Olympische Spiele: Siemens-Skandal: Sportfunktionär Bach beteuert offenes Handeln

Olympische Spiele: Siemens-Skandal: Sportfunktionär Bach beteuert offenes Handeln

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Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Deutschlands oberster Sportfunktionär Thomas Bach weist in der „WirtschaftsWoche“ jegliche Verwicklung in die Korruptionsaffäre bei Siemens zurück und hat erstmals die Grundlagen seiner Tätigkeit für Siemens beschrieben.

Deutschlands oberster Sportfunktionär Thomas Bach weist in der „WirtschaftsWoche“ jegliche Verwicklung in die Korruptionsaffäre bei Siemens zurück und hat erstmals die Grundlagen seiner Tätigkeit für Siemens beschrieben. „Meine Tätigkeit für Siemens war immer öffentlich. So war ich Mitglied vieler offizieller Wirtschaftsdelegationen, bei denen alle, auch die Medien, um meine wirtschaftlichen Aufgaben wussten.“

Der hauptberufliche Wirtschaftsanwalt ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Bei beiden Organisationen habe er seine Ehrenämter mit voller Transparenz ausgeübt. So gebe es im IOC einen eigenen Ethikcode mit einer eigens dafür eingerichteten Ethikkommission, „der jedes Mitglied Interessenkonflikte anzeigen muss. An diese Regeln habe ich mich in vollem Umfang gehalten“. Und beim DOSB sei auf sein Betreiben hin mit der Gründung des Verbands die Position eines Compliance-Beauftragten eingerichtet worden.

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Bach berichtet, dass er in der Vergangenheit im IOC einen Fall eines Interessenkonflikts wegen seiner Siemens-Beratertätigkeit angezeigt habe. Dabei ging es um Beratungen im Exekutiv-Komitee des IOC und „um eine Frage, die mit Siemens zu tun hätte haben können“. Da Dritte einen Interessenkonflikt „hätten konstruieren können, habe ich auf meine Tätigkeit für Siemens hingewiesen und den Raum verlassen“. Auch sei es nicht richtig, seine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Schweizer Siemens Tochter zu kritisieren. Denn bei dieser Mitgliedschaft sei es genau darum gegen „einen transparenten Weg meiner Verbindung zu Siemens zu dokumentieren“. Dadurch „war meine Beratertätigkeit formalisiert und öffentlich“. Deshalb habe diese Mitgliedschaft auch nichts mit dem IOC zu tun. Da er sich nichts vorzuwerfen habe, habe er auch von sich aus einer abermaligen Überprüfung seines Vertragsverhältnisses zugestimmt.

Bach warnte davor, Wirtschaftsvertretern bei der Übernahme von Ehrenämtern „eigensüchtige Motive“ zu unterstellen. Diese Kritik werde „am Ende die Bereitschaft für das Ehrenamt – auch und gerade in der Wirtschaft – in Frage stellen“.

IOC und BDI nehmen Bach gegen Vorwürfe in Schutz

Wie die „WirtschaftsWoche“ berichtet, nehmen jetzt sowohl das Internationale Olympische Komitee (IOC) als auch BDI-Präsident Jürgen Thumann Bach gegen Vorwürfe wegen unzulässiger Vermischung von seinen Ämtern im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und IOC einerseits und seiner Beratertätigkeit für Siemens andererseits in Schutz. In einem Brief des IOC vom 21. April 2008 an Bach, der der „WirtschaftsWoche“ vorliegt, schreibt der Leiter der Ethikkommission des IOC, Paquarette Girard Zappelli, dass der deutsche Funktionär immer schon seine wirtschaftlichen Tätigkeiten offengelegt habe und „in der Vergangenheit eine offizielle Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten abgegeben hat“.

Auch habe Bach, „wann immer es die Situation erfordert hat, die Ethikkommission um Rat gefragt und diesen auch respektiert“. Insbesondere habe er „nicht an Entscheidungen teilgenommen, von denen anzunehmen gewesen wäre, dass sie durch seine Beziehungen zu externen Organisation beeinflusst worden sind“. Es gebe „keinen Grund zur Annahme“, dass Bach „nicht in Übereinstimmung mit dem IOC Werte-Kodex gehandelt hat“. Auch BDI-Präsident Jürgen Thumann, DOSB-Beauftragter für Corporate Governance, bestätigte, dass „Herr Bach in vorbildlicher Weise und von sich aus über alle seine beruflichen Verpflichtungen und Beratertätigkeiten informiert hat. Wir wussten von Anfang an von seiner Tätigkeit für Siemens“. Außerdem habe Bach am Tag seines Antritts als DOSB-Präsident mit der Einrichtung der Position eines Corporate-Governance-Beauftragten „in idealer Weise für Transparenz gesorgt“. Bach, so Thumann, „ist ein ehrenwerter Mann, der auch bei Delegationsreisen der Bundesregierung seine Rollen nie vermengt hat“.

Funktionäre tragen Fackel

Erstmals werden Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking die olympische Flamme selbst tragen. Das kündigt IOC-Vizepräsident Thomas Bach im Interview mit der „WirtschaftsWoche“ an. Bach sagte gegenüber dem Magazin, das IOC sei nicht überrascht, dass es Proteste gibt, „aber die Art und Weise der Proteste und die Heftigkeit“ habe schon überrascht. Es müsse deutlich gemacht werden, so Bach, dass diese olympische Flamme ein olympisches Symbol ist „und kein staatliches Hoheitszeichen des Gastgeberlandes“.

Bach weiter: „Die Flamme ist ein olympisches Zeichen, das zur Verständigung aufrufen soll und einladen soll zu friedlichen olympischen Spielen.“ Vorwürfen, das IOC und auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verhielten sic China gegenüber unkritisch, tritt Bach vehement entgegen: „Da haben wir uns seitens des IOC oder DOSB und auch ich persönlich überhaupt nichts vorzuwerfen. Als DOSB haben wir bereits im Vorjahr, am 22. Mai 2007, ein Papier zur Menschenrechtslage in China veröffentlicht. Darin stand in aller Deutlichkeit, dass bei aller Anerkennung von positiven Entwicklungen in China die Lage der Menschenrechte von uns als unzureichend bezeichnet wird. Es hat sich nur seltsamerweise überhaupt niemand dafür interessiert. Wir haben diese Erklärung dann noch einmal am 24. März wiederholt, verbunden mit unserem Beschluss zur Teilnahme der deutschen Mannschaft an den Spielen in Peking.“

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