Ökos in der Krise: SOS Greenpeace

Ökos in der Krise: SOS Greenpeace

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Greenpeace - Trotz Klimawandel in der Krise

Sie waren die Idole einer ganzen Generation und Angstgegner vieler Konzerne. Doch ausgerechnet beim Megathema Klimaschutz finden die Regenbogenkrieger von Greenpeace kaum noch Gehör. Geht die mächtigste Umweltorganisation der Welt in der Krise baden?

Regine Frerichs rettet hauptberuflich Wale. „Er ist am Ende seiner Kräfte, ich höre seinen unregelmäßigen Atem“, notiert sie in ihrem Bordtagebuch*. „Die Jagd auf den Wal geht in die zweite Stunde. Das Fangschiff bleibt dicht hinter uns, einige Tonnen Stahl, bereit, uns unter sich zu begraben. Aber ich gebe nicht auf. Es ist, als sei ich persönlich mit diesem Wal verbunden und seine Rettung das Letzte, was es für mich noch zu tun gibt.“

Jahr für Jahr bricht die prominente Greenpeace-Aktivistin Frerichs ins Polarmeer auf, um die Walfänger an ihrem blutigen Treiben zu hindern. Sie ist Greenpeace, wie es Millionen kennen: furchtlose Draufgänger, die unter dem Einsatz ihres Lebens für die Natur kämpfen, mutige Angreifer, die sich respektlos mit Konzernen und staatlichen Obrigkeiten anlegen – grüne Götter, gefürchtet wie verehrt. Rote Jacke, schwarzer Rollkragen, rahmenlose Brille. Unauffällig, fast schüchtern geht Brigitte Behrens durch die Büros am Hamburger Elbufer. Die 57-Jährige spricht zurückhaltend, mal über die Finanzkrise, mal über Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Irgendwie wirkt sie wie eine Lateinlehrerin, die sich ein wenig für ihr langweiliges Unterrichtsfach schämt. Talkmaster laden so eine nur selten ein.

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Auch Brigitte Behrens ist Greenpeace – jedoch Greenpeace, wie es in den vergangenen Jahren geworden ist. Die zierliche Frau ist die Chefin der Deutschland-Sektion, der wichtigsten Landesorganisation des weltweiten Umweltnetzwerks. Sie hat Soziologie studiert und eine Ausbildung zur Managerin in Non-Profit-Organisationen drangehängt. Seit 1999 gebietet sie über knapp 200 hauptamtliche Mitarbeiter und verwaltet ein jährliches Spendenaufkommen von mehr als 40 Millionen Euro.

Deutsche Greenpeace-Chefin unbekannt

Trotzdem tritt Behrens nicht wie der Boss einer generalstabsmäßig organisierten Umwelttruppe auf – eher wie die Leiterin einer unteren Wasserbehörde irgendwo in Hintertupfingen. „Obwohl sie schon fast zehn Jahre im Amt ist“, sagt der Pressechef einer deutschen Umweltorganisation, „kennt sie kein Mensch.“ Es knirscht deutlich vernehmbar im Gebälk der mächtigsten Umweltorganisation der Welt. Noch bis vor Kurzem galt Greenpeace als die Marke der Marken. Die grüne Ikone überstrahlte fast alles, was man hierzulande für heilig hält – vom Software-Genie Bill Gates über Johann Wolfgang von Goethe und den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer bis zu BMW, Mercedes und Apple. Zumindest zeigte dies eine Untersuchung der WirtschaftsWoche vor knapp einem Jahr, die herausfinden sollte, was Führungskräfte fasziniert.

Erfolge sind rar

Doch der alte Glanz kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass Greenpeace seit geraumer Zeit in seinen Grundfesten erschüttert wird. Die Zahl der weltweiten Spender stagniert. In Deutschland, dem Land mit dem größten Spendenaufkommen für Greenpeace, stiegen die Einnahmen seit 2000 nur um rund 20 Prozent. Die Konkurrenzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) legte dagegen um 65 Prozent zu – und das ohne die Spenden aus der Industrie, die der WWF im Gegensatz zu Greenpeace annimmt.

Zugleich sind die Erfolge rar geworden, die die selbst ernannten „Regenbogenkrieger“ von Greenpeace in der Öffentlichkeit jahrzehntelang so stark machten. Die letzte Aktion, die über einen längeren Zeitraum die Medien beherrschte, war die geglückte Kampagne gegen die Versenkung der Öl-Plattform Brent Spar des Shell-Konzerns – vor mehr als 13 Jahren. 56 Prozent der Deutschen sind inzwischen der Ansicht, so eine exklusive Umfrage des Marktforschungsunternehmens Dialego im Auftrag der WirtschaftsWoche, dass die Präsenz von Greenpeace in den Medien zurückgegangen sei. Nur sieben Prozent sehen dies anders, lediglich 28 Prozent finden, die Präsenz sei unverändert.

Das wirkliche Drama bei Greenpeace jedoch liegt tiefer, als es die Zahlen ausdrücken. Denn eigentlich müssten die Umweltschützer, seitdem in Berlin die große Koalition regiert, von einer Erfolgswelle getragen werden. Immerhin sorgten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dafür, dass der Klimaschutz zum bestimmenden Thema in Wirtschaft und Gesellschaft aufstieg – jedenfalls, bis die Finanzkrise hereinbrach.

Doch was machte Greenpeace?

Riesige Schmach

Ausgerechnet unter der Ägide des deutschen Welt-Chefs Gerd Leipold, der früher am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie forschte, verlor die Organisation beim Megathema Klimawandel den Anschluss. Nur ein Prozent der Deutschen, ergab die Umfrage im Auftrag der WirtschaftsWoche, verbinden die Ökokämpfer spontan mit dem Thema Klimaschutz. „Dass Al Gore, das Potsdamer Klima-Institut oder Wirtschaftsforscher wie Claudia Kemfert beim Thema Klimaschutz im Mittelpunkt stehen und nicht wir“, sagt ein Greenpeace-Insider, „wird bei uns als riesige Schmach empfunden. Wenn wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen, wird die ganze Organisation den Bach runtergehen. Die Spenden werden weniger werden, und dann fehlt das Geld für die nötigen Kampagnen – ein Teufelskreis.“

* Im Fadenkreuz der Walfänger, Kosmos Verlag

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