OECD veröffentlicht erste Kinderstudie: 100.000 Euro für ein Kind

OECD veröffentlicht erste Kinderstudie: 100.000 Euro für ein Kind

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Erstklässler der Grundschule im brandenburgischen Görzig (Oder-Spree) warten am Samstag (29.08.2009) auf den Beginn der Einschulungsfeier.

Der deutsche Staat überweist viel Geld an Familien und investiert vergleichsweise wenig in Betreuung und Bildung. Das Ergebnis: Nur in den USA leben noch mehr Kinder unter der Armutsgrenze als in Deutschland. Statt hohe Summen zur Unterstützung von Eltern auszugeben, wäre es sinnvoller, den Anreiz zur Jobaufnahme zu erhöhen. Denn besonders für Alleinerziehende lohnt es sich oft nicht, arbeiten zu gehen: Was sie brutto verdienen, wird in Form von Steuern und Sozialabgaben sofort wieder abgezogen, hinzu kommen die Betreuungskosten.

Dass Kinder teuer sind, wussten Eltern schon immer, jetzt weiß es auch der Staat.

Mehr als 100.000 Euro kostet ihn ein Kind im Schnitt bis zum 18. Lebensjahr. Das geht aus der ersten Kinderstudie  hervor, die die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag vorgelegt hat. Pro Jahr macht das gut 5600 Euro. Deutschland liegt damit im oberen Mittelfeld, hinter den skandinavischen Ländern, Österreich, Frankreich, Belgien und dem Spitzenreiter Luxemburg. Ein Großteil der Summe entsteht allerdings alleine durch den Steuerfreibetrag. 3864 Euro pro Jahr und Kind dürfen Eltern von ihrem Einkommen steuerfrei behalten. Hinzu kommen Direkttransfers wie Kindergeld und Elterngeld. Etwa zwölf Prozent der Gesamtsumme fließen in Betreuung, das sind pro Kind für die ersten sechs Lebensjahre rund 115 Euro pro Monat. In Bildung investiert der Staat pro Kind bis zum 18. Lebensjahr 45. 000 Euro, pro Kopf und Jahr im Schnitt also 3750 Euro.

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Die USA beispielsweise geben mit rund 70.000 deutlich mehr aus, auch Österreich, Großbritannien liegen vor der Bundesrepublik.

Kein Staat überweist soviel Geld direkt und ohne Nachfrage auf das elterliche Konto

Spitzenreiter ist Deutschland dagegen bei den sogenannten Direkttransfers: Kein Staat überweist soviel Geld direkt und ohne Nachfrage auf das elterliche Konto, mit Ausnahme von Luxemburg, das allerdings insgesamt viel größere Summen in seine Kinder investiert. Und das bedingungslos: Keiner kontrolliert, ob Kindergeld und Elterngeld tatsächlich im Sinne des Nachwuchs ausgegeben werden. Trotz der hohen Zuwendungen ist die Kinderarmut in Deutschland vergleichsweise hoch.

Etwa jedes sechste Kind lebt unter der Armutsgrenze. Im OECD-Schnitt ist es nur gut jedes Zehnte. Hier liegt Deutschland direkt hinter dem Spitzenreiter USA, wo jedes fünfte Kind in einem armen Haushalt aufwächst. Der Grund hierfür liegt laut OECD auf der Hand: In Deutschland leben viele Alleinerziehende von Hartz IV. Das ist im Zweifelsfalle lukrativer, als einen schlecht bezahlten Teilzeitjob aufzunehmen, einen Kita-Platz zu suchen und obendrein in der ständigen Sorge zu leben, das Kind könnte krank werden oder die Kindergärtner streiken. Die OECD rechnet vor, dass eine Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern, die 2200 Euro brutto verdient, so viele Steuern und Sozialabgaben zahlen muss, dass ihr im Monat unter dem Strich nur 230 Euro mehr bleiben, als wenn sie von staatlicher Hilfe leben würde.

Obendrein profitiert sie nicht mehr vom ermäßigten Eintritt im Zoo und im Schwimmbad und muss einen Babysitter bezahlen, wenn die Kinder an Windpocken erkranken.

Fazit der OECD: Finanziell besteht für Alleinstehende in Deutschland kaum ein Anreiz, Arbeit aufzunehmen. Arbeit aber ist nach wie vor der beste Schutz vor Armut.

Jugendliche in Deutschland rauchen viel und treiben wenig Sport

Überdurchschnittlich gut schneidet Deutschland bei der Kindersterblichkeit ab. Im Schnitt überleben nur 3,9 Promille der Babys ihr erstes Lebensjahr nicht, also weniger als vier von 1000. Der OECD-Schnitt liegt bei 4,8 Promille. Auch beim Impfen liegen die Deutschen weit vorne: 97,8 Prozent der Zweijährigen in Deutschland sind gegen Keuchhusten geimpft, im OECD-Schnitt sind es nur 88 Prozent. Und entgegen der oft beklagten „Impfmüdigkeit“ in Deutschland lassen 94 Prozent der Eltern ihren Nachwuchs gegen Masern impfen, im OECD-Schnitt sind es nur 88,5 Prozent.

Weniger als ihre Altersgenossen in anderen Ländern scheinen Kinder und Jugendliche in Deutschland allerdings auf einen gesunden Lebensstil zu achten: Täglich treiben nur 17 Prozent der 11- bis 15-Jährigen Sport in Deutschland, im OECD-Schnitt sind es über 20 Prozent. Das Schlusslicht bilden die jungen Franzosen mit 13,5 Prozent, die Vorhut die USA mit immerhin 26,8 Prozent.

Dafür zünden sich die jungen Leute hierzulande gerne mal eine Zigarette an: 22 Prozent der 15-jährigen Mädchen rauchen mindestens einmal die Woche und 17 Prozent der Jungen, das liegt deutlich über dem Durchschnitt von 15 bzw. 18 Prozent.

Übrigens: Laut Statistischem Bundesamt kosten Kinder ihre Eltern bis zur Volljährigkeit 120.000 Euro - nur an Konsumausgaben.

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