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Oben hilft unten: Das Tor zur Bildung

von Max Haerder

Über Zukunftschancen entscheidet in Deutschland zu häufig Herkunft statt Talent. Studenten wollen jetzt gegensteuern.

Katja Urbatsch Quelle: laif
Katja Urbatsch unterstützt Arbeiterkinder beim Studium Quelle: laif

Katja Urbatsch weiß, dass es sich nicht nur gut anfühlt, die Erste zu sein. In ihrer Familie konnte ihr niemand sagen, worauf es in einem Universitäts-Kolloquium ankommt, und Hilfe gab es nicht, als es hakte bei der Seminararbeit. Ihren Weg durch das ach so freie Studentenleben – das Arbeiterkind Urbatsch empfand ihn eher als Hürdenlauf. Einen langen und ermüdenden.

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Heute sitzt sie in den frisch angemieteten, noch spärlich gefüllten Büroräumen von Arbeiterkind.de in Berlin-Mitte und hat all das hinter sich. Urbatsch will nun denen zur Seite stehen, die ihre Bildungslaufbahn noch vor sich haben. Denen, die Universität vor allem als Drohkulisse empfinden und nicht als Versprechen auf eine gute Zukunft. "Wir schieben viel auf den Staat", sagt sie. "Aber wir müssen die Hürden selbst abbauen."

Entscheidendes Elternhaus

Arbeiterkind ist ein griffiges Wort für das Projekt, ganz nach ihrem Geschmack: Denn Urbatsch hat es geschafft, trotz ihrer eher bildungsfernen Herkunft. Zuerst war es nur eine Web-Seite, auf der sie Tipps und Ermunterungen sammelte. Mittlerweile hat Arbeiterkind.de eine Handvoll feste Mitarbeiter und mehr als 2500 freiwillige Unterstützer in 80 Ortsgruppen überall in Deutschland. Die meisten sind selbst "Studenten der ersten Generation", wie Urbatsch es formuliert. Man hilft sich gegenseitig, und man hilft woanders: an der Uni, aber vor allem in Schulen. Dort werben Arbeitersprösslinge mit ihrem eigenen Lebenslauf für ein Studium, bieten ihren Rat an, informieren über Bafög und Stipendien.

Vor elf Jahren stellte das "Programme for International Student Assessment", kurz Pisa, der Bildungsrepublik Deutschland zum ersten Mal ein ziemlich dürftiges Zeugnis aus. Vor allem ein Befund will trotz aller Anstrengungen seitdem nicht verschwinden: In kaum einem anderen Industrieland ist das Elternhaus so wichtig für den Lebensweg wie hierzulande. Bei der "Bildungsbeteiligung nach sozialer Herkunft", so steht es auch im jüngsten Nationalen Bildungsbericht, gibt es "nach wie vor erhebliche soziale Disparitäten". Es ist die soziologische Umschreibung für das deutsche Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.05.2011, 17:50 UhrAnonymer Benutzer: Bildungsbürger

    Eine initiative ist leider im Artikel nicht erwähnt, gehört aber auch dazu: "Teach First Deutschland" sucht Absolventen aller Studienrichtungen und schickt sie für zwei Jahre in Vollzeit an Schulen in sozialen brennpunkten. Mehr unter http://www.teachfirst.de

  • 10.05.2011, 01:57 UhrAnonymer Benutzer: Der lupenreine Demokrat

    Als Lehrer halte ich folgende Punkte für entscheidend für eine gute Ausbildung. Die Weichen werden teilweise dafür schon lange vor der Einschulung gestellt.

    1. intelligenz natürlich. Defizite sind aber teilweise kompensierbar.
    2. Entwicklung von interessen der Kinder bereits im Vorschulalter durch z. b. Sport. Wichtig ist der Kontakt zu anderen Kindern.
    3. Vermeidung von übermäßiger Medienberieselung wie Fernsehen.
    4. Vermittlung der Grundkenntnisse des Lernens im Grundschulalter. D. h. Diziplin im Unterricht, erfolgreiches Ausführen von Arbeitsaufträgen, Verantwortungbewußtsein. Hier müssen die Eltern bei Auffälligkeiten sofort gegensteuern.
    5. Wahl der Schule. in der Schule sollte die Anzahl verhaltensauffälliger Schüler möglichst gering sein. Diese vermindern sehr stark das Lerntempo.

    Die Punkte 2-5 werden aber nur in Elternhäusern erfüllt, in denen sich die Eltern darum kümmern. Dies sind oft Eltern mit einer hohen bildung. Deshalb hängt bildung oft von der sozialen Herkunft ab. Die Kinder selbst haben kaum Möglichkeiten, dies zu beeinflussen.

  • 10.05.2011, 01:25 UhrAnonymer Benutzer: MV

    Zitat: "in kaum einem anderen industrieland ist das Elternhaus so wichtig für den Lebensweg wie hierzulande."

    Das ist ja wirklich verwerflich, dass mir meine Eltern bereits im Vorschulalter Schach beibrachten und ich dank meiner Erziehung schon mit zwölf Jahren aus Freude Werke wie den "Schimmelreiter" begeistert las. Was soll der unsinnige Vorwurf? Offenbar kümmern sich die deutschen bildungsbürger mehr um die Förderung ihres Nachwuchses, während es in anderen Ländern öfter dem Staat überlassen wird. Oder wie soll man diesen Zusammenhang sonst interpretieren?

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