
Sie haben schon viel gestritten über den Nürburgring, doch als sie den politischen Bankrott der rheinland-pfälzischen Politik in Sachen Rennstrecke verkündeten, saßen sie einträchtig nebeneinander und verschossen Giftpfeile in eine ganz andere Richtung – nach Brüssel. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bestätigte im Beisein von drei Ministern, dass die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH Insolvenz anmeldet, und den Sündenbock präsentierte er gleich mit: Die EU-Kommission. „Es ist eine bittere Wahrheit, dass durch das Nicht-Handeln der Kommission irreversible Tatsachen geschaffen werden“, keilte der Ministerpräsident. „Das werden wir nicht so stehen lassen.“
Beck, seine Stellvertreterin und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne), Innenminister Roger Lewentz (SPD) und Finanzminister Carsten Kühl (SPD) hatten einen gemeinsamen Feind gefunden. Denn eigentlich wollte die Landesregierung die hoch verschuldete Nürburgring GmbH mit weiteren Millionen aus dem Landeshaushalt retten. Die Kommission teilte allerdings in einem Schreiben nach Mainz mit, dass sie die Rettungsbeihilfen nicht erlauben will. Eine endgültige Entscheidung hat sie noch nicht getroffen. Doch der Nürburgring GmbH fehlt es sowohl an Geld als auch an Zeit – und deshalb, so die Mainzer Lesart, ist die EU-Kommission Schuld daran, dass die Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden muss, weil sie noch nicht abschließend entschieden hat. Lemke echauffierte sich darüber, dass die EU-Kommission spanische Banken mit einer Beihilfe von 100 Milliarden rettet, aber vergleichsweise kleine Summen für den Nürburgring nicht erlaubt.

Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Die superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.
Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.

Ein 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.

Der Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.

Eine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.

Die Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.

Seit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.
Die Probleme am Ring jedoch sind hausgemacht. Es sind nicht die Illusionen und Fantastereien der Kommission, die die Nürburgring GmbH in den Abgrund gestürzt haben. Brüssel erzwingt nun einen Schnitt – die katastrophale Situation an der Rennstrecke aber haben Beck und seine Regierung selbst zu verantworten. Nur: Die Verantwortung übernimmt niemand. Als ein Journalist fragte, ob die Kommission zum Sündenbock gemacht werden solle, antwortete Lemke: „Ihre Frage impliziert, dass wir, dass die Landesregierung Fehler gemacht hat. Wir haben keine Fehler gemacht!“
Während alle die Verantwortung weit von sich weisen und am liebsten nach Brüssel schieben, ist bereits klar, wer die Zeche zahlt für die aberwitzigen Pläne in der Eifel: Der rheinland-pfälzische Steuerzahler. Das Land will eine 254 Millionen Euro umfassende Haushaltsrücklage aktivieren, um den Löwenanteil der 330 Millionen Euro teuren Neubauten mit Freizeitpark, Hotels und Veranstaltungshallen zu bezahlen. Weitere Rücklagen in Höhe von 40 Millionen Euro seien vorhanden, der Rest soll aus dem laufenden Haushalt aufgebracht werden. Dass Beck bisher stets betont hatte, am Nürburgring werde kein Steuergeld investiert? Geschenkt. „Was ich früher zu Steuermitteln gesagt habe bezog sich immer auf den Stand der Informationen, die ich begründet vorgetragen habe“, ließ der seit 18 Jahren amtierende Regierungschef lapidar wissen.
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