Ökonomen: Warum ich gerne ein Dilettant bin

Ökonomen: Warum ich gerne ein Dilettant bin

von Ferdinand Knauß

In der Enquête-Kommission des Bundestages meint manch ein Experte, Kritik eines Nicht-Ökonomen sei nicht so ernst zu nehmen. Doch das Ende der Wirtschaftsexpertokratie ist nicht aufzuhalten.

Dies wird ein persönlicher Text.

Journalisten freuen sich normalerweise, wenn ihre Artikel bei Lesern etwas auslösen. Am liebsten liest man natürlich Rückmeldungen wie „Glückwunsch zu diesem gelungenen Artikel“ oder „Das ist die Art Journalismus, die sicherlich nicht nur ich seit langer Zeit vermisse“ oder – mein Favorit – „Wow! Was schreibt ihr in letzter Zeit für geile Artikel?“

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Diese Kommentare bezogen sich auf meinem kritischen Artikel über die Enquête-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Bundestages. Aber nicht alle Leser waren so begeistert. Vor allem diejenigen, die ich kritisierte, nicht. 

„Die Reputation des Journalisten in Zweifel zu ziehen, ist absolut gerechtfertigt“, meinte der zuständige Referent der Unionsfraktion in einer internen Mail an die Kommissionsmitglieder, die mir zwei andere Mitglieder – ungebeten – zugänglich machten. „Herr Knausch [sic!] hat Geschichte und Japanologie studiert und ist – wie der Artikel auf wiwo-online deutlich zeigt – in volkswirtschaftlichen Themenfeldern ein Dilettant.“

Enquete-Kommission Der Bundestag dokumentiert sein Scheitern

Die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Bundestages enttäuscht auf der ganzen Linie. Vor allem Union und FDP haben zu der vielleicht wichtigsten Frage der Zeit nichts zu sagen.

Quelle: Deutscher Bundestag/Siegfried Bücker

Und es kam noch eine. Der Kommunikationschef des RWI erklärte, der Artikel sei schließlich von einem „Online-Allround-Journalisten“ verfasst, und nicht von einem „Fach-Journalisten“. Dass ich über "akademische Kenntnisse in Geschichte und Japanologie" verfüge, sei ja „für sich betrachtet aller Ehren wert“, aber das „vollmundige Urteil über einen genuin ökonomischen Teilbericht der Enquete-Kommission“ sei daher „etwas fragwürdig“.

Wow, das saß. Von wegen „geile Artikel“. Ich bin nichts weiter als ein „Dilettant“, ein „Amateur bzw. Hobby-Ökonom“ wie der CDU-Referent ergänzte. Man hatte mich entlarvt: Der darf das, was er tut, eigentlich gar nicht.

Das schlechte Gewissen des Nicht-Experten ist mir ein wohlvertrautes Gefühl. Seit elf Jahren. Daran, dass ich es als Nicht-Ökonom wage, über Wirtschaftsthemen zu schreiben, ist die damalige Chefredaktion der „Financial Times Deutschland“ schuld. Denn die stellte den Historiker und Japanologen als Volontär ein. So geriet ich auf die schiefe Bahn, und durfte/musste sogar monatelang Aktienempfehlungen in der Kolumne „Das Kapital“ schreiben. Glücklicherweise stand da mein Name nicht drunter, und glücklicherweise hatte ich einen sehr guten Chef, der sogar mal Analyst gewesen war. Wenn die FTD-Leser in den Handelssälen damals gewusst hätten, dass ihnen ein Historiker Aktien empfiehlt! Ein Dilettant!  

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