Ökonom Stournaras: "Das ist unsere letzte Chance"

Ökonom Stournaras: "Das ist unsere letzte Chance"

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Yannis Stournaras

Der griechische Ökonom Yannis Stournaras kritisiert die Versäumnisse der Regierung Giorgos Papandreou – und sieht dennoch Licht am Ende des Tunnels.

WirtschaftsWoche: Herr Stournaras, vergangenen Mittwoch hat das griechische Parlament das neue Konsolidierungspaket verabschiedet. Was bedeutet das für das Land?

Stournaras: Diese Entscheidung dient dem nationalen Interesse. Aber das Anpassungsprogramm steht noch ganz am Anfang. Die politische Führung braucht jetzt die Ausdauer eines Marathonläufers, sie muss populistischen Argumenten widerstehen, sie braucht Weitsicht, um die Menschen zu inspirieren und die Märkte zu überzeugen. Damit kann sie die politische Krise meistern. Ich glaube fest daran, dass Griechenland es schaffen kann.

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Mit dem Sparen tut sich die Regierung aber noch schwer. Ende Mai war das Defizit bereits zwei Milliarden Euro höher als geplant. Was läuft schief?

Das größte Problem ist die Ineffizienz unserer Steuerbehörden. Das begünstigt die Steuerhinterziehung. Diese Mängel hätte die Regierung viel früher abstellen müssen. Außerdem leiden die Steuereinnahmen unter der Rezession...

...die viel tiefer ist als erwartet.

Griechenlands Bruttoinlandsprodukt sank im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent und geht in diesem Jahr voraussichtlich nochmals um 3,8 Prozent zurück. Verglichen mit den Entwicklungen in Irland, Estland oder Litauen in 2009, ist das noch relativ harmlos. Hätten wir das Rettungspaket vom Mai 2010 nicht, würde die Rezession sehr viel schlimmer ausfallen.

Wie kann Griechenland zum Wachstum zurückkehren?

Wir sehen bereits Anzeichen einer Erholung. Unsere Exporte sind im ersten Quartal um 31,5 Prozent gestiegen. Wenn die EU, wie das jetzt in der Diskussion ist, bisher nicht genutzte Fördermittel von rund 17 Milliarden Euro für Griechenland vorzeitig auszahlt, können wir zahlreiche Infrastrukturprojekte verwirklichen und die Wirtschaft wiederbeleben.

Was könnte konkret geschehen?

Der neue Umweltminister Giorgos Papakonstantinou, unser bisheriger Finanzminister, könnte zum Beispiel die Genehmigungsverfahren für Investitionen in erneuerbare Energien beschleunigen. Darin liegt ein riesiges Wachstumspotenzial. Natürlich brauchen wir dafür ausländische Investoren, aber wenn wir es klug anstellen, könnten wir einen Großteil dieser Investitionen in lokale Wertschöpfung verwandeln.

Stimmt das Tempo der Strukturreformen?

Besonders enttäuscht bin ich von den Verzögerungen bei den Privatisierungen. Da liegt der Grundfehler dieses Konsolidierungsprogramms: Ich hätte mit den Privatisierungen und Strukturreformen angefangen. Und bei der fiskalischen Konsolidierung hätte ich das Hauptgewicht auf Ausgabenkürzungen gelegt. Stattdessen hat die Regierung mit Steuererhöhungen angefangen. Das war ein Fehler, der jetzt hoffentlich korrigiert wird.

Die Regierung verspricht Privatisierungseinnahmen von 50 Milliarden Euro bis 2015 – ist das überhaupt realistisch?

Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Außer Staatsunternehmen besitzt der griechische Staat auch sehr viel Land. Dagegen ist sehr wenig Land in Privathand. Das hat historische Gründe, die in der 400-jährigen ottomanischen Besatzung liegen. Die Privatisierung dieser Ländereien könnte ein Katalysator sein.

Aber trägt die sozialistische Regierungspartei diese Privatisierungen wirklich mit?

Immerhin hat Ministerpräsident Papandreou jetzt eingesehen, dass es keinen anderen Weg gibt als schnelle Privatisierungen.

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