Olympia 2022: Die deutsche Angst vor Großprojekten

Olympia 2022: Die deutsche Angst vor Großprojekten

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Kein Olympia für Garmisch-Partenkirchen. Die Gemeinde entschied sich als erster von vier Orten gegen die Olympia-Bewerbung.

von Timo Stukenberg

Das bayerische Nein zu Olympia 2022 hat Sportler und Funktionäre enttäuscht. Das Ergebnis des Entscheids in München zeigt vor allem eins: Die Bürger wollen kein weiteres Großprojekt.

Politiker schmücken sich gerne mit großen Infrastrukturprojekten: Ein Tunnel in Leipzig, ein Flughafen in Berlin, ein Bahnhof in Stuttgart. Seit der Fußball-WM 2006 gelten auch sportliche Großereignisse vor der Haustür als Gewinn für den Standort Deutschland. Von der gescheiterten Münchner Olympia-Bewerbung wünschten sich die Befürworter nicht nur Impulse für die Infrastruktur. Sie sollte auch Ausdruck der Völkerverständigung und der Liebe zum Sport sein. Das ist immerhin leichter zu verkaufen als ein Bahnhof - sollte man meinen.

Großprojekt gleich Geldverschwendung?

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Die Bezeichnung "Großprojekt" ist in Deutschland ähnlich positiv behaftet wie die Begriffe "Geldverschwendung" und "Fehlplanung". Doch mit einem Nein hatten die Initiatoren der Münchner Olympia-Bewerbung nicht gerechnet. Die Gegner der Olympia-Bewerbung führten drei Argumente an: Den Naturschutz, das Misstrauen gegenüber einem intransparenten Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und die Sorge um eine Kostenexplosion.

Das IOC gilt der "Nolympia"-Kampagne als Garant für unkalkulierbare Kosten. Bei Vertragsunterzeichnung bekomme es "Kompetenzen wie eine Besatzungsmacht", so die Gegner. Konkret heißt das, das Komitee kann weitere Sportarten zulassen. Es erhält eine Defizitgarantie, das heißt: Übersteigen die Kosten die Einnahmen, kommt nicht etwa der Veranstalter auf, sondern der Austragungsort. Hinzu kommt: Die Stadt hat die Schneesicherheit zu garantieren - in neun Jahren. Wer sich schon einmal auf die Wetterprognose für die kommende Woche verlassen hat, bekommt ein Gefühl dafür, wie gut sich der finanzielle Aufwand für ein solches Projekt planen lässt. Doch die Bayern weigern sich für ein Großprojekt geradezustehen, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen.

Dass Politiker solche Bedenken bis zur Auftragsvergabe gerne ignorieren, weiß auch Bundesbauminister Peter Ramsauer. "Oft wird am Anfang alles runtergerechnet, damit eine Investitionsentscheidung erst einmal getroffen wird. Dann kommen die Sonderwünsche, Baukostensteigerungen und Nachträge", sagte er im April im Handelsblatt- Interview. Er will das Problem mit der "Reformkommission Bau von Großprojekten" in den Griff bekommen. Sie soll bis 2014 Vorschläge erarbeiten, wie sich aufsehenerregende Bau- und Planungsdesaster vermeiden ließe. Ganz allgemein soll sie "volkswirtschaftlichen Schaden" abwenden.

Großprojekte "Risiken werden unterschätzt"

Projektmanager und Bauexperte Klaus Grewe über typisch deutsche Fehler bei der Planung von Großprojekten.

Klaus Grewe ist Projektmanager und Bauexperte.

Der Wille ist da

Minister Ramsauer will "weiterhin Großprojekte umsetzen und auch in die Welt exportieren." Doch da hat er die Rechnung ohne die Bürger gemacht, wie die Reformkommission gleich zu Beginn ihrer Arbeit feststellte: "Bürgerinnen und Bürger zweifeln zunehmend die Fähigkeit von Politik, Verwaltung und Wirtschaft an, Großprojekte erfolgreich durchzuführen."

Diese Haltung ist auch in der Baubranche bekannt. Verzögerungen und Mehraufwand für Bürgerbeteiligungsprozesse planen viele Unternehmen deshalb schon mit ein. Dabei ist die erfolgreiche Umsetzung gerade für den Export enorm wichtig, wie Andreas Geyer vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sagt: "Wenn die Umsetzung in Deutschland hapert, tut das der Glaubwürdigkeit der Branche im Ausland einen Abbruch."

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