Oxfam-Studie: Das Märchen von der ständig wachsenden Ungleichheit

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Oxfam-Studie: Das Märchen von der ständig wachsenden Ungleichheit

von Konrad Fischer

Vor dem Weltwirtschaftsforum beklagt Oxfam die wachsende Ungleichheit. Dabei belegt die Studie nur eines: Den meisten Zahlen zu diesem Thema kann man nicht trauen.

Diese Zahlen kommen pünktlich zum Weltwirtschaftsforum: Das Vermögen der Welt, es ist nicht nur sehr ungleich verteilt, diese Ungleichheit nimmt sogar noch zu. Während in Davos die Elite der Weltwirtschaft tagt, entfernt sie sich zugleich immer weiter von den Sorgen der Bevölkerung rund um den Globus. So zumindest lautet die Deutung, die die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam zu seiner aktuellen Studie gleich mit liefert. Der Studie zufolge besaßen 2015 die 62 reichsten Personen des Planeten genau so viel wie die ärmste Hälfte der Bevölkerung, 2010 hätten dafür noch 388 Menschen ihr Vermögen zusammenlegen müssen. Die Schlussfolgerung von Oxfam: Wir leben in einem „Wirtschaftssystem für die Superreichen“.

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Die wichtigsten WEF-Termine 2015

  • Wie geht es im Ukraine-Konflikt weiter?

    Während die russische Delegation mit wenig bekannten Gesichtern auskommen muss, reist für die Ukraine der Präsident Pedro Poroschenko persönlich nach Davos. Er spricht am Mittwoch, 15.30 Uhr, über die Zukunftsperspektiven seines Landes.

  • Handelt die EZB richtig?

    Mario Draghi dürfte am Donnerstag die umstrittenen ausgeweiteten Anleihenkäufe der EZB bekanntgeben. Einen Tag später, Freitag, 23. Januar, 13 Uhr,  debattieren Finanzminister Wolfgang Schäuble, der britische Schatzkanzler George Osborne und Investor George Soros über die Geldpolitik der EZB. Dass die deutsche Sichtweise von der angloamerikanischen abweicht, dürfte die Debatte beleben.

  • Wie kann der IS gestoppt werden?

    Ebenfalls am Freitag, 23. Januar, steht der Kampf gegen den Terrorismus auf der Tagesordnung. Neben dem französischen Präsidenten François Hollande, der ab 11.30h kurz auf die Anschläge von Paris eingehen wird, werden sich US-Außenminister John Kerry (16.40h) und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi äußern, wie der islamistische Terrorismus eingedämmt werden kann (Do., 11.30h).

  • Ist das Klima noch zu retten?

    Al Gore ist einer der bekanntesten Warner und Mahner in der Klimapolitik. Der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger ruft die Welt am Mittwoch, 10 Uhr, zum Handeln auf. In weiteren Diskussionsrunden erklärt er, was er vom Klimagipfel Ende 2015 erwartet.

Aber ist es wirklich so simpel? Für seine Analyse stützt Oxfam sich auf die Daten des Wirtschaftsblattes „Forbes“. Einmal im Jahr veröffentlicht das US-Magazin eine Liste der reichsten Menschen der Welt samt Vermögensschätzung. Bei Oxfam hat man diese Vermögenswerte zusammenaddiert und kommt zu dem Schluss: Das Vermögen der reichsten 62 Menschen ist allein innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 44 Prozent gewachsen. Auch eine Studie der Europäischen Zentralbank führte jüngst die Forbes-Daten ins Feld, um damit die wachsende Ungleichheit in der Welt zu belegen. Dabei haben die Daten eine große Schwäche: Das angegebene Vermögen ist nicht liquide. Die Menschen auf den obersten Forbes-Rängen sind allesamt Firmeninhaber, ihr Vermögen besteht größtenteils aus den Unternehmensanteilen, die sie halten. Entsprechend entwickelt es sich auch. Steigen die Kurse, steigt das bei Forbes angegebene Vermögen. Beispiel Larry Ellison: Der Gründer des Software-Hauses Oracle stand 2010 auf Platz 6 der Liste mit 28 Millionen Dollar Vermögen. 2015 stand er auf Platz 5, sein Vermögen wurde mit 54 Milliarden Dollar angegeben. Im gleichen Zeitraum zwischen Frühjahr 2010 und Frühjahr 2015 stieg die Oracle-Aktie jedoch auch um fast 80 Prozent. Ellisons neu gewonnener Reichtum bestand also aus den gleichen Aktien wie 2010, die Papiere waren bloß deutlich mehr wert.

Drohne über Davos Die Treffpunkte der Elite

Bill Gates, David Cameron, Königin Rania: Das Who is Who aus Wirtschaft und Politik trifft sich Mittwoch in den Schweizer Alpen. Ein Einblick in das elitärste Forum der Welt.

World Economic Forum.

Es gibt zugleich jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass Ellison vorhaben könnte, seine Unternehmensanteile zu verkaufen. Selbst wenn er es tun sollte, wäre keineswegs ausgemacht, dass er dabei exakt den Gegenwert des aktuellen Aktienkurses erzielen könnte. Ellisons Forbes-Vermögen dürfte sich also auch in Zukunft größtenteils parallel zum Aktienkurs von Oracle entwickeln. Brechen die Börsenkurse ein, stürzt er auch im Forbes-Ranking ab – ohne dass sein verfügbares Vermögen, seine privaten Ersparnisse dabei nur um einen Cent sinken müssen. Die Vermögensverdoppelung der Weltelite, wie Oxfam sie darstellt, ist somit ein reiner Buchgewinn. Das Beispiel Ellison zeigt, dass die Forbes-Liste in erster Linie der Unterhaltung dient. Um wirklich etwas über die Ungleichverteilung von Vermögen zu erfahren, muss man auf die liquideren Ersparnisse wie Immobilien, Bargeld, Anlagevermögen oder sonstige Wertgegenstände schauen.

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9 Kommentare zu Oxfam-Studie: Das Märchen von der ständig wachsenden Ungleichheit

  • Ich sehe kein Märchen!
    Die Themen Mittelschicht, kalte Steuerprogression, Rentenniveau, Erbschaftsteuer, Versicherungsbeiträge, Sozialstaat etc müssten einmal im größeren Zusammenhang diskutiert werden. Dass die Ungleichheit bzw. soziale Spaltung seit Jahren zunimmt, dürfte wohl unstrittig sein. Eine der Konsequenzen: die Mittelschicht (entspricht 26% der Nettoeinkommen) trägt rd. 54% zu den Beiträgen der Sozialversicherung bei, die Reichen (entspricht 11% der Nettoeinkommen) nur rd. 6%. Und jetzt will Seehofer einmal mehr die Lasten der Flüchtlingspolitik durch die Verlängerung des Soli vorwiegend den Steuerzahlern und damit der Mittelschicht aufbürden!
    Die Grundfrage ist: wohin steuert unsere Gesellschaft in der Frage einer gerechten und angemessenen Einkommens- und Vermögensverteilung? Wer hat wann beschlossen, dass wir heute in Bezug auf diese Verteilung da stehen, wo wir stehen? Wer legt fest, wo wir morgen stehen wollen? Mit welchen Maßnahmen? Um diese Grundfragen drückt sich unsere Politik herum und beschließt bzw. unterlässt Maßnahmen, die letztlich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, obwohl das kein Politiker so benennt und zugibt.
    Es gäbe eine Maßnahme, die auch das Problem der demographischen Entwicklung (Alterung, Bevölkerungsrückgang, immer mehr Rentnern wie auch Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber) berücksichtigt: auch große Einkommen und Vermögen (also auch die Produktionsfaktoren Kapital und Boden) beitragspflichtig machen. Dazu gehört auch die paritätische Beitragsübernahme der Arbeitgeber für Renten/Kranken/Arbeitslosen/Pflegeversicherung.
    Bis das passiert, mein Tip:
    http://youtu.be/mQvThNJkKb

    Ein Lichtblick: das Bundesverfassungsgericht hat bei der Erbschaftsteuer mal wieder eine verfassungskonforme Wegweisung gegeben (Eigentum verpflichtet). Auch wenn die Politik erwartungsgemäß dem nicht folgen wird (wie z.B. das von der CSU angekündigte Veto zu Schäubles Vorschlag

  • ... Fortsetzung ...
    wie z.B. das von der CSU angekündigte Veto zu Schäubles Vorschlag belegt). Und dass die Familienunternehmer aus allen Rohren schießen, war wohl nicht anders zu erwarten. Zu anderer Gelegenheit singen sie ebenso inbrünstig das hohe Lied des Leistungsprinzips. Nur: Erben ist keine Leistung! Eine Erbschaft ist ein "unverdientes" Vermögen!
    Und in der bayerischen Verfassung ist verankert: „Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ (Art. 123 Abs. 3) Ob das der wirkliche Grund für das angekündigte CSU-Veto ist?
    Und was hört man von der SPD? Schweigen im Walde.
    Scheint die Politik weiterhin zu ignorieren! Statt dessen wirbt Kauder um Verständnis für Deutschlands Reiche!
    Mein Tip:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
    Was sagt der Bundestag?
    http://youtu.be/QGOx8I0COYg

    Rock-Blogger und Blog-Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.

  • Für beide Parteien:
    Es ist ein GRUNDRECHT eines jeden Bürgers sein Kapital oder Geschäft dort
    hin zu verlagern, wo weniger Steuer anfallen.
    D-Finanzminister jammern um Ihre einnahmen, aus anderen Gründen.
    Nicht um sonst ist deren Einkommen an das aus Privatwirtschaft gekoppelt.

    Diese UNGLEICHHEIT steht in KEINEM Zusammenhang - STEUEREINNAHMEN/EHRLICHKEIT - OXFAM redet auch jemanden nah'm Mund.

    Herr Keil, ERBSCHAFTSSTEUER ist die ungerechteste Steuer die es gibt, was
    andere Länder mit Recht gar nicht eingeführt haben.
    Aber D besteuert ALLES doppelt und dreifach, und trotz dem geht ALLES den
    Bach runter.
    Und das ist sicherlich auf Ihr Art.123 zurückzuführen.
    Vorkostitutionelles Recht wird als Bundesrecht angewandt. III Reich

    Und wie DUMM der D-Bürger ist, merkt man daran, dass dieser selbst seine
    Unterdrückung fordert, und seinen Nächsten verleugnet.

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