
Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte die Regierung in Pjöngjang auf, ihre Nuklearwaffen- und Raketenprogramme unverzüglich einzustellen und weitere Tests zu unterlassen. Steinmeier erklärte, mit dem Atomwaffentest setze die nordkoreanische Regierung ihren „Irrweg in die Selbstisolation“ weiter fort. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sei nun gefordert, „dieser nordkoreanischen Provokation eine entschlossene Reaktion entgegenzusetzen“. Auch erwarte die Bundesregierung, dass Nordkorea unverzüglich seine Sechs-Parteien-Gespräche mit den USA, Russland, China, Japan und Südkorea über die Nuklearprogramme wieder aufnimmt. Wie die nordkoreanische staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete, sei der unterirdische Test erfolgreich verlaufen. „Der Atomwaffentest ist ein historisches Ereignis, das unser Militär und unser Volk glücklich macht“, hieß es. „Der Atomwaffentest wird dazu beitragen, den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der umliegenden Region zu erhalten.“ Aus dem Versuchsgelände sei keine Radioaktivität ausgetreten. Mittlerweile haben russische und auch deutsche Messstellen seismische Aktivitäten bestätigt. Ob diese durch eine Nuklearexplosion ausgelöst wurde, lässt sich bisher nur vermuten - denn zum endgültigen Nachweis müssen noch radioaktive Partikel in der Atmosphäre entdeckt werden. Scharfe Proteste in der ganzen Welt Weltweit wurde der Test scharf als Provokation und Gefährdung der Sicherheit in der Region verurteilt. Zugleich wurde der Ruf nach Sanktionen gegen das asiatische Land laut. Die USA forderten den Weltsicherheitsrat auf, angesichts der „unprovozierten“ nordkoreanischen Aktion „sofort zu handeln“. In einer in Washington veröffentlichten Erklärung wurde bekräftigt, dass sich die USA dem Schutz und der Verteidigung ihrer Verbündeten in der Region verpflichtet sähen. An Pjöngjang richtete das Weiße Haus die Aufforderung, die Spannungen in Südostasien nicht weiter zu verschärfen. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, der Atomtest füge dem System der Nichtverbreitung von Atomwaffen „großen Schaden“ zu. „Ich hoffe, dass Nordkorea in den Verhandlungsprozess zurückkehrt.“ Er habe das Außenministerium angewiesen, entsprechende Konsultationen im UN-Sicherheitsrat zu führen, erklärte Putin nach Angaben des Kremls. Die finnischen EU-Ratspräsidentschaft erklärte, die Union werde mit der internationalen Gemeinschaft zusammen an einer „entscheidenden Antwort auf diesen provokativen Akt“ arbeiten. Die EU fordere Nordkorea „dringend auf, sich aller weiteren Tests zu enthalten, öffentlich auf den Besitz von Kernwaffen zu verzichten und sofort sowie bedingungslos an den Verhandlungstisch zurückzukehren“. Deutschland zeigt sich entsetzt Auch deutsche Politiker übten drastische Kritik an Nordkorea. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte zum Test: „Dies ist ein unverantwortlicher Schritt, der geeignet ist, die Spannungen in der Region erheblich zu verstärken.“ Außenamtssprecher Martin Jäger sagte, man werde dem nordkoreanischen Botschafter mit Nachdruck die Sorgen der Bundesregierung wegen der Nukleartests mitteilen. Sollte der UN-Sicherheitsrat Beschlüsse gegen Nordkorea fassen, würde Deutschland sie in vollen Umfang und konsequent mittragen. Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Walter Kolbow, sprach von einer unverantwortlichen Eskalation. Verantwortungsvolles politisches Handeln sei das Gebot der Stunde. „Es muss verhindert werden, dass die nordkoreanische Regierung den Weg der Eskalation weitergeht.“ Die abrüstungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, verlangte: „Die Weltgemeinschaft darf die nordkoreanischen Muskelspiele nicht unbeantwortet lassen.“ Gerade vor dem Hintergrund der Debatte über das iranische Atomprogramm seien internationale Sanktionen gegenüber Nordkorea unausweichlich. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erklärte: „Wir sehen die atomare Drohung des Regimes in Pjöngjang mit großer Sorge.“ Es sei dringend erforderlich, die Sechser-Gespräche wieder aufzunehmen. Greenpeace verurteilte den Atombombentest auf das Schärfste. Abrüstungsexperte Wolfgang Lohbeck nannte aber die Empörung, die jetzt die Welt angesichts dieser Tests erfasse, auch ein Stück verlogen. Die Atommächte, allen voran die USA, hätten sich in der Vergangenheit nicht an geltendes Völkerrecht gehalten, sondern immer wieder mit der Atombombe gedroht. Statt Krokodilstränen zu vergießen, sollten die USA und China sofort den Atomteststopp-Vertrag ratifizieren, der ihretwegen nicht in Kraft treten könne.












