Online-Petition: Ein Klick gegen die Rente mit 63

Online-Petition: Ein Klick gegen die Rente mit 63

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Marc Sauter

von Max Haerder

Der Student Marc Sauter will mit einer Petition die schwarz-rote Rentenreform stoppen. Ein aussichtsloser Kampf? Ihm doch egal. Seine Devise: Handeln, nicht behandeln lassen!

Vor kurzem hat Marc Sauter ein Buch gelesen. Sauter liest viel, aber dieser Text hat ihn umgehauen, echt.  Er heißt „The Seven Habits of Highly Effective People“, zu Deutsch: „Die 7 Wege zur Effektivität“,  der Autor und Management-Guru Steven Covey ist damit selbst höchst effektiv zum Multimillionär geworden. Seine Ratschläge lassen sich - zugegeben: etwas unzulässig - in einem knappen Satz zusammenführen: Hör auf zu meckern, arbeite an Dir und tu was!

Als Marc Sauter das Buch gelesen hatte, wusste er, was zu tun war. Er, der 19-Jährige aus Renningen bei Stuttgart, setzte sich zuhause an seinen Computer, hakte einige wütende Zeilen auf den Bildschirm, öffnete den Browser und versuchte das Unmögliche: Er nahm mit ein paar Klicks den Kampf mit Andrea Nahles auf, ach was: mit der ganzen Regierung.   

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Auf change.org steht nun seit kurzem folgende Petition: „Stoppen Sie die Rente mit 63!“. Der Aufruf warnt vor überbordender Staatsverschuldung und den Risiken einer alternden Bevölkerung, er beschwört Nachhaltigkeit und ökonomischen Weitblick. Er solle „denjenigen Politikern ein Bein stellen, die nicht das Beste für Deutschland erreichen wollen, sondern lieber ihr persönliches Machtkalkül  befriedigen wollen“. Seitdem geht es Sauter ein bisschen besser.

Steven Coveys erste Lektion lautet: Sei proaktiv! Man könnte auch sagen: Handle und lass‘ Dich nicht behandeln. Die Netz-Petition ist nun Sauters eigene tatkräftige Übersetzung dieser Lehre. „Ich kann mich in der Politik über vieles aufregen“, sagt er, „aber die Rente mit 63 ist der Gipfel. Alle Fakten sprechen dagegen“.

Eigentlich ist Sauter alles andere als ein Revoluzzer. Er studiert Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim, später möchte er gerne Unternehmer werden, Mitglied in einer Partei zu werden hat ihn nie gereizt, dafür ist er bei Greenpeace. Auf seiner privaten Homepage postet er sensible Naturfotos. Der politische Protest seiner Generation kommt nicht mehr mit gepinselten Plakaten daher, rüttelt an keinen Barrikaden und organisiert auch keine Demos. Er geht online.

„Natürlich hege ich eine kleine Hoffnung, dass meine Aktion die Lage kippen kann“, sagt Sauter. „Aber ich mache mir keine Illusionen.“ Am 22. Mai schon soll der Bundestag das umstrittene Gesetzespaket mit der Frührente und der Mütterrente beschließen. Wenig Zeit, um so viele Unterstützer für die Petition zu finden, dass Schwarz-Rot überhaupt noch einmal ins Grübeln kommen sollte. Oder kommen müsste.

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Aber: Über change.org haben hunderttausende Kunden schon die Bank of America dazu gebracht, eine Gebühr für die Nutzung von Bankkarten wieder zu stoppen. Deutsche Hebammen übten hier im vergangenen Herbst durchaus sehr erfolgreich Druck auf die Koalitionsverhandlungen aus. Ein Flügelschlag 2.0 kann da draußen also einen Sturm auslösen. Das Rentenpaket der Bundesregierung bringt gerade für zukünftigen Beitragszahler in Sauters Alter nur schlechte Nachrichten: immer höhere Beiträge und ein Rentenniveau, das nur eine Richtung kennt – nach unten. Wo sollte man diese Leute für sich und seine Sache gewinnen können, wenn nicht online?

„Was mich besonders stört, ist folgendes: Die allermeisten Abgeordneten unterwerfen sich der Fraktionslinie, nicht ihrem Gewissen“, klagt Sauter. Er weiß, was das normalerweise für die parlamentarische  Abstimmung bedeutet. Der junge Student will seine Petition deshalb jetzt bekannter machen, er hat ein paar Leute angemailt, die man heutzutage Multiplikatoren nennen. Er tut, was er kann. So ein kleines bisschen persönliche Effektivität, sie fühlt sich ziemlich gut an.

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