Onlinewahlkampf: Weit weg vom Wähler

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Onlinewahlkampf: Weit weg vom Wähler

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Auch im Netz kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel besser weg als SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Doch bei beiden überwiegen die negativen Äußerungen.

von Oliver Voß und Tim Rahmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück erreichen immer weniger Menschen, die Volksvertreter drohen ihre Legitimation zu verlieren. Gelingt ihnen im Internet die Wende?

Ausgerechnet die stärkste Partei hat mit Politik nichts zu tun. Würden alle Nichtwähler der imaginären „Partei der Wahlverweigerer“ ihre Stimme geben, wäre dieses Bündnis die stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag. Vor der CDU. Und weit vor der SPD. Bei der letzten Bundestagswahl, im Herbst 2009, gaben nur 70,8 Prozent der wahlberechtigten Bürger ihre Stimme ab. Es war der mieseste Wert seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Vieles deutet darauf hin, dass es in diesem Jahr nicht besser wird.

„Zwischen den politischen Akteuren und vielen Wahlbürgern ist ein Graben entstanden“, so Manfred Güllner, Geschäftsführer des Forsa-Instituts, in der Studie „Nichtwähler in Deutschland“, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung gemacht hat. „Die Entfremdung zwischen Politiker und Bürgern ist derzeit das Haupthindernis für eine höhere Beteiligung bei Wahlen.“

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Im Durchschnitt ist die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren um 3,8 Prozent abgesackt. Für 2013 hieße das: Nur rund 67 Prozent der Stimmberechtigen würden demnach noch zur Wahl gehen.

Welche Rolle spielt das Internet?

Die Politik zeigt sich besorgt und nun auch angriffslustig. So sieht SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück in einer hohen Wahlbeteiligung den Schlüssel zum Wahlsieg. Wenn die Wahlbeteiligung deutlich steige, auf 77 oder 78 Prozent, „dann wird die SPD die Wahl gewinnen“, so Steinbrück. Auch wenn die Rechnung nicht aufgehen wird, die Politik wirbt um die Stimmen der Verweigerer. Doch sind die Steinbrück’schen Mittel die Richtigen? Erreicht der SPD-Mann mit seinen Wahlkampfauftritten und Hausbesuchen die Nichtwähler? Und welche Rolle spielt das Internet? Können Parteien über Facebook und Twitter, über Newsletter und Videochats neue Zustimmung gewinnen?

Infografik So wählt das Netz

Während der Bundestagswahlkampfs analysieren die WirtschaftsWoche und der Datenspezialist Attensity mit einer Sprachanalysetechnik, wie das Netz über Parteien und Politiker diskutiert.

Attensity Einspalter und Themenseite

Wie ein moderner Wahlkampf aussieht, hat US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr gezeigt. In einer großen Datenbank wurden die Daten von 200 Millionen US-Amerikaner archiviert und ausgewertet: Wer spricht über die Wahl im Netz? Wer favorisiert welche Partei und welche Themen bewegen die Bürger? All diese Fragen wurden geklärt, um die Bürger möglichst genau ansprechen zu können. An der Haustür durch einen der vielen Wahlhelfer, aber auch digital. Noch am Wahltag warb Obama bei seinen 32 Millionen Facebook-Fans und 21 Millionen Twitter-Follower um die Stimmabgabe. Selbst Herausforderer Mitt Romney konnte mit Hilfe des Web 2.0 kurzfristig noch gut 14 Millionen Menschen ansprechen.

Und was machen die deutschen Wahlkämpfer? Der Einsatz des Internets durch die politischen Parteien könnte entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl 2013 haben, dass meinen zumindest 37 Prozent aller Wahlberechtigten laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom und Forsa. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist sogar fast die Hälfte dieser Ansicht. „Die Online-Kampagnen könnten für die Parteien zum Zünglein an der Waage werden, um die entscheidenden Stimmen zu erringen“, sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

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