Online-Wahlkampf: Steinbrücks falsche Twitter-Freunde

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Online-Wahlkampf: Steinbrücks falsche Twitter-Freunde

von Oliver Voß

Peer Steinbrück ist vorübergehend zum erfolgreichsten Politiker auf Twitter aufgestiegen, wohl dank gekaufter Follower. Ist das ein neuer Fauxpas oder will jemand dem SPD-Kandidaten gezielt schaden?

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Twitter-König Steinbrück: Peer Steinbrück ist vorübergehend zum erfolgreichsten Politiker auf Twitter aufgestiegen, wohl dank gekaufter Follower.

Online-Wahlkampf war für Peer Steinbrück lange ein Fremdwort, Twitter und Facebook wollte der SPD-Kanzlerkandidat eigentlich nicht nutzen. Erst im Dezember startete Steinbrück dann doch ein Konto beim Kurznachrichtendienst - das allerdings im Vergleich zu anderen Politikern wie Umweltminister Peter Altmaier (CDU) sehr offensichtlich von seinen Mitarbeitern gepflegt wird.

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Trotzdem folgen ihm inzwischen mehr als 26.000 Menschen. Für einen deutschen Politiker durchaus ein respektabler Wert, Wirtschaftsminister Rösler liegt beispielsweise unter 10.000 und auch Twitter-Urgestein Volker Beck von den Grünen hat mit 32.000 Followern nicht viel mehr.

Anfang der Woche geschah dann erstaunliches: An einem Tag stieg die Followerzahl sprunghaft auf 44.240 - damit überholte Steinbrück sogar "Twitter-König" Altmaier (42.850) oder die Piraten-Politikerin Marina Weisband (39.200).

Es spricht eigentlich alles dafür, dass dabei künstlich nachgeholfen wurde. Der Kauf von Fans ist für Centbeträge möglich und weit verbreitet. Zudem fiel die Followerzahl jedoch extrem schnell wieder ab, ein klares Indiz dafür, dass es sich um Fake-Accounts handelte, die auch von Twitter als solche erkannt und wieder gelöscht werden konnten.

Der sprunghafte Anstieg von Steinbrück Followern bei Twitter. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: pluragraph

Der sprunghafte Anstieg von Steinbrück Followern bei Twitter. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: pluragraph

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Steinbrücks Team selbst dahinter steckt. Auch wenn der Kanzlerkandidat bisher kaum ein kommunikatives Fettnäpfchen ausgelassen hat, wäre solch ein Fauxpas doch selbst für "Problempeer" zu stümperhaft. Zu auffällig ist der Anstieg, zu hoch die Wahrscheinlichkeit, dass das negativ auffällt.

"Ich kann versichern, dass der SPD-Parteivorstand keine Follower gekauft hat", erklärt auch Tobias Nehren, Betreuer von Steinbrücks Online-Kampagne. Das Team habe beobachtet, dass vermehrt Fake-Accounts dem Profil gefolgt seien und dies an Twitter gemeldet. "Die haben sich dann des Problems angenommen".

Nach Rassismus-Vorwürfen wegen FDP-Bashing Steinbrück-Sprecher löscht Facebook-Profil

Peer Steinbrücks neuer Pressesprecher, Rolf Kleine, steht bereits unter Druck. Wegen eines umstrittenen Facebook-Postings fordert die FDP seinen Rücktritt. Nun ist Kleines Facebook-Profil verschwunden.

Peer Steinbrück stellt seinen neuen Pressesprecher Rolf Kleine vor. Der langjährige Politik-Journalist der "Bild-Zeitung" ist gleich wegen seines Facebook-Profils ins Visier der FDP geraten. Quelle: dpa


Woher die falschen Freunde stammen ist unklar, naheliegend ist aber die Erklärung, dass sie jemand gekauft hat, um Steinbrück in Misskredit zu bringen. Die SPD hat sich zu diesem Verdacht nicht geäußert.

Ungewöhnlich wäre das allerdings nicht. Erst im Frühjahr passierte ähnliches der FDP, deren Twitter-Followerzahl von rund 6.000 auf fast 100.000 schoss. Ein Teil davon stammte von dem Portal Fandealer. Allerdings hatte ein politischer Konkurrent die Erfurter Firma beauftragt: "Das entsprechende Benutzerkonto", sagte Betreiber Mario Rönsch, "wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet".

In der Folge schloss Fandealer Politiker und Parteien vom Freundeskauf aus, doch es gibt genug andere Anbieter, die Fans und Follower verhökern.

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Und Prominente aber auch Unternehmen greifen gern zu. So steht derzeit Dortmunds Stürmerstar Robert Lewandowski im Verdacht, bei seinen Facebook-Fans nachgeholfen zu haben: Sie verdoppelten sich innerhalb eines Tages auf 1,2 Millionen.

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