Nürburgring-Desaster: PR-Loopings mit der Geisterbahn

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KommentarNürburgring-Desaster: PR-Loopings mit der Geisterbahn

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Sachwalter Jens Lieser (l) und der Sanierungsgeschäftsführer der Besitzgesellschaft Nürburgring GmbH, Thomas B. Schmidt, stehen im Sommer 2012 vor den Schienen der Achterbahn "Ring-Racer" am Nürburgring.

von Florian Zerfaß

Nach vier Jahren Stillstand geht die Achterbahn am Nürburgring endlich in Betrieb. Mehr als ein paar PR-Loopings wird sie allerdings nicht drehen – und die Aktion kann nicht übertünchen, wie schwierig die wirtschaftliche Lage an der insolventen Rennstrecke ist.

Sie sind trist, kahl und grau, die stählernen Stelzen, die sich neben der Start- und Zielgeraden am Nürburgring in den Eifelhimmel winden, sie tragen die verwaisten Schienen des Ring Racers und die Last der Symbolik. Insgesamt 330 Millionen Euro hat die SPD-Landesregierung von Rheinland-Pfalz am Nürburgring für allerlei Unfug ausgegeben, doch kein Bauwerk bringt die unheilvolle Kombination aus gigantomanischen Plänen und kolossaler Inkompetenz so gekonnt zum Ausdruck wie die still stehende Achterbahn.

Als „Ring Roster“ verspotten viele Fans die jahrelang funktionsuntüchtige Bahn. Dabei sollte sie die schnellste der Welt werden und Heerscharen von Touristen in die Eifel locken. Gut zehn Millionen Euro ließ sich die SPD-Landesregierung in Rheinland-Pfalz alleine diesen Spaß kosten, Spesen für die pompöse Eröffnung im Jahr 2009 mit Michael Schumacher und Boris Becker noch nicht inbegriffen. Doch die prominenten Show-Fahrten im Kriechtempo waren auch schon die letzten: Seither sorgte der Ring Racer mit Defekten, Unfällen, Verletzen, Ermittlungen und Genehmigungsstreit für Schlagzeilen. Weder landeseigene Manager noch private Pächter noch Insolvenzverwalter bekamen den Racer bislang ins Rollen.

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Bei der Ausschreibung der weltbekannten Rennstrecke gibt es gravierende juristische Probleme. Quelle: dpa

Hoffen auf den Neustart

Ab heute nun soll endlich alles anders werden: Die Kreisverwaltung Ahrweiler als zuständige Aufsichtsbehörde hat grünes Licht gegeben, die Insolvenzverwalter Jens Lieser (Koblenz) und Thomas Schmidt (Trier) haben zur feierlichen Inbetriebnahme für den Publikumsverkehr geladen. „Formel-1-Feeling pur: Starte zur Fahrt deines Lebens!“, knallt der Slogan auf der Nürburgring-Webseite Lesern entgegen. Die Inszenierung des Neustarts hat allerdings einen ganz gravierenden Haken: Sie ist eine PR-Luftnummer. Das mag im laufenden Verkaufsprozess willkommen sein - kann aber nicht überdecken, dass die wirtschaftliche Lage an der insolventen Rennstrecke sich schlechter entwickelt als geplant.

Als Tag der Wende haben die Insolvenzverwalter den heutigen 31. Oktober auserkoren. Laut Terminkalender auf der Nürburgring-Webseite ist das just der letzte Tag, an dem ein so genannter Track Day für Sportfahrer stattfindet. Das letzte Rennen des Jahres hat bereits am vergangenen Wochenende stattgefunden. Auftakt der nächsten Saison ist erst Mitte April 2014. Dazwischen wird die Nordschleife im November zwar noch ein paar Tage für Touristenfahrten geöffnet sein, doch die Motorsport-Saison ist vorbei. Und damit auch die Veranstaltungen, bei denen ein größeres Publikum an den Ring kommt. Bis zum Frühjahr fällt der Ring in Winterstarre.

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