Olympia-Referendum: Hamburg sagt "Nein" zu Olympia

Olympia-Referendum: Hamburg sagt "Nein" zu Olympia

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Eine Passantin geht in Hamburg über einen Schriftzug, den Olympia-Gegner auf den Boden am Ausgang einer U-Bahnstation gesprüht haben.

Hamburg hat sich gegen die Olympischen Sommerspiele 2024 entschieden. Knapp, aber eindeutig. Welche Lehren sind aus dem Nein zu ziehen? Und wer hat Schuld am gescheiterten Referendum?

Nach dem Aus für die Hamburger Olympia-Bewerbung kehren Bund, Stadt und Verbände am Montag die sportpolitischen Scherben zusammen. Das Nein der Bürger zu Sommerspielen 2024 hat Entsetzen und Niedergeschlagenheit hinterlassen. Wenige Stunden nach der Pleite wissen Politik und Sport noch nicht, wie es ohne die hehren Pläne von Olympischen Spielen 2024 weitergehen soll.

51,6 Prozent der 651 589 Hamburger, die sich am Referendum beteiligten, waren gegen Olympia in der Hansestadt. Nur 48,4 Prozent waren dafür. „Für den deutschen Sport ist das ein Armutszeugnis“, sagte Hockey-Olympiasieger Christian Blunck lapidar.

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Hamburg als Olympiaort - Pro und Contra

  • Pro: Das Konzept

    Die Stadt plant kompakte Spiele der kurzen Wege mit den Olympia-Stätten und dem Athletendorf auf einer Elbinsel. Weitere Trainings- und Wettkampfstätten sollen von hier nur zehn Kilometer entfernt liegen. Auch die benötigten Segelreviere auf der Ost- oder Nordsee sind nah.

  • Pro: Breitensport

    Nur wenige Wettkampf- und Trainingsstätten müssten neu gebaut werden, heißt es bei den Planern. Zur Freude der Sportvereine sollen bestehende Anlagen modernisiert werden, was auch dem Schulsport zugutekommt.

  • Pro: Die Nachnutzung

    Die neue Olympia-Anlage soll nach den Spielen in einen neuen Stadtteil integriert werden. Das Stadion wird von 70 000 auf 20 000 Plätze zurückgebaut, die Olympia-Halle zum Kreuzfahrtterminal. Die Sportlerquartiere werden zu 3000 Wohnungen umfunktioniert.

  • Pro: Die Effekte

    „Wir könnten das, was wir ohnehin planen, beschleunigen“, betont Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Investitionen, auch in Verkehrsanlagen, werden als „riesiges Konjunkturprogramm“ gesehen. Für die Bürger soll es Transparenz von der Planung bis zur möglichen Olympia-Durchführung geben.

  • Pro: Das Ansehen

    Die Hansestadt erhofft sich einen Imagegewinn - vor allem im Ausland. In Europa liegt sie mit jährlich 12 Millionen Übernachtungen an zehnter Stelle. Die Hotelbranche will bis Ende 2016 über mehr als 62 000 Betten verfügen

  • Kontra: Die Kosten

    Sie stehen für das Großprojekt noch nicht fest. Für den Sportstättenbau und Modernisierung werden bislang rund 2,1 Milliarden Euro (2024) genannt. Genauer soll erst gerechnet werden, wenn Hamburg den DOSB-Zuschlag erhält. Für die Spiele dürfen schon wegen der von 2020 an geltenden Schuldenbremse keine neuen Schulden gemacht werden.

  • Kontra: Die politischen Gegner

    Die Grünen - derzeit mit der SPD in Verhandlungen zur Regierungskoalition - sagen zur Bewerbung „Ja, aber“. Für sie darf es nicht zu einer Kostenexplosion wie beim Bau der Elbphilharmonie (knapp 800 Mio Euro) kommen. Die oppositionelle Linke ist gegen das Projekt („Finanzielles Abenteuer“). Hinzu kommen die (N)Olympia-Aktivisten, die voraussichtlich erst nach einem Zuschlag für Hamburg prominenter in Erscheinung treten dürften.

  • Kontra: Sportliche Großereignisse

    Die Hansestadt hat bis auf die Triahtlon-WM 2007 nur wenige internationale Meisterschaften zu Gast gehabt. Berlin hat da mehr zu bieten, wie die Leichtathletik-WM 2009 und die Schwimm-EM 2014.

  • Kontra: Hafenwirtschaft und Umwelt

    Für den Bau der Olympia-Stätten müssen auf der Elbinsel noch ansässige Hafenbetriebe (2500 Mitarbeiter) umgesiedelt werden. Die Stadt will die Kosten übernehmen. Die Grünen warnten daher vor einem „Blankocheck“. Der Unternehmensverband Hafen Hamburg bezweifelt, dass die Verlegung bis 2024 zu schaffen ist. Naturschutzverbände befürchten dabei die Ausweitung des Hafengebietes in Naturräume. Für Nabu und BUND ist der Umweltschutz bei der Olympia-Planung und Bewerbung ohnehin nicht genügend berücksichtigt.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sich am Samstag in Hannover bei seiner 12. Mitgliederversammlung mit der Frage beschäftigen: Was nun? Olympia sollte den deutschen Spitzensport beflügeln und aus den Niederungen führen, in die er in den vergangenen Jahren abgerutscht ist. Diese Chance für die kommende Generation sei vergeben, stellte DOSB-Präsident Alfons Hörmann ernüchtert fest. Einen Plan B gibt es derzeit nicht. Hörmann: „Wir waren auf dieses Szenario bis zum heutigen Tag nicht vorbereitet.“

Hamburg sollte ein Fanal des sportlichen Aufbruchs werden. Vorbei. „Es scheint so, dass der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammenpassen“, konstatierte Hörmann. Erst die Pleite in München mit der abgelehnten Olympia-Bewerbung für Winterspiele 2022, jetzt, nur zwei Jahre später, der Reinfall mit Hamburg.

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Luftbild: Matthias Friedel, Rendering: Gerkan, Marg und Partner Architekten

„Hamburg meine Perle vor die Säue geworfen. Das Tor zur olympischen (Sport)welt für immer geschlossen“, twitterte die Handball-Ikone Stefan Kretzschmar verärgert. Ähnlich äußerte sich Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn. Nun sehe es düster aus für den Leistungssport in Deutschland.

Beim IOC in Lausanne schien das Hamburger Nein kein Erstaunen hervorzurufen. „Wenn man die Diskussionen in Deutschland in den letzten Wochen verfolgt hat, kommt dieses Ergebnis nicht ganz überraschend“, teilte ein IOC-Sprecher mit. Hamburg habe eine große Chance verpasst, weil das IOC der Stadt 1,7 Milliarden US-Dollar (1,6 Milliarden Euro) zum Gelingen der Spiele beigesteuert hätte. „Es ist verständlich, dass die Einwohner Hamburgs in einer Situation, in der Deutschland mit der hohen Anzahl von Flüchtlingen eine historische Herausforderung zu bewältigen hat, auf die nicht geklärte Finanzierung sensibel reagiert haben.“

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Das IOC will Deutschland aber nicht ausgrenzen. Es freue sich „auf die weitere Zusammenarbeit mit dem DOSB“. Nicht nur das IOC ist enttäuscht, auch Kiel. Der Segel-Partner Hamburgs sprach sich mit überwältigender Mehrheit von 65,57 für olympische Regatten auf der Förde aus. Doch selbst die 40 792 Kieler Ja-Stimmen hätten Hamburg nicht gerettet.

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