Philosoph Peter Sloterdijk: „Mit seinem Zentralbankwahn hat der Staat kapitale Fehler gemacht“

Philosoph Peter Sloterdijk: „Mit seinem Zentralbankwahn hat der Staat kapitale Fehler gemacht“

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 08:00 Uhr
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Peter Sloterdijk.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Welt steckt in einer globalen Vertrauenskrise. Darunter leiden Arme wie Reiche. Wer ist Schuld an dem Schlamassel und wie können wir uns davon befreien? Der Philosoph Peter Sloterdijk gibt im Handelsblatt-Interview Antworten.

DüsseldorfDer deutsche Philosoph Peter Sloterdijk hat in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vor einer "Demoralisierung" unserer Gesellschaft gewarnt. "Die kollektive Demoralisierung ist schlimmer als eine vorübergehende Rezession jemals sein kann", sagte Sloterdijk. Seit Jahrzehnten lebten wir in einer gespenstischen Atmosphäre, in der ständig  verrücktmacherische Doppelbotschaften auf die Menschen einprasselten: sie sollten zugleich sparen und verschwenden,  sie sollten zugleich riskieren  und  solide wirtschaften, sie sollten hoch spekulieren und mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Auf die Dauer führe das zu einer absoluten Zermürbung. „Derselbe demoralisierende Effekt geht auch von der Tatsache aus, dass die leistungslosen Einkommen rasend schnell wachsen. Das vergiftet die jungen Leute, weil sie anfangen, sich in Scheinkarrieren hineinzuträumen.“

Eine große Mitschuld an der Finanzkrise tragen nach Meinung des Philosophen die Notenbanken: „Ich glaube, der Staat hat mit seinem Zentralbankwahn in den letzten 20 Jahren kapitale Fehler gemacht und jetzt, da man die Folgen der Fehler sieht, will er sie beheben, indem er den Fehler in noch größerem Maßstab wiederholt.“  Man müsse ja nur die Ergebnisse dieses Flutens der Märkte einigermaßen aufmerksam studieren. Das Resultat sei, dass dieses Geld zum allergrößten Teil, zu etwa 80 bis 90 Prozent, nicht in die reale Wirtschaft gehe, sondern in die Finanzspekulation.

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Sloterdijk warnte davor, die leeren Kassen der Staaten durch neue Zwangsabgaben zu füllen. Stattdessen appellierte er an die „Vornehmheit“ der Reichen. „Unsere ganze Welt ist auf einem psychopolitischen Grundfehler aufgebaut, weil sie  die Freiwilligkeitsdimension in all diesen Transaktionen zwischen Staat und Bürger nicht hoch genug ansetzt.“  In Amerika habe in den letzten Jahren mit der Initiative The Giving Pledge die Sozialdemokratisierung der Milliardäre begonnen. Die Sozialdemokratie lebe von der  einfachen Formel: Die Hälfte für die Gemeinschaftskasse.

Das vollständige Interview mit Peter Sloterdijk lesen Sie in der Freitagsausgabe des Handelsblatts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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