Zwei konkrete Probleme hat er angepackt
Bild: dpaGerd Dudenhöffer alias „Heinz Becker“
Gemustertes Hemd, oft auch Hosenträger, Strickweste und "Batschkapp": Als schrulliger Rentner Heinz Becker haben die Deutschen den Kabarettisten Gerd Dudenhöffer, 62, schon Mitte der 1980er Jahre kennengelernt. In breitem Dialekt brachte der gebürtige Bexbacher selbst die plumpsten Lebensweisheiten charmant rüber – sogar für nicht Saarländer. Mitleidig, tölpelhaft, einfach komisch: Als "Familie Heinz Becker“ mit "Frau" Hilde (Sabine Urig) flimmerte Dudenhöffer in den 1990er Jahren allabendlich über die Bildschirme des SWR-Vorabendprogramms.
Bild: dpaPeter Altmaier
100 Tage Umweltminister – bisher ohne grobe Zwischenfälle. Die Energiewende macht ihm zu schaffen: Doch will der gebürtige Ensdorfer seine Chance nutzen. Nach langer Zeit im Hintergrund hat sich der treue Gefolgsmann der Kanzlerin als Nachfolger von Norbert Röttgen endlich in den Vordergrund gespielt. In seiner Freizeit kocht der 54-jährige gern für Gäste. Auch „Dibbelabbes“, einen typisch saarländischen Eintopf aus Dörrfleisch, Kartoffeln, Lauch und Ei. Gott habe, so sagt der Single selbst, verfügt, dass er allein durchs Leben gehe.
Bild: APPeter Hartz
Hartz war ganz oben – und fiel ganz tief. Seine Arbeitsmarktgesetze haben bei vielen Deutschen mehr Frust ausgelöst als Anerkennung. Wer plötzlich von 365 Euro im Monat leben muss, hat zu kämpfen: Die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe sorgte und sorgt für Kontroverse. Doch hat der SPD-Mann aus St. Ingbert eine Grundlage für flexible Anstellungsverhältnisse geschaffen - Minijobs, Kurz-, Teilzeit- und Leiharbeit lassen Unternehmen in Krisenzeiten aufatmen. Heute hat sich Hartz weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Für VW sitzt er im Aufsichtsrat, seit 2010 unterstützt er mit seiner Plattform „minipreneure“ saarländische Start-ups.
Bild: dpaNicole
Plötzlich war die Welt in Ordnung. Sieben Jahre vor dem Mauerfall, in Zeiten des nuklearen Wettrüstens zwischen den USA und Russland, ersang sich die 17-jährige Schülerin Nicole Hohloch beim Eurovision Songcontest 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ die Aufmerksamkeit der Welt. Millionen Zuschauer waren ergriffen, eine einfache Botschaft weckte Sehnsüchte. Heute macht die 48-jährige immer noch Musik, doch so großen Erfolg wie als Teenager hatte die gebürtige Saarbrückerin mit keinem ihrer späteren Songs.
Bild: APOskar Lafontaine
Er war Jungsozialist, Kanzlerkandidat, Aufrührer, Polterer. Mit Schröder stritt er, schied aus der SPD aus und suchte nach neuen Wegen. Der Mann aus Saarlouis-Roden fällt gerne auf, talkt sich durch Deutschlands abendliche Diskussionsrunden. Heute ist der 65-Jährige nicht nur das Gesicht derjenigen Partei, die Deutschlands Sozialdemokraten am meisten Bauchschmerzen bereitet: „Die Linke“ – er zählt auch zu den bekanntesten Köpfen in Deutschlands Polit-Landschaft.
Bild: dpaHerrmann Neuberger (1919-1992)
Fußballfans werden sich an den Mann aus Völklingen-Fenne erinnern. Von 1975 bis 1992 saß er Deutschlands größtem Sportverband, dem DFB, als Präsident vor. Das Glanzstück seiner Karriere gelang ihm gleich zu Beginn: Im Jahr 1974 richtete Neuberger mit großem Erfolg die Fußballweltmeisterschaft in der Bundesrepublik Deutschland aus – und wurde kurz darauf zum Vizepräsident der Weltfußballorganisation FIFA berufen. Neuberger starb 1992 im Alter von 72 Jahren.
Bild: dpaGerhard Schröder (1910-1989)
Vor dem niedersächsischen gab es schon einen saarländischen Gerhard Schröder in der deutschen Politik. Die Saarbrücker Heimat verließ er gleich nach dem Abitur. Der Anwalt war nach dem Krieg einer der Gründer und Führungspersönlichkeiten der CDU. Er war von 1953 bis 1961 Innen-, von 1961 bis 1966 Außen- und von 1966 bis 1969 Verteidigungsminister. Danach wäre er sogar fast Bundespräsident geworden - als Gegenkandidat von Gustav Heinemann.
Bild: GemeinfreiWilli Graf (1918-1943)
In Euskirchen geboren war Graf einer von Deutschlands bekanntesten Widerstandskämpfern gegen das NS Regime. Schon 1934 trat er dem katholischen Jugendbund „Grauer Orden“ bei – eine Organisation, die trotz des Verbotes bis 1945 fortbestehen sollte. Als junger Medizinstudent kam Graf 1942 in München mit der „Weißen Rose“ in Kontakt. Zusammen mit Hans Scholl und Alexander Schmorell verteilte Graf Flugblätter, die zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufriefen. Ein Jahr später wurde Graf gefasst und im Alter von 25 Jahren wegen Hochverrats hingerichtet.
Bild: GemeinfreiAlbert Weisgerber (1878-1915)
Paul Klee und Wassily Kandinsky waren seine Mitstreiter, als der junge Künstler Albert Weisgerber 1897 bis 1901 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste studierte – später wurden sie Freunde. Am Übergang von Impressionismus zum Expressionismus hatte sich der Mann aus St. Ingbert auf Café- und Varietészenen, später dann auf Porträts spezialisiert: Sein bekanntestes ist wohl das von Theodor Heuss. Vor Ausbruch des ersten Weltkrieges war Weisgerber in der Münchner Kunstszene etabliert: Mit Paul Klee und anderen gründete er die Künstlervereinigung „Münchner Neue Secession“. Weisgerber fiel 1915 nahe Lille.
Bild: GemeinfreiMichel Ney (1769-1815)
Als den Tapfersten der Tapferen, „Le brave des braves“, bezeichnete Napoleon den Sohn armer Leute aus Saarlouis – und kürte ihn 1804 zum ersten „Marschall von Frankreich“. Neys Leben war von Kriegen geprägt: Er führte 1805 Napoleons ersten Feldzug gegen die Österreicher an, brillierte 1812 bei der Schlacht von Borodino im Russlandfeldzug, verlor mit Napoleon in der Schlacht bei Waterloo. Da er sich weigerte aus Frankreich zu fliehen, wurde er kurze Zeit später gefasst und im Pariser „Jardin du Luxemburg“ erschossen. Den Befehl dazu gab er den Soldaten, die ihn hinrichten sollten, selbst.
Gerd Dudenhöffer alias „Heinz Becker“
Gemustertes Hemd, oft auch Hosenträger, Strickweste und "Batschkapp": Als schrulliger Rentner Heinz Becker haben die Deutschen den Kabarettisten Gerd Dudenhöffer, 62, schon Mitte der 1980er Jahre kennengelernt. In breitem Dialekt brachte der gebürtige Bexbacher selbst die plumpsten Lebensweisheiten charmant rüber – sogar für nicht Saarländer. Mitleidig, tölpelhaft, einfach komisch: Als "Familie Heinz Becker“ mit "Frau" Hilde (Sabine Urig) flimmerte Dudenhöffer in den 1990er Jahren allabendlich über die Bildschirme des SWR-Vorabendprogramms.
Nachdem er hat durchblicken lassen, dass das Ausbautempo mangels Stromnetzen und aus Kostengründen gedrosselt werden muss, konnte er schon erleben, welchen Länderaufschrei er auslöst, wenn er Abstriche fordert. Seine Analyse des Status Quo bei der Energiewende kann er in eine 140-Zeichen-Botschaft im Kurznachrichtendienst Twitter pressen. „Das Hauptproblem der Energiewende ist, dass jeder sie nur aus dem Blickwinkel seines Interesses sieht. Egal ob Wind, Sonne, Kohle, Gas“, twittert Altmaier. „Sie kann aber nur gelingen, wenn die Einzelinteressen zum Ganzen verbunden werden“, betont er.
Zwei Probleme hat er bisher konkret angepackt, beide Lösungen sind aber wohl mit Mehrkosten für die Bürger verbunden. Problem eins: Die Solarförderung. Altmaier sieht das Thema nun als ingedämmt an, weil bei 52 000 Megawatt Schluss mit der Förderung sei. Da der Solarboom wegen der Billig-Konkurrenz aus China aber ungebrochen anhält, belaste dies den Verbraucher stärker, als wenn eine jährliche Förderbegrenzung eingeführt worden wäre, sagen Energieexperten.
Die Energiewende und der Sand im Getriebe
Wo liegen aktuell die drängendsten Probleme?
Der Netzausbau ist weit hinter dem Plan zurück. Die Betreiber der teuren Offshore-Windsparks in Nord- und Ostsee sind verärgert, dass es immer neue Verzögerungen gibt, beim Energiesparen gibt es kaum Fortschritte, die Debatte über die Ökostromförderung entwickelt sich zum Dauerbrenner - die Liste ließe sich fortsetzen. Die Regierung muss an zahlreichen Stellschrauben drehen, ein abgestimmtes Konzept ist in vielen Bereichen aber noch nicht erkennbar.
Welche Erfolge gibt es?
Der Ausbau der erneuerbaren Energie liegt nicht nur im Plan, er übertrifft sogar die Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2012 machte Ökostrom erstmals mehr als 25 Prozent am deutschen Strommix aus, insgesamt wurden knapp 68 Milliarden Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Die Windkraft hat mit 9,2 Prozent den größten Anteil, vor der Bioenergie mit 5,7 Prozent. Der Anteil der Solarenergie hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt und liegt nun mit 5,3 Prozent auf dem dritten Platz, vor der Wasserkraft mit vier Prozent.
Was bedeutet das für die Verbraucher?
Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teuer werden. Wenn mehr Ökostrom produziert wird, steigt auch die Umlage zur Förderung der Energie aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, die über den Strompreis gezahlt wird. Diese ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und liegt aktuell bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt rund 125 Euro Zusatzkosten pro Jahr. Der Aufschlag dürfte sich nun deutlich erhöhen. Spekuliert wird bereits über einen Anstieg auf 5,3 Cent zum Jahreswechsel, was die Kosten für einen Durchschnittshaushalt auf 185 Euro hochtreiben würde.
Wird der drohende Anstieg der EEG-Umlage Konsequenzen haben?
Das ist noch offen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnt immer wieder, dass hohe Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Er fordert deshalb eine Reform der Förderung. Die Regierung hat jedoch erst 2011 eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die Anfang 2012 in Kraft trat und bei der Solarförderung nochmals verändert wurde. Außerdem ist der Strompreis viel stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Umweltschützer halten mangelhaftes Energiesparen und pauschale Befreiungen für die stromintensive Industrie für die eigentlichen Preistreiber.
Wie weit ist der Ausbau der Windenergie?
Neben dem Ausbau der Windkraftanlagen an Land gilt der Ausbau der Offshore-Windenergie, also der Windkraftanlagen im Meer, als wichtiger Pfeiler der Energiewende. Bis zum Jahr 2020 sollen vor den Küsten Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 10 000 Megawatt zur deutschen Stromerzeugung beitragen. Das sind ungefähr 2000 Windkraftwerke. Gegenwärtig arbeiten in der Nordsee aber erst 28 Anlagen mit 140 Megawatt Leistung. Dazu kommen noch 21 kleinere Windkraftwerke in der Ostsee - macht zusammen gerade einmal 180 bis 190 Megawatt.
Woran hakt es?
Das größte Problem ist nach wie vor die Anbindung der Anlagen in Nord- und Ostsee an das Festlands-Stromnetz. Zudem reichen die Leitungen an Land nicht für den Weitertransport des Windstroms in den Süden Deutschlands. Die Stromerzeuger sehen wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss inzwischen die ganze Energiewende in Gefahr. Sie verlangen dringend Klarheit, wer dafür haftet, wenn die Windparks stehen, aber nicht ans Netz gehen können. Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) haben vorgeschlagen, dass die Verbraucher die Kosten für Verzögerungen über den Strompreis mittragen sollen. Rösler hofft auf eine endgültige Regelung noch im Sommer.
Wie weit ist der Netzausbau insgesamt?
Für die Energiewende werden laut Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie. Die Netzbetreiber haben einen Entwurf für einen Netzentwicklungsplan vorgelegt, bis Mitte August soll eine zweite Version fertig sein. Die Bundesnetzagentur verlangt nun, der Ausbau müsse viel schneller gehen. Rösler fordert deshalb bereits, vorübergehend Umweltstandards außer Kraft zu setzen, so dass zum Beispiel bei Klagen gegen den Bau von Leitungen eine Gerichtsinstanz ausreicht.
Sein Handlungsspielraum ist eng
Problem zwei: der schleppende Anschluss von Windparks auf See. Pünktlich zum 100-Tage-Jubiläum hat Altmaier am Mittwoch zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Kabinett eine Haftungs-Regelung bei Verzögerungen von Netzanschlüssen für solche Windparks durchgebracht. Aber: Schadenersatzzahlungen müssen von den Verbrauchern ebenfalls über den Strompreis mitgetragen werden, bis zu neun Euro pro Haushalt und Jahr. Gewinne würden privatisiert, die Risiken aber sozialisiert, kritisieren Verbraucherschützer.
Seit Wochen hat das Ministerium zudem wiederholt eine Einigung im Streit um einen Neustart bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Aussicht gestellt, aber die Uneinigkeit bei den Grünen verzögert dies noch. Da solche Vereinbarungen über Jahre halten müssen, muss Altmaier überall einen parteiübergreifenden Konsens schmieden.
Das engt seinen Handlungsspielraum ein. Sein Erfolg wird davon abhängen, ob ihm gerade bei der Energiewende ein wegweisender Reformwurf gelingt. Oder ob das laut Altmaier „größte Projekt seit dem Wiederaufbau“ im Schlick der Einzelinteressen stecken bleibt. „Wind auf“ schrieb er jüngst als Wunsch für die Energiewende auf den Rotorflügel eines Windrads. Rückenwind verspürt auch Altmaier. Die Windverhältnisse können sich aber auch schnell wieder ändern.
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