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Organspende: Ökonom fordert Börse für Organhandel

von Cornelia Schmergal

Die Zahl der Organspenden in Deutschland sinkt. Die Zahl der postmortalen Spenden ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 auf 902 gesunken. Im Vorjahreszeitraum hatte die Zahl noch bei 961 gelegen.

Angesichts der politischen Debatte um eine Neuregelung des Transplantationsgesetzes fordern Wirtschaftswissenschaftler mutigere Schritte. Der Bayreuther Gesundheitsökonom Peter Oberender sagte der WirtschaftsWoche: "Wenn in Deutschland jährlich 1300 Menschen sterben, weil sie kein Spenderorgan bekommen, dann sollten wir darüber nachdenken, einen geregelten Markt für Organe zu schaffen." Ein solcher Markt müsse über eine Börse reguliert werden. Wer beispielsweise eine Niere verkaufen wolle, könnte sich dann an einen Makler wenden, der dieses Angebot veröffentliche. So könnten etwa die Gesundheitsämter diese Aufgabe übernehmen. "Letztlich handelt es sich um ein Werturteil: Kann man es vor seinem Gewissen vertreten, dass in jedem Jahr Menschen sterben, weil sie keine Chance auf ein Spenderorgan haben?", sagte Oberender. "Eigentlich findet der Handel mit Organen auf Schwarzmärkten doch längst schon statt. Ich will ihn nur legalisieren."

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Der Wirtschaftswissenschaftler Charles Blankart regte dagegen mehr Rechte für Spender über eine Versicherungslösung an. Jeder Mensch müsse das Recht haben, rechtlich bindend zu erklären, dass seine Organe nach seinem Tod vorzugsweise an jene Menschen gehen sollten, die sich ebenso zur Spende erklärt hätten wie der Spender selbst, sagte Blankart dem Magazin. Organspender würden damit auf den Wartelisten ganz oben stehen. "Dahinter steht die Grundidee, dass Helfer einander helfen. Jeder kann mitwirken und je mehr mitwirken, desto besser die Versorgung mit Organen", sagte Blankart. Unmoralisch sei aus seiner Sicht nur "die Anspruchshaltung des Freifahrers, ein laszives Leben zu führen in der Erwartung, im Krankheitsfall ein unentgeltliches Organ zu ergattern", sagte Blankart.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.10.2011, 18:46 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    @MV

    "Weshalb muss es (Anm.: den Handel) mir erst noch jemand verbieten?"

    ich halte in der Tat den Handel mit lebenswichtigen Organen für unmoralisch! Und außer der Tasache, dass hier mit lebensbedrohlichen Nöten Geschäfte gemacht werden sollen, wird zu Lebzeiten keinem Menschen dadurch ein zusätzlicher Anreiz gegeben, sich nach seinem Tod als Spender zur Verfügung zu stellen! Unter Umständen wäre dieses sogar kontraproduktiv. ich z.b. würde mich nicht als Spender zur Verfügung stellen, wenn ich wüßte, dass meine Organe nach meinem Tod meistbietend verschachert werden würden (und vielleicht noch ein Dritter damit Geld verdienen würde)! Außerdem wäre bei einem montären Gewinnanreiz für Dritte in meinen Augen die Mißbrauchsgefahr (z.b. durch Organimporte aus Afrika) evident und zudem schwer kontrollierbar.

    "ihre Forderung, jemand müsse bessere Chancen bekommen, wenn er selber Spender sei ist genau so absurd, als wenn ich eine bessere medizinische behandlung nur dann bekomme, wenn ich selber schon mal jemanden Notversorgt hätte."

    Also, wenn hier etwas absurd ist, dann ihr Vergleich! Auf jeden Fall wäre bei meinem Vorschlag der Anreiz für einen Menschen deutlich höher, sich als Spender zur Verfügung zu stellen, als bei der Aussicht auf eine Zahlung in Geld nach seinem Tode (von der er nichts mehr hat)! Sie können nun einmal nicht Alles für Geld kaufen, das sollte ihnen klar sein!

    Und noch einmal, auch wenn Sie es nicht glauben wollen und nicht mehr hören können: nicht der fehlende Markt ist dafür verantwortlich, dass es eine Knappheit von Organen für Operationen gibt!! Vielmehr sind ethische und religiöse bedenken, Unkenntnis (das es überhaupt einen Mangel gibt), die fehlende Austauschbarkeit von Organen bei Menschen und ein fehlender Anreiz für die potentiellen Spender das Problem! Keine dieser Problemfelder können Sie durch die installierung einer börse lösen, das sollte ihnen mittlerweile klar geworden sein!

  • 21.10.2011, 10:24 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @nicolo

    Offen gestanden erschließt sich mir ihre Argumentation nicht: Wenn jemand mir zehn Millionen für mein Herz bieten würde, dann käme der Handel nicht zu strande. Weshalb muss es mir erst noch jemand verbieten? Wenn er es jedoch für das Herz eines verstorbenen Angehörigen böte, der es ohnehin nur mit ins Grab nehmen könnte, sähe die Sache möglicher Weise anders aus.

    Zudem würde eine Legalisierung und ein damit sich auf natürliche Weise bildender Markt auch die Angebotssituation verbessern.

    ihre Forderung, jemand müsse bessere Chancen bekommen, wenn er selber Spender sei ist genau so absurd, als wenn ich eine bessere medizinische behandlung nur dann bekomme, wenn ich selber schon mal jemanden Notversorgt hätte. Die Forderung nach einer Verbesserung der Chancen auf ein Organ für (potentielle) Spender ist ja nur deshalb nötig, da wegen der Ausschaltung des Marktes eine künstliche Verknappung vorhanden ist. Es werden daher z.b. viele Organe schlicht beerdigt, welche ansonsten den Nachfragern zu Verfügung stünden, welche heute dann eben kurze Zeit später ebenfalls beerdigt werden müssen.

    @Stephan Locher

    Das Geld bzw. der Preis bekäme an dieser Stelle zwei wichtige und nicht zu ersetzende Funktionen:

    1. Er würde für eine hinreichende Angebotsmenge sorgen

    2. Er würde für eine vernünftige Allokation sorgen

    Oder wie Erhard sagte: Mit "Sozialer Marktwirtschaft" ist gemeint, dass die Marktwirtschaft bereits sozial ist, sie muss nicht erst sozial "gemacht" werden.

  • 20.10.2011, 17:37 UhrAnonymer Benutzer: Stephan Locher

    Eine Organ-börse ist ein definitives No-Go!
    Auch oder gerade weil es in vielen Ländern zynischerweise einen Schwarzhandel gibt, dem Menschen als Rohstofflieferanten zum Opfer fallen und zum Wohle des Mammon geradezu ausgeweidet und in Teilen an den Meistbietenden verhökert werden.
    Eine solche börse wäre menschenverachtend.
    Das Leben verkäme zu einer rein ökonomischen Größe.
    Moralisch? Nein, auch wenn es der "how many bucks"-Gesellschaft angemessen erscheint.
    Und wer verharmlosend äußert, er wolle doch nur einen existierenden Schwarzhandel legalisieren, der legalisiert als nächstes dann welchen Schwarzhandel? Den, kernwaffenfähigen Materials? Drogen? Kinderprostitution? Schlicht alles, wofür irgendein Subjekt nur hinreichend viel Geld zu bezahlen bereit wäre?

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