Philipp Rösler: "Preisfindung der Arzneimittel kritisch prüfen" - Seite 3

Philipp Rösler: "Preisfindung der Arzneimittel kritisch prüfen"

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Kapseln für Medikamente. Quelle: AP
Kapseln für Medikamente. Über die Preise der Arzeneien und eine eventuelle Obergrenze soll verhandelt werden. Quelle: AP

Deutschland ist das einzige Land, das bei der Massenbestellung des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe nicht über den Preis verhandelt hat. Wieso?

Das stimmt nicht. Die Länder haben verhandelt.

Was halten Sie von Preisobergrenzen?

Wir werden die gesamte Arzneimittelpreisfindung kritisch überprüfen.

Die forschenden Arzneimittelhersteller rechtfertigen ihre Preise mit den Kosten und dem Risiko bei der Entwicklung eines Medikamentes. Die FDP sagt, dass Leistung sich lohnen muss. Gilt das hier nicht?

Genau hierfür brauchen wir doch eine gute Kosten-Nutzen-Analyse: um zu prüfen, ob es sich um eine echte Leistung handelt.

Die Gesundheitskosten werden weiter steigen. In anderen Ländern wird deshalb festgelegt, welche Leistungen die Solidargemeinschaft tragen muss – und welche nicht. Brauchen wir auch in Deutschland eine breite gesellschaftliche Debatte über „Priorisierung“ im Gesundheitssystem?

Definitiv nicht. Es gibt einfach gewaltige Unterschiede zwischen einem beliebigen Markt und dem Gesundheitswesen. Sie können sich aussuchen, ob sie Brötchen kaufen oder nicht. Sie können sich aber nicht aussuchen, ob Sie krank werden oder nicht. Ich werde das Solidarprinzip, bei dem die Gesunden den Kranken immer helfen, nie infrage stellen.

Die FDP wirbt für eine obligatorische Mindestversicherung, finanziert über eine Prämie mit Sozialausgleich. Darüber hinaus kann jeder Zusatzpolicen abschließen, auf eigene Kosten. Das ist doch nichts anderes als Rationierung.

So sieht mein geplantes System nicht aus. Es gilt der Koalitionsvertrag: auf Grundlage des bestehenden Leistungskataloges.

„Ein Land, in dem die Menschen wegen -eines Schnupfens zum Arzt gehen, wird seine Kostenprobleme nie in den Griff -bekommen“, heißt es. Wahr oder nicht?

Quatsch! Schnupfenmittel bekommen sie heute schon nicht mehr von der Kasse erstattet. Und außerdem weiß man bei einem Schnupfen nie, ob nicht etwas Ernsteres dahintersteckt. Da kann es sogar günstiger sein, beizeiten mit einer Behandlung zu beginnen.

Die Kassen zahlen aber oftmals Früherkennungstests nicht, beispielsweise bei Krebs, wohl aber später die teuren Folgeschäden. Bevor Sie Gesundheitsminister wurden, lag Ihnen das Thema Prävention sehr am Herzen. Ist das immer noch so?

Natürlich – und mit der Gesundheitsprämie wird die Förderung von Prävention erst wirklich möglich: Jede Kasse kann individuell entscheiden, wie sie gesundheitsförderndes Verhalten belohnt, zum Beispiel durch Prämiennachlässe. Sie kann damit selber Berechnungen anstellen, ob es für sie sinnvoll ist, Versicherte zu haben, die sich gesundheitsbewusst verhalten. Wenn ich als Kasse heute viel Geld in Rückengymnastik investiere und dafür in fünf Jahren deutlich geringere Ausgaben wegen Rückenleiden habe, ist das eine lohnende Investition. Vor allem hilft es den Menschen: Sie bleiben länger gesund.  

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2010, 15:04 UhrAnonymer Benutzer: Piratenwähler

    ich denke die Ärzte sind mit der überbordenden, teuren und weitgehend sinnfreien bürokratie im gesetzlichen Gesundheitssystem auch nicht wirklich glücklich.

    ich denke, er wird die Vorschläge deshalb nicht umsetzen, weil er dann alle gegen sich hat - auch die die wirkliche Wertschöpfung bringen.

    So wie ich das sehe, sind das wahrscheinlich die budgets, die verhindern, dass die Ärzte nicht reihenweise den ganzen bäddel hinwerfen und ein kurzes LMAA an ihrem Schreibtisch neben den Antragsformularen hinterlassen.

    Denkbar?

  • 09.02.2010, 13:27 UhrAnonymer Benutzer: lingupingu

    ...ich unterstütze ihn fortwährend :) :Vorschläge über Vorschläge zur Kosteneinsparung. Der Witz ist jedoch: Auf dem Ohr ist der Gute völlig taub. Sieht man auch wieder prima in den WW Artikel: "...seit 2007 knapp vier Milliarden Euro zusätzlich für Arzthonorare...". Antwort Rösler (sinngemäß): "Alle habens gewußt, ich war nicht dabei, was soll ich denn machen...". Na , wie wärs denn z.b. mal mit der Rücknahme der Erhöhungen der Arzthonorare ? Schließung überflüssiger Krankenhäuser (jedes 4. bett ist unbelegt !) statt verstärkte Subventionierung ? Wär mal ein Anfang. Aber das bügelt Rösler gleich mal ab. Wie gesagt, er glaubt den Unsinn, den er erzählt, die Trugwelt, die ihm die Lobby ins Hirn gewaschen hat, tatsächlich. Womit wir halt wieder beim Thema intelligenz wären...

  • 09.02.2010, 12:39 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    Herr Rösler hat Ahnung von der Materie. Wenn jemand das verkorkste Gesundheitssystem für die Zukunft neu ausrichten kann, dann er!

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