Parteien: Schicksalspakt zwischen AfD und Piratenpartei

KommentarParteien: Schicksalspakt zwischen AfD und Piratenpartei

von Oliver Voß

Die Eurokritiker von der Alternative für Deutschland wollten ihre Kräfte mit den Piraten bündeln. Obwohl eine Zusammenarbeit schwer vorstellbar ist, verbindet beide ein gemeinsames Schicksal.

FDP-Papier AfD - Eine Alternative für Wähler

Politische Konkurrenzbeobachtung gehört zu den Wahlkampfstandards. Dass die "Alternative für Deutschland" jetzt in den Fokus der etablierten Parteien rückt, zeigt aber: Die Zeit des Kleinredens ist vorbei.

Die "Alternative für Deutschland" rückt immer stärker in den Fokus der etablierten Parteien. Quelle: dpa

Sind die Euroskeptiker von der Alternative für Deutschland (AfD) die neue Piratenpartei? Es gibt einige Gemeinsamkeiten: Beide werden als Ein-Themen-Parteien wahrgenommen – was die Piraten am Anfang und die AfD derzeit auch sind. Und so wie zuvor die Piraten zieht die AfD zahlreiche von den etablierten Parteien enttäuschte Wähler an, erzeugt ein entsprechend großes Medienecho und hat mit teils sogar schon zweistelligen Zustimmungsraten das Potenzial, die politische Landschaft und die bisherigen Koalitionskalkulationen gehörig durcheinanderzuwirbeln. 

Wäre es also auch denkbar, dass beide ihre Kräfte bündeln? Solche Überlegungen hat zumindest AfD-Gründer Bernd Lucke angestellt. Vor gut einem Jahr wandte sich der Hamburger Professor in einer E-Mail an Piratenchef Bernd Schlömer.

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„Da ich glaube, dass unsere Ziele auch von der Piratenpartei geteilt werden, würde ich gerne in den nächsten Tagen (baldmöglichst) mit Ihnen darüber telefonieren", schrieb Lucke laut einem Bericht der „Welt“. Zu dieser Zeit wurde auch bei den Piraten kritisch über die Euro-Rettungspolitik diskutiert. Lucke schrieb, er wolle ESM-kritische Organisationen und Parteien "besser koordinieren und inhaltlich fokussieren". Doch damit blitzte er bei Schlömer ab.

Konrad-Adenauer-Stiftung Piraten sind "ernstzunehmender Faktor“

Die Konrad-Adenauer-Stiftung warnt davor, die Piraten-Partei zu unterschätzen. „Die Piratenpartei ist deshalb – trotz aller Mängel – ein ernstzunehmender Faktor“, heißt es in einer aktuellen Studie.

„Die Piratenpartei ist deshalb – trotz aller Mängel – ein ernstzunehmender Faktor“, heißt es in einer aktuellen Studie. Quelle: dpa

In der Tat sind die Unterschiede zwischen beiden Parteien doch viel größer, als die eingangs genannten Parallelen. „Die Alternative für Deutschland ist eine Partei von frustrierten alten Männern, so wie die Piratenpartei von frustrierten jungen Männern gegründet wurde“, sagte der frühere SPD-Wahlkampfmanager Frank Stauss kürzlich.

Diese Überspitzung trifft im Kern durchaus zu und es wäre kaum vorstellbar, wie die Teilnehmer eines Piratenparteitages mit den Besuchern der AfD-Gründungsversammlung gemeinsam konstruktiv politisch arbeiten. Der Generationenkonflikt zwischen „digital natives“ und Internetausdruckern, der den Netzpolitikern in allen Parteien das Leben so schwer macht, ist kaum größer vorstellbar als zwischen beiden Gruppen.

Und auch inhaltlich gibt es kaum Schnittmengen. Bei den Piraten ist die Europolitik bis heute kein entscheidendes Thema, bei der AfD fehlen die Inhalte darüber hinaus.

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Trotzdem verknüpft beide bis zur Wahl ein gemeinsames Schicksal: Die Aufmerksamkeit für politische Akteure ist bei Wählern und Medien begrenzt. Die Piratenpartei hat mit ihrem monatelangen Führungsstreit viele Sympathien und wahrscheinlich auch die Chance auf einen  Einzug in den Bundestag verspielt.

Diesem Bedeutungsverlust steht das wachsende Wählerpotenzial der AfD gegenüber. Die D-Mark-Fans haben zudem den größeren Neuigkeitswert auf ihrer Seite und setzen auf ein Thema, dass weit mehr Menschen bewegt als die Inhalte, mit denen die breite Bevölkerung die Piraten assoziiert. Daher werden Lucke & Co. den Piraten weiterhin die Show stehlen. Und könnten ihnen die für ein Überraschungscomeback entscheidend nötigen Stimmen kosten.

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