
Es ist das letzte Scharmützel zwischen zwei großen Politikprofis. Michael Glos entzieht sich den bohrenden Stichen seines CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer mit einer erstaunlichen Parade: Er reicht seinen Rücktritt als Bundeswirtschaftsminister ein! Und Seehofer? Der völlig überrumpelte Parteichef lehnt ab - vorerst. Denn es ist klar, dass die Amtszeit des amtsmüden Glos abgelaufen ist. Seehofer muss nun auf den wichtigen Ministerposten ein neues Schwergewicht hieven. Aber wen?
Nach der Übernahme des CSU-Vorsitzes und des bayerischen Ministerpräsidentenamtes hat Seehofer seiner angeschlagenen Partei eine Verjüngungskur verordnet. Der Ingolstädter holte vielversprechende Nachwuchskräfte, Karl-Theodor zu Guttenberg ist jetzt Generalsekretär, Georg Fahrenschon wurde bayerischer Finanzminister.
Weniger Erfolg hat Seehofer bislang mit Ilse Aigner, die er zu seiner Nachfolgerin als Bundeslandwirtschaftsministerin bestimmte; sie muss sich offensichtlich erst noch in die verzwickte Materie von Agrarmarktordnungen und Verbraucherschutzthemen in einem großen Ministerium einarbeiten.
Die plötzliche Personalnot hängt mit der Person Seehofer zusammen. Der begnadete Politiker ist ein Einzelgänger. Netzwerke hat er sich nie geschaffen, immer nur sich selbst, seinem scharfen Verstand und seinem populistischen Gefühl vertraut. Nun steht Seehofer allein in München an der Spitze. Den alten Parteikollegen misstraut er, viele missachtet er. Auch Bundeswirtschaftsminister Glos bekam oft zu spüren, dass er nicht Seehofers Ansprüchen genüge, dass er auf dem Berliner Parkett mehr bringen müsse.
Dass nun Seehofer heimlich einen anderen CSU-Mann in Berlin als Wirtschaftspolitiker installieren wollte, war für den alten Kämpen zu viel. Glos bietet sein Amt an und zeigt darin Größe. Was nun folgt, ist indes eine Posse. Für die Wahlen zum Europaparlament und zum Bundestag kann das nicht gut sein.













