
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Die superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.
Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.

Ein 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.

Der Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.

Eine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.

Die Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.

Seit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.
Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.
Der Nürburgring erlebt an diesem Wochenende eines der imposantesten Rennspektakel auf der Eifelstrecke. Tonnenschwere Lastwagen donnern beim Truck-Grand Prix des ADAC über den „Ring“ und locken zehntausende Zuschauer. Doch das Röhren und Dröhnen der Motoren könnte nur ein zartes Rauschen sein im Vergleich zu dem Knall, mit dem sämtliche Illusionen und Fantastereien der rheinland-pfälzischen Landesregierung womöglich kurz darauf in die Luft fliegen: Die Nürburgring GmbH, die zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 10 Prozent dem Landkreis Ahrweiler gehört, steht dicht vor einer Pleite.
Noch in diesem Monat droht der Nürburgring GmbH das Geld auszugehen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche haben die beiden Geschäftsführer Gerd Weisel und Hans-Joachim Koch die Belegschaft am vergangenen Dienstag bei einem Treffen mit Mitarbeitern bereits auf eine mögliche Insolvenz Ende Juli hingewiesen, wenn die EU-Kommission es dem Land bis dahin nicht erlaubt, die Rennstrecke mit weiteren Millionenhilfen zu retten. Die Landesregierung will sich auf Nachfrage zur Liquiditätssituation bei der Nürburgring GmbH nicht äußern. „Mit Blick auf die laufenden Verfahren und das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis“, wie der Sprecher des zuständigen Innenministeriums mitteilt.
Insolvenz ist das Letzte was Beck gebrauchen kann
Ein Kollaps der Nürburgring GmbH wäre für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) ein Desaster erster Güte. Gerade verdichten sich in Mainz die Anzeichen, dass der seit 18 Jahren amtierende Regierungschef nach dem missratenen Versuch, einen Generationenwechsel einzuleiten, im Herbst selbst noch einmal für den Posten als SPD-Landeschef kandidieren will. Eine Insolvenz der Nürburgring GmbH wäre das letzte, was er gebrauchen kann.
Beck führte zwischen 2006 und 2011 eine SPD-Alleinregierung an, die beim Projekt „Nürburgring 2009“ 330 Millionen Euro in den Bau von Hotels, Restaurants, Veranstaltungshallen und einen Freizeitpark investiert hat – eigentlich gedacht, um die seit 2006 bilanziell überschuldete Nürburgring GmbH aus den roten Zahlen zu bringen, um Arbeitsplätze zu sichern und die strukturschwache Eifelregion zu fördern. Doch die Neubauten produzierten bisher nur neue Verluste. Und ausgerechnet die vermeintliche Zukunftsinvestition könnte das Prestigeprojekt nun aus der Kurve werfen.
Nachdem eine Privatfinanzierung für „Nürburgring 2009“ gescheitert war, hatte die landeseigene Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) einen Kredit von 330 Millionen Euro bereitgestellt. Ende Juli werden rund sechs Millionen Euro an Zinszahlungen für den 330-Millionen-Kredit fällig, die die Nürburgring GmbH nicht aufbringen kann. Schon die im April fällige Rate von etwa drei Millionen Euro war ihr gestundet worden.
Der Sprecher des Innenministeriums will sich auch zu den Zinszahlungen nicht äußern. Klar ist jedenfalls: Beck und seine Mannschaft wollen den Nürburgring retten – und weitere Millionen nach Nürburg tragen.
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