Piratenpartei: "Die Deadline für das Projekt Piratenpartei ist 2017"

InterviewPiratenpartei: "Die Deadline für das Projekt Piratenpartei ist 2017"

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Stefan Körner gibt der Piratenpartei noch bis 2017 um sich zu beweisen

von Oliver Voß

Stefan Körner möchte neuer Parteichef der Piraten werden. Im Interview erklärt er, wie er die Partei aus dem Tief holen will.

WirtschaftsWoche: Momentan hat kaum ein bekannter Pirat Lust, als Parteichef zu kandidieren. Warum wollen Sie sich den Job antun?

Körner: Ein Amt im Bundesvorstand ist keines, bei dem man viele Lorbeeren gewinnt und mit freundlichen Kommentaren zu rechnen hat. Als es um die Mandate für die Bundestagswahl  ging, waren dagegen viele Leute da. Es muss aber gemacht werden. Da hilft es nicht zu sagen, ich hab keinen Bock.

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Viele sagen, sie hätten neben einem normalen Job nicht die Zeit. Müsste man die Vorstände bezahlen?

Wir haben zu wenig Geld, um dafür 200 000 Euro oder mehr im Jahr auszugeben. Daher werden noch eine ganze Weile mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern auskommen müssen. Doch wir werden mehr Verwaltungsleute bezahlen, die viel Arbeit im Hintergrund erledigen.

Wie groß sind Ermüdungserscheinungen in der Partei?

Das ist schwer zu quantifizieren aber insgesamt geben viele Leute auf. Das lässt sich in einer so jungen Partei aber kaum vermeiden. Auch bei den Grünen haben sich viele hochmotivierte und engagierte Leute verschlissen und waren nicht mehr dabei, als die Partei ihre Erfolge eingefahren haben. Ich fürchte, dass wir das auch nicht verhindern können.

Zur Person

  • Stefan Körner

    Stefan Körner, 45, kandidiert für den Parteivorsitz der Piratenpartei. Er war von September 2010 bis Oktober 2013 Vorsitzender des Landesverbands Bayern. Körner ist seit 2009 in der Piratenpartei und arbeitet freiberuflich als Softwareentwickler.

Müssten aber nicht manche Strukturen und die Diskussionskultur geändert werden?

Es wäre sehr wünschenswert, dass wir aufhören uns permanent öffentlich anzugiften. Das frisst viel Energie. Allerdings lässt sich das nur bedingt steuern.

Wie wollen Sie sonst als Parteichef die Piratenpartei aus dem Tief holen?

Wir müssen mehr miteinander arbeiten und können die Landesverbände stärker in die Arbeit des Bundesvorstands einbinden. Sie sollten eine Art Vetorecht haben und dafür Entscheidungen mittragen. Auch die vier Landtagsfraktionen würde ich gern mehr in die Parteiarbeit einbinden.

Der Vorstand sollte Vorbildcharakter und sich nicht öffentlich niedermachen. Dann haben wir eine Chance, wieder als wählbar wahrgenommen zu werden. Denn die Themen für die wir streiten sind elementar. Wie die Meldungen zur NSA gezeigt haben, braucht es die Piraten mehr denn je.

Die Snowden-Enthüllungen liefern seit Monaten eine Steilvorlage. Was wollen Sie tun, damit die Piratenpartei in der Debatte stärker wahrgenommen wird?

Ein Grund für das mangelnde Interesse ist es, dass wir zu vielen Themen etwas sagen. Wenn man zu allem etwas sagt, ist es nicht mehr wichtig, was man zu bestimmten Themen sagt.

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