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Ökonomie: Umverteilung mit klaren Grenzen

von Mark Fehr

Mit seinem Mammutwerk zur Theorie der Gerechtigkeit traf John Rawls den Nerv vieler Menschen. Der Philosoph forderte faire Umverteilung – aber mit klaren Grenzen.

John Rawls (1921 bis 2002)
John Rawls (1921 bis 2002)

Mitten im Wahlkampf müsste der vor sieben Jahren verstorbene Denker eigentlich in aller Munde sein: Banker-Boni, Mindestlöhne, Rente, Steuerlast der Mittelschicht – kaum ein brisantes Wirtschaftsthema, das nicht mit John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit zu tun hätte. Trotzdem berufen Politiker sich nur selten auf den ehemaligen Harvard-Professor. Das mag daran liegen, dass sein Werk zu schwere Kost für Wahlkämpfer ist. Rawls’ komplexe Analyse taugt nicht für plumpe Parolen. Umso mehr lohnt es, sich eingehend mit ihr zu beschäftigen.

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Rawls gilt als wichtigster politischer Philosoph des vergangenen Jahrhunderts und hat auch die Wirtschaftswissenschaften stark beeinflusst. Dass gerade er sich mit den theoretischen Grundlagen für eine gerechte Gesellschaft auseinandersetzte, ist dabei kein Zufall. Zeitlebens hatte er einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Das zeigte sich auch im Alltagsleben: Während etwa seine Harvard-Kollegen ihre Vorlesungen in teuren Lehrbüchern veröffentlichten, druckte Rawls massenhaft Skripte und gab sie spottbillig an seine Studenten ab.

Mit viel Liebe zum Detail

Rawls unterschied sich stark von den wortgewandten und oft selbstherrlichen Vertretern seiner Zunft. Ein ehemaliger Student und Doktorand schildert ihn in einem Nachruf als bescheiden, ruhig, manchmal zögernd. Sein Respekt vor den Mitmenschen hatte sicher auch damit zu tun, dass er während seines Lebens viel mitmachen musste. Als Kind kämpfte er erst gegen eine Diphterieerkrankung, dann gegen eine Lungenentzündung. Seine beiden jüngeren Brüder steckten sich bei ihm an und starben innerhalb eines Jahres – ein Schicksalsschlag, den Rawls nie überwinden konnte.

Nach dem Schulabschluss 1939 studierte er Philosophie an der Universität Princeton. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als US-Infanterist in Japan und gelangte dabei auch in das von der Atombombe zerstörte Hiroshima. Nach diesem Erlebnis lehnte er ab, als Offizier bei der Armee zu bleiben, und entschied sich für eine Rückkehr zur Philosophie. Bei seiner wissenschaftlichen Arbeit interessierte Rawls sich nicht nur für die großen Fragen, sondern zeigte auch viel Liebe zum Detail.

21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.09.2009, 23:55 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Es gibt eben einen wesentlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Organisationslehre. Der Sozialismus zum beispiel hört sich perfekt an: alle arbeiten und werden nach ihren Fähigkeiten gerecht bezahlt. Was ist an dieser idee falsch?

    Falsch ist, dass es hierbei eine instanz geben muss, die beurteilt, was nun "gerecht" ist. Und das ist am Ende immer die Mafia.

    Das gleiche Problem hat Rawls' ideologie der "begrenzten Umverteilung". Denn wer soll definieren, wo die "individuelle Freiheit" beginnt? Natürlich der Staat, der in dieser Sonderrolle automatisch mit der Zeit zu einer Mafia verkommt. Daher sind Rawls' ideen leider nicht das Papier wert, auf dem sie gekritzelt wurden.

  • 19.09.2009, 19:25 UhrAnonymer Benutzer: TOPAKTUELL

    Die CSU will mit ihrem „10 Punkte-Programm“ deutlich machen, was sie in den ersten Monaten einer CDU/CSU/FDP-bundesregierung für notwendig hält:
    1. Reform der Einkommensteuer in den Jahren 2011 und 2012: Der Eingangssteuersatz soll sinken. Der Höchststeuersatz-Eingang wird von 52.000 auf 60.000 Euro verschoben. Das belastet den bundeshaushalt nur um rund drei Milliarden Euro.
    2. Reform der Erbschaftssteuer: Wir wollen einen Steuerhebesatz nahe null einführen und würden damit schwarze Zahlen schreiben. Durch die niedrigen Sätze würde sich das Erbschaftsteuer-Aufkommen in bayern verringern.
    3. bei Unternehmenserben sollen die Anforderungen an den Erhalt von Arbeitsplätzen - anders als von der Großen Koalition beschlossen - gesenkt werden. Kein Unternehmer darf bei der Erbschaftsteuer bestraft werden, weil er durch die Nutzung der Kurzarbeit die Lohnsumme nicht erhalten habe.
    4. Reform der Unternehmensteuer: Rückwirkend zum 1. Januar 2009 würde eine CDU/CSU/FDP-Regierung Erleichterungen bei der Unternehmensbesteuerung in Kraft setzen.
    5. Wir fordern Änderungen bei der sog. „Zinsschranke“: Die bei der Zinsschranke im Zuge der Krise von 1 auf 3 Mio. Euro angehobene Freigrenze reicht nicht aus. Durch die Zinsschranke wird die Absetzbarkeit von Fremdkapitalzinsen als betriebsausgabe eingeschränkt, um Steuersparmodelle einzudämmen.
    6. in Abweichung zu der früheren Position der Großen Koalition will die CSU die Hartz iV-Gesetzgebung aufweichen. Wir fordern eine Erhöhung des Schonvermögens für Hartz iV-Empfänger.
    7. Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des bruttoinlandproduktes
    8. Ermäßigte Mehrwertsteuersätze für Gastronomie und Handwerk.
    9. Wiedereinführung der Wohnungsbauförderung für Familien mit Kindern in Form eines „baukindergeldes.
    10. Verbesserung der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen.

  • 19.09.2009, 14:42 UhrAnonymer Benutzer: Xaver

    Es gibt Leute die haben viel mehr als ich. Also umverteilen und her mit dem Diridari (Geld)...

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