
Die Hotelkette Dorint wehrt sich dagegen, dass die Nürburgring GmbH ihre Insolvenz in Eigenregie abwickeln darf. Am heutigen Freitag meldete sie beim zuständigen Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler an, dass sie der so genannten Insolvenz in Eigenverwaltung widerspricht. Außerdem fordert Dorint Akteneinsicht sowie einen Sitz im vorläufigen Gläubigerausschuss, teilte ihr Anwalt Clemens Antweiler von der Düsseldorfer Kanzlei RWP mit. Laut der Hotelkette, die seit Dezember vergangenen Jahres Schadenersatz von der Nürburgring GmbH fordert, kommt „eine Eigenverwaltung über die Insolvenzmasse nicht in Betracht, da die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür nicht erfüllt sind“. Ein Sprecher des Amtsgerichts war am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Die Nürburgring GmbH, die zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler gehört, hatte am vergangenen Freitag Insolvenzantrag gestellt. Der vorläufige Gläubigerausschuss beschloss am Dienstag dieser Woche, dass es eine Insolvenz in Selbstverwaltung geben soll. Dabei erarbeitet die Gesellschaft selbst einen Sanierungsplan, ein so genannter Sachwalter kontrolliert die Geschäftsführung. Zum neuen Geschäftsführer wurde der Trierer Rechtsanwalt Thomas B. Schmidt bestellt, als Sachwalter der Koblenzer Anwalt Jens Lieser.

Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Die superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.
Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.

Ein 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.

Der Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.

Eine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.

Die Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.

Seit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.
Ringen um Sitze im Gläubigerausschuss
Dorint verklagt die Nürburgring GmbH auf Schadenersatz, weil sie sich bei der Vergabe des Rennstreckenbetriebs an private Betreiber benachteiligt sieht. Die Nürburgring GmbH hatte sich am Neubau eines Erlebnisparks verhoben. Ab Mai 2010 vergab sie den Betrieb der Rennstreckend samt Erlebnispark an die private Nürburgring Automotive GmbH, an der Dorint-Konkurrent Lindner mit 50 Prozent beteiligt ist. Dorint sieht dabei Verstöße gegen das Vergaberecht. Um Schadenersatzansprüche durchsetzen zu können, will die Hotelkette nun einen Sitz im Gläubigerausschuss. „Offenbar hat die Nürburgring GmbH das Schadenersatzrisiko in der Vermögensaufstellung bisher überhaupt noch nicht berücksichtigt“, sagte Antweiler der WirtschaftsWoche, „schon alleine deshalb sind bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung Nachteile für die Gläubiger zu befürchten.“
Nicht nur Dorint ist sauer über den bisherigen Ablauf des Insolvenzverfahrens. Der gemeinnützige Verein „Ja zum Nürburgring“ fordert ebenfalls einen Sitz im Gläubigerausschuss. „Wir werden weiterhin alles daran setzen, darin vertreten zu sein“, sagt der Anwalt des Vereins, Dieter Frey. „Eine Insolvenz in Eigenverwaltung ist etwas anderes, als wenn ein externer Insolvenzverwalter die Verwaltungs- und Verfügungsmacht über das Unternehmen und dessen Vermögen übernimmt.“ Um eine möglichst effektive Kontrolle zu gewährleisten sei es bei einer Eigenverwaltung erforderlich, dass „möglichst auch geschäftskritische Kompetenzen im Gläubigerausschuss vertreten sind.“
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