konten zu deponieren. In der Hoffnung, dass sich ein Scheich aus Dubai mit dem Kontoauszug überzeugen lässt, sein Geld in der Eifel zu verbauen. Oder die „Miracle Asset Management“ („Wundervermögensverwaltung“) es herbeizaubern kann. Für den zweiten Bauabschnitt sprang die Landesregierung gleich selbst als Investor ein. Der Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter schaffte es nicht, genug Geld für die Motorsport Resort Nürburgring GmbH (MSR) aufzutreiben, die die Hotels, das Partydorf und den Ferienpark bauen sollte.

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