ThemaPiratenpartei

alles zum Thema
_

Piratenpartei-Chef Nerz: "Wir werden in die Parlamente einziehen"

von Oliver Voß

Die Polizei hat die Server der Piratenpartei beschlagnahmt. Der neue Parteichef Sebastian Nerz spricht über die Gründe, erklärt wie er die Partei aus der Krise führen will und warum er mit einem Erfolg bei der Bremenwahl rechnet.

Der neue Bundesvorsitzende Quelle: dpa
Der neue Bundesvorsitzende Sebastian Nerz beim Parteitag der Piratenpartei Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Ihre Server wurden heute auf polizeiliche Anweisung vom Netz genommen. Was war da los?

Anzeige

Sebastian Nerz: Die Piratenpartei betreibt ja verschiedene öffentlich zugängliche Dienste. Einer dieser Dienste wurde wohl von partei-externen Aktivisten benützt und die Polizei beschlagnahmte unsere Server um die Daten und Logfiles zu sichern. Wir sind hier also als Provider in eine unangenehme Situation geraten.

Dass dabei unsere Server im Wahlkampf komplett vom Netz genommen wurden ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt – der laufende Wahlkampf wird damit stark erschwert und die parteiinterne Kommunikation natürlich beschädigt.

Wollen Sie gegen diese Maßnahmen vorgehen? 

Es muss auf jeden Fall zu klären sein, ob die erfolgte Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung rechtlichen Vorgaben entsprochen hat, insbesondere ob die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurden.

Sonst machte die Piratenpartei kaum noch Schlagzeilen, nach dem Boom bei der Bundestagswahl stagnieren auch die Wahlergebnisse. Was ist da los? 

Bei der Bundestagswahl 2009 hatten wir einen richtigen Medienhype, das Ergebnis von zwei Prozent war daher höher als man es normalerweise erwarten würde. Betrachtet man aber nur die Europawahl und die Ergebnisse der einzelnen Landtagswahlen, haben wir Stück für Stück immer bessere Ergebnisse erzielt.

Von den fünf Prozent sind Sie trotzdem weit entfernt.

Wir haben ja einige Sitze in Kommunalparlamenten gewonnen, und ich habe wegen des speziellen Wahlrechts auch gute Hoffnungen für Bremen. Dann kommt noch die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Berlin. Gerade in Berlin haben war bisher immer unsere besten Ergebnisse erzielt. Wir werden in die Parlamente einziehen.

Auch schon in Bremen oder was ist dort ihr Ziel?

Ja, auch schon in Bremen.

Das ist ambitioniert, in Baden-Württemberg haben sie zuletzt nur 2,1 Prozent geholt. Worauf gründet Ihr Optimismus?

Wenn man sich keine ambitionierten Ziele setzt, hat man in der Politik ein Problem. Aber in Bremen haben wir einen sehr starken Landesverband. Zudem hilft uns auch das Wahlrecht ab 16 und die Besonderheit, dass die Wahl zwischen Bremerhaven und Bremen getrennt ausgewertet wird. Gerade in Bremerhaven waren wir immer sehr stark!

Und wenn es nicht klappt, wie viel Zeit haben sie sich, bevor auch die Wähler den Glauben verlieren?

Es war sicher für einige Wähler und Mitglieder enttäuschend, dass wir noch keine größeren Wahlerfolge hatten, aber Politik ist ein zähes Geschäft. Da springen auch mal engagierte Leute ab, weil es Ihnen zu lange dauert. Doch wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann eben nächstes oder übernächstes Jahr. 

Zu diesem Artikel
8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.05.2011, 11:21 UhrAnonymer Benutzer: Banker

    ich sehe es ähnlich wie Ego und Private. bei der letzten Wahl in NRW habe ich die Piraten gewählt. im Nachhinein habe ich mich etwas aufgeregt, dass meine Stimme so verschenkt war, weil ich mich sonst ebenfalls für das kleinere Übel FDP entschieden hätte.
    Es gab kaum bemerkenswerten Wahlkampf, das Parteiprogramm war nicht fertig, so dass nicht zu allen Themen Stellung genommen werden konnte und der Name "Piraten" - na ja - so denkt jeder Dummdeutsche maximal an internethacker wenn nicht sogar an eine saufende Partytruppe.
    Nach der Wahl hörte man gar nichts mehr in der Presse, als hätten sich die Piraten aufgelöst. Wirklich schade!!!
    Arbeitet kräftig an Eurem Marketing - meine Stimme habt ihr eh, damit es endlich wieder eine Opposition gibt, nachdem die Grünen jetzt ebenfalls zum Filz gehören.

  • 22.05.2011, 23:52 UhrAnonymer Benutzer: Private

    Piraten! Ändert erst mal euren blödsinnigen Namen. Von der EX-SED könnt ihr lernen wie man sowas macht! Erst als "Linke" hatten sie auch im Westen Erfolg. Und dann macht auch mal ein vernünftiges Parteiprogramm. Nur so kann der Wähler Vertrauen bekommen. So wie ihr jetzt aufgestellt seid, kann ich mir die Piraten nicht mal als baby-Koalitionspartner vorstellen. Schade eigentlich!

  • 22.05.2011, 20:40 UhrAnonymer Benutzer: Ego

    ich denke, die Piratenpartei hat ein gewaltiges Problem: Sie ist nicht etabliert und nicht präsent.

    Mir gefallen deren inhalte sehr gut, sie sind meiner politischen Einstellung am nächsten. Trotzdem habe ich bei der letzten Wahl FDP gewählt. Es war eine taktische Wahl. Mir ging es darum, ein Rot Grünes bündnis zu verhindern (in baWü). Dass es die CDU nichtz alleine schafft war klar. Die FDP musste die 5% schaffen, damit die Konservativen nicht alleine gegen die Sozialisten und Ökos dastehen. Es tut mir leid sagen zu müssen, dass die Piraten natürlich die beste Wahl gewesen wäre, die 5% Hürde jedoch nicht geschafft hätten, das war vorauszusehen, deshalb meine Stimme für die FDP. bei der Wahl zwischen Not und Elend habe ich mich für die Not entschieden.

    Viell. werde ich bei der nächsten Wahl für die Piraten votieren, aber nur, wenn Sie politisch präsent sind und von sich reden machen. Es muss sich schon im Vorfeld! abzeichnen, dass sie 5% schaffen. Sonst wäre meine Stimme verschenkt. Dann wähle ich lieber wieder Not, denn "not" Wahl kommt nicht in Frage.

    Also, tut was, Piraten ! Aber: krallt Euch nicht die Wutausbruchbürger ! Diese sorgen erst dafür, dass es in unserem Land mit Hilfe der Medien eine Minderheitenpolitik gibt, welche von der Masse nicht toleriert wird. Macht Politik für die breite Masse, die schweigt und sich nicht mehr traut, ihre Meinung zu äußern. Sprecht deren belange laut aus so werdet ihr gewinnen. Handelt antizyklisch: wenn jemand gegen S21 ist, seid dafür, wenn jemand pro Europa ist, seid dagegen. (die Günen in baWü haben nur 15%, die SPD weniger) Handelt wieder für die breite bürgerschaft und nicht gegen sie. Schaut nicht nach Minderheiten, sonst werdet ihr die Mehrheit verlieren und das wichtigste bei alldem: bleibt Euren Prinzipien treu (vgl. SPD, die hats nicht getan)!! Es ist aber auch nicht ratsam, immer gegen den Strom zu schwimmen. bedenkt dies.

    Grüßle

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.