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Personalie: Robert Zoellick folgt Paul Wolfowitz als Weltbank-Chef

von rtr

Der ehemalige US- Handelsbeauftragte und frühere Vize-Außenminister Robert Zoellick soll neuer Weltbank-Chef werden. US-Präsident George W. Bush nominierte den 53-Jährigen gestern als Nachfolger des wegen des Vorwurfs der Günstlingswirtschaft zurückgetretenen Paul Wolfowitz.

Robert Zoellick,  dpa
Robert Zoellick, Foto: dpa

Zoellick fühle sich dem Auftrag der Weltbank zutiefst verbunden, sagte Bush in Washington. "Er hat sich das Vertrauen und die Unterstützung der Staats- und Regierungschefs aus allen Teilen der Welt verdient." Den abtretenden Wolfowitz bezeichnete Bush als einen Mann von Charakter. Die Bundesregierung begrüßte die Nominierung Zoellicks. Die USA besetzen traditionell den Posten des Weltbank-Chefs, während die Partnerorganisation Internationaler Währungsfonds (IWF) gewöhnlich von einem Europäer geleitet wird. Das Direktorium der Weltbank lehnte noch nie eine Nominierung der USA ab. Mehrere Mitgliedstaaten hatten nach der Gehalts-Affäre um Amtsinhaber Wolfowitz allerdings ein offeneres Auswahlverfahren gefordert. Wolfowitz legt zum 30. Juni sein Amt nieder. Er zieht damit die Konsequenz aus dem Vorwurf, er habe seiner Lebensgefährtin, einer Mitarbeiterin der Weltbank, vor ihrer Versetzung ins US-Außenministerium eine ungewöhnlich üppige Gehaltserhöhung bewilligt. Zoellick: Weltbank soll streit hinter sich lassen Zoellick forderte, den Streit hinter sich zu lassen. Wichtig sei es, in die Zukunft zu schauen. Die Weltbank müsse sich nun ganz ihrer Aufgabe widmen, die Armut in der Welt zu lindern. Dies müsse mit Bescheidenheit und Demut geschehen. US-Finanzminister Henry Paulson sagte, es gebe bereits von mehreren Ländern positive Reaktionen auf Zoellicks Nominierung. Auch die Bundesregierung zeigte sich einverstanden. "Robert Zoellick ist ein guter Kandidat, der ein großes Maß an internationaler Erfahrung mitbringt", erklärte die deutsche Weltbankgouverneurin und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Es sei wichtig, dass die Bank schnell einen neuen Präsidenten bekomme und so ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinne. Der französische Außenminister Bernard Kouchner forderte am Rande des Treffens der G-8-Außenminister in Potsdam, Zoellick müsse behutsam daran arbeiten, wieder ein Vertrauensverhältnis zwischen der Weltbank-Führung und deren Partnern zu etablieren. Die Weltbank soll den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt weniger entwickelter Staaten durch Finanzhilfen, Beratung und technische Hilfe fördern. Sie vergibt jährlich Mittel in Höhe von rund 20 Milliarden Dollar. Zoellick hat in den vergangenen 20 Jahren innerhalb und außerhalb der US-Regierung Karriere gemacht, auch wegen seiner engen Beziehung zur Familie Bush. Unter anderem hatte er in den "Zwei-plus-Vier"-Verhandlungen an der deutschen Wiedervereinigung mitgearbeitet. Derzeit arbeitet Zoellick für die Investment-Bank Goldman Sachs. Dorthin war er gewechselt, als er 2006 nicht zum neuen US-Finanzminister ernannt worden war. Als Handelsminister unter Bush hatte er geholfen, die Doha-Runde für die Liberalisierung des Welthandels in Gang zu bringen. Zoellick gehörte - wie auch Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Wolfowitz - 1998 zu den Unterzeichnern eines Briefes an den damaligen Präsidenten Bill Clinton, in dem der Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein gefordert wurde. "Zoellick ist eine erstklassige Wahl", sagte der ehemalige US-Außenminister James Baker der Nachrichtenagentur Reuters. "Er bringt die Fähigkeit zur Teamarbeit und einen exzellenten Ruf als Kenner der weltweiten Außenpolitik mit - etwas, was wir dringend brauchen." Zwar habe Zoellick keine große Erfahrung mit Entwicklungs-Themen. Aber er sei ein Pragmatiker und wisse, wie man Koalitionen bilde und Einigkeit herstelle. Kritisch äußerte sich der Demokratische US-Abgeordnete Barney Frank. "Ein zweiter hochrangiger Außenpolitiker aus der Bush-Regierung in Folge an der Weltbank-Spitz - ich denke, das ist ein Fehler."

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