OB-Wahlen in Köln: Niedergestochene Kandidatin Reker gewinnt

OB-Wahlen in Köln: Niedergestochene Kandidatin Reker gewinnt

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Henriette Reker hat die absolute Mehrheit im ersten Wahldurchgang erreicht und wird neue Oberbürgermeisterin von Köln.

Die bei einem Messerangriff verletzte Politikerin Henriette Reker hat die OB-Wahlen in Köln im ersten Wahlgang gewonnen. Nach dem schweren Angriff riefen Politiker zum Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit auf.

Die im Wahlkampf von einem mutmaßlichen Rechtsextremisten niedergestochene Henriette Reker hat bei der Oberbürgermeister-Wahl in Köln gesiegt. Die parteilose Politikerin habe sich mit 52,66 Prozent bereits im ersten Wahlgang am Sonntag die nötige absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen gesichert, teilte die Stadt Köln auf ihrer Internet-Seite mit. Sie gewann damit mit deutlichem Abstand vor dem SPD-Kandidaten Jochen Ott. Nach dem Angriff auf Reker wuchs die Furcht vor weiteren fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten.

Mehrere Politiker erhoben massive Vorwürfe gegen die islamkritische Pegida, den Boden für ausländerfeindliche Angriffe zu bereiten. "Pegida senkt die Hemmschwellen dafür, dass aus Worten Taten werden", sagte Justizminister Heiko Maas. Vertreter aller Bundestagsparteien riefen zum gemeinsamen Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit auf. Unterdessen verdichteten sich die Hinweise auf Kontakte des 44 Jahre alten Täters in die rechtsextreme Szene.

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Reaktionen zum Angriff auf Reker

  • NRW Ministerpräsidentin Kraft

    NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Diese feige und verabscheuungswürdige Tat ist auch ein Anschlag auf die Demokratie in unserem Land und damit auf uns alle.“

  • NRW-Innenminister Jäger

    NRW-Innenminister Ralf Jäger: „Die Ermittlungen der Kölner Polizei und des LKA lauf auf Hochdruck. Die ersten Anzeichen sprechen für eine politisch motivierte Tat.“

  • NRW-Justizminister Kutschaty

    NRW-Justizminister Thomas Kutschaty: „Der Angriff auf Frau Reker ist ein abscheuliches Verbrechen. Hier muss der Staat mit aller Härte durchgreifen.“

  • Kölner Erzbischof Kardinal Woelki

    Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki: „Es ist erschütternd, dass eine solch sinnlose Gewalttat den Wahlkampf überschattet.“

  • FDP-Bundesvorsitzender Lindner

    FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner: „Eine feige und irrsinnige Tat, die letztlich allen gilt, die sich für die Demokratie engagieren.“

  • Simone Peter und Cem Özdemir von den Grünen

    Simone Peter und Cem Özdemir, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen: „Wir verabscheuen jede Form von Bedrohung und Angriffen auf Menschen. Hier müssen wir über alle Parteigrenzen hinweg zusammenstehen.“

Der Pegida-Bewegung gehe es um rhetorische Brandstiftung, sagte Maas der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht. "Das sind doch längst keine besorgten Bürger mehr, die da jetzt Galgen und Hitlerfratzen hinterher laufen", erklärte der SPD-Politiker mit Blick auf die für Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundeskanzlerin Angela Merkel bestimmte Galgenattrappe bei einer Pegida-Demonstration in Dresden.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber forderte die Bürger auf, sich gegen Aufrufe zur Gewalt zu wehren. "Das gilt für Galgen bei Pegida-Kundgebungen genauso wie für eine Guillotine bei der Demo gegen das Freihandelsabkommen", sagte er der Zeitung "B.Z.".

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere erklärte, er sei schon seit langem besorgt über die hasserfüllte Sprache und gewalttätige Aktionen in der Flüchtlingsdebatte. "Dieser feige Anschlag in Köln ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Radikalisierung." Nicht nur der Staat, sondern die gesamte Gesellschaft sei gefordert, ein klares Zeichen gegen jede Form der Gewalt zu setzen, sagte der CDU-Politiker.

Oberbürgermeister und Regierungschefs in den 10 größten deutschen Städten (nach Einwohnerzahl)

  • Berlin

    Michael Müller, SPD

  • Hamburg

    Olaf Scholz, SPD

  • München

    Dieter Reiter, SPD

  • Köln

    Jürgen Roters, SPD

  • Frankfurt am Main

    Peter Feldmann, SPD

  • Stuttgart

    Fritz Kuhn, Grüne

  • Düsseldorf

    Thomas Geisel, SPD

  • Dortmund

    Ullrich Sierau, SPD

  • Essen

    Reinhard Paß, SPD

  • Bremen

    Carsten Sieling, SPD

Auch der für die Flüchtlingspolitik zuständige Kanzleramtsminister Peter Altmaier rief in der Funke Mediengruppe zur Abgrenzung gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit auf. Die Grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt twitterte, es gehe bei der Attacke um einen Angriff auf die Demokratie. Noch am Samstagabend hatten sich Spitzenpolitiker aller demokratischen Parteien in NRW, darunter Regierungschefin Hannelore Kraft, in Köln einer Menschenkette als Zeichen des Protestes gegen das Attentat angeschlossen.

Ermittlungen konzentrieren sich auf Fremdenhass als Motiv

Reker war am Samstagmorgen auf einem Kölner Wochenmarkt angegriffen worden. Der Täter stach unvermittelt mit einem Messer auf sie ein und verletzte vier weitere Menschen teils schwer. Die Ermittlungen konzentrierten sich nach Angaben der Polizei auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Chef-Ermittler Norbert Wagner erklärte am Samstag, der Täter habe Reker "gezielt und bewusst" aus fremdenfeindlichen Motiven heraus angegriffen. Hinweise auf Komplizen gebe es derzeit nicht. Der arbeitslose Maler und Lackierer sollte am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach Angaben der Polizei ergab ein Gutachten, dass er voll schuldfähig ist. Laut Spiegel-Online sagte der Täter in seiner Vernehmung: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg." Demnach soll er offenbar auch erklärt haben, er fürchte, in Deutschland werde die Scharia eingeführt.

Kölner OB-Kandidatin niedergestochen Fremdenfeindliche Motive für Attacke

Der Angreifer handelt heimtückisch und höchst brutal: In Köln wird die Oberbürgermeister-Kandidatin Reker durch eine Messerattacke schwer verletzt. Ist der Einsatz des Opfers für Flüchtlinge ein Grund für das Attentat?

In Köln ist die parteilose Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker durch eine Messerattacke schwer verletzt worden. Quelle: REUTERS

Der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau, der den Angriff miterlebte, sagte der "Rheinischen Post", nach der Tat habe 44-Jährige erklärt: "Ich musste es tun. Ich schütze euch alle." Die Neonazi-Gegner "Antifa Bonn/Rhein-Sieg" schrieben auf ihrer Internet-Seite, der Attentäter sei in den 90er Jahren in der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Partei Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei aktiv gewesen. Er habe zudem an Gedenkmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess teilgenommen.

Als Indiz für einen fremdenfeindlichen Hintergrund werten die Ermittler auch, dass der allein lebende Mann sich Reker als Opfer ausgesucht hat. Die 58-Jährige hat sich über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen mit ihrem Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und für Flüchtlingshilfen gemacht. Als Kölner Sozialdezernentin war sie zudem für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig. Sie ist parteilos, wird aber von CDU, FDP und Grünen unterstützt. "Eine vollständige Wiederherstellung der Gesundheit von Henriette Reker ist wahrscheinlich", teilte die Kölner CDU am Sonntag mit.

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