Parteiversammlung in Essen: Piraten spielen Bundestag

Parteiversammlung in Essen: Piraten spielen Bundestag

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Käpt’n Chaos. Parteichef und Ex-Schatzmeister Bernd Schlömer legte einen Datencrash hin

Piratenpolitik geht anders. Zwischen Kabeln und mit Laptop oder Smartphone wird Bundestag gespielt. Ein anstrengendes „Barcamp“. Zur Entspannung gibt es bald „Flauschcon“.

Der einstige Piraten-Popstar Marina Weisband hat eine Gitarre in der Hand. Im „Unperfekthaus“ in Essen wird laut diskutiert und leise getwittert. Denn die Piratenpartei hat sich getroffen, um sich auf den Einzug in den Bundestag vorzubereiten. Ihre ehemalige politische Geschäftsführerin Weisband setzt sich auf ein Sofa, klimpert los und singt dazu.

Die Atmosphäre ist locker bei den etwa 140 Piraten, die angesichts ihrer geringen Erfahrung mit der Parlamentsarbeit mal spielen wollen, was auf eine Bundestagsfraktion zukommen könnte. Was zahlt man einem wissenschaftlichen Mitarbeiter? Wie geht man mit der Presse um? Wie transparent ist das Verhältnis von Partei und Fraktion? Ein Trainingslager für künftige Abgeordnete soll das aber nicht sein.

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Quelle: dpa


Das „Unperfekthaus“ in Essen trägt den richtigen Namen für die lose Zusammenkunft. Denn „Barcamps“, so nennt man diese Treffen ohne vorherigen Plan und Agenda, werden auch als „Unkonferenzen“ bezeichnet. Ein „Barcamp“ ist in der Sprache derer, die überwiegend im Internet zu Hause sind, eine lose Zusammenkunft von Arbeitsgruppen, bei der am Anfang nicht feststeht, was dabei herauskommen soll. So ist es auch hier.

Aber ein bisschen Strategisches fällt doch noch ab: Mit Kleinen Anfragen in den Landtagen wollen die Piraten den Regierungen mehr als bisher auf die Finger klopfen. „Ein supergeiles Mittel“, findet Mirko das. Er trägt Schlips, auf seinem Arm sind Sterne tätowiert. Auf der Bühne zwischen Technik und Kabelsalat hockt der nordrhein-westfälische Landeschef Joachim Paul im Schneidersitz. Der 55-Jährige kennt den Landtag schon und weiß: „Anfragen, ja wirklich ein geiles Mittel.“

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WirtschaftsWoche Redakteur Konrad Fischer auf dem Parteitag der Piraten Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche, dpa


Dann ergreift ein etwa älterer Basispirat das Wort. Er will seinen Namen nicht verraten. Mit norddeutschem Einschlag mahnt er: „Wir müssen lernen, die Sprache des Wählers zu sprechen. Und nicht nur die Sprache der Medien.“ Es wird fleißig alles notiert, jeder Zweite hat ein Laptop auf dem Schoß und noch mehr Piraten tippen irgendwas auf ihrem Smartphone oder wischen über die Oberfläche des Handys. Im „Piraten-Pad“, einer Art Notizblock im Internet, wird alles festgehalten. Jetzt also: „Aufruf: Stellt kleine Anfragen“.

So ein „Barcamp“ ist anstrengend. Deshalb soll es in einer Woche in Bielefeld „Flauschcon One“ geben. Eine Piratin übersetzt: „Flauschcon ist das Gegenteil von Shitstorm (Welle der Empörung)“. Gegen das „ewige Kritisieren und Meckern“ im Netz soll der freundliche, sachliche, irgendwie flauschige Umgang miteinander geübt werden. „Ja, es kommt noch richtig viel Arbeit auf uns zu“, sagte der Piratensprecher in Essen dazu.

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