Parteikonvent: Clinch zwischen Steinbrück und Gabriel belastet SPD

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Parteikonvent: Clinch zwischen Steinbrück und Gabriel belastet SPD

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Die Stimmung zwischen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel ist nicht die Beste - zum Schaden der Partei.

Schlechte Umfragewerte und nun auch Knatsch in der Parteiführung: Bei der SPD sind die Nerven knapp 100 Tage vor der Wahl angespannt. Auf dem Berliner Konvent reagiert Steinbrück sehr emotional.

Deutliche Spannungen zwischen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel belasten den Start der SPD in die heiße Wahlkampfphase. Vor einem Parteikonvent in Berlin unterstellte Steinbrück Gabriel mangelnde Loyalität. Nur eine Bündelung aller Kräfte ermögliche es der SPD, die Bundesregierung abzulösen, sagte er dem „Spiegel“. „Ich erwarte deshalb, dass sich alle - auch der Parteivorsitzende - in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen.“ Gabriel versicherte den 200 Delegierten bei dem Konvent, ihre „politische Ehe“ sei intakt.

Hintergrund sind Vorkommnisse bei einer Sitzung der Fraktion am Dienstag, wo Gabriel sich nach Steinbrücks Lesart gegen ihn gestellt habe. Gabriel versuchte bei dem letzten großen Parteitreffen vor der Bundestagswahl am 22. September den Konflikt zu entschärfen. Ihr Verhältnis sei „ziemlich lebendig, meistens fröhlich“, sagte Gabriel. „Es gibt zwischen uns keine Streitereien“, versicherte er. Gelegentlich gebe es im Wahlkampf Spannungen und Reibungen. „Reibung erzeugt Wärme“, sagte Gabriel und betonte an Steinbrücks Adresse: Wenn der Kanzlerkandidat meint, er müsse den Parteivorsitzenden in den Senkel stellen, dann dürfe er das auch ruhig einmal tun.

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Die Geschichte der SPD

  • 1863

    Ferdinand Lassalle gründet am 23. Mai den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) in Leipzig, der Vorläufer der SPD. Das Datum gilt als Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie.

  • 1891

    Auf einem Parteitag in Erfurt gibt sich die SPD ein neues Programm und wird zur Massenpartei - für die Rechte von Arbeitern.

  • 1918

    Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November in Berlin die Republik aus. SPD und USPD bilden für kurze Zeit eine Revolutionsregierung.

  • 1919

    Nach den Wahlen zur Nationalversammlung wird der Sozialdemokrat Friedrich Ebert Reichspräsident.

  • 1933

    Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar endet die Weimarer Republik. Die Sozialdemokraten lehnen am 23. März das Ermächtigungsgesetz ab, im Juni verbietet Hitler die SPD. In der Folge werden zahlreiche Sozialdemokraten verfolgt, ermordet und in Konzentrationslagern eingesperrt.

  • 1946

    SPD und KPD werden in der sowjetischen Besatzungszone unter Druck zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereint.

  • 1959

    Mit dem Godesberger Programm wandelt sich die SPD im Westen von einer Klassen- zu einer pluralistischen Volkspartei.

  • 1966

    Zum ersten Mal ist die SPD in der Bundesrepublik an einer Regierung beteiligt: der Großen Koalition mit der CDU/CSU.

  • 1969

    Willy Brandt ist Bundeskanzler der SPD/FDP-Koalitionsregierung. Nach seinem Rücktritt wegen der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume folgt ab 1974 Helmut Schmidt als Kanzler (bis 1982).

  • 1990

    West- und Ost-SPD vereinigen sich zu einer gesamtdeutschen SPD.

  • 1998

    Dritter SPD-Bundeskanzler wird Gerhard Schröder (bis 2005). Die SPD regiert mit den Grünen. Mit dem Namen Schröder sind auch die umstrittenen Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ verbunden.

  • 2009

    Die SPD kommt mit Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier auf nur 23 Prozent der Stimmen und verliert ihre Regierungsbeteiligung.

Höhepunkt des „kleinen Parteitags war der erste öffentliche Wahlkampfauftritt von Steinbrücks Frau Gertrud. Mit einer sehr persönlichen Schilderung der Wahlkampfbelastungen rührte sie ihren Mann fast zu Tränen. „Es wird immer nur geguckt, wo können wir ihn erwischen“, sagte die Lehrerin Richtung Medien.

WDR-Moderatorin Bettina Böttinger fragte daraufhin Steinbrück: „Warum tun Sie es?“ Der 66-Jährige war sichtlich bewegt und konnte nicht antworten. Daraufhin standen die 200 Delegierten auf und dankten ihm mit langem Beifall.

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