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Piratenparteitag: Auf der gefährlichen Welle des Erfolgs

von Max Haerder

Die Piratenpartei wählt eine neue Spitze. Die entscheidende Frage dabei: wie bleibt man anders als die Konkurrenz - und trotzdem erfolgreich? Ein Besuch auf dem Parteitag in Neumünster.

Bier für die Frauen, Blumen für die Männer - der scheidende Bundesvorstand der Piraten wird verabschiedet. Quelle: dpa
Bier für die Frauen, Blumen für die Männer - der scheidende Bundesvorstand der Piraten wird verabschiedet. Quelle: dpa

Die Piraten haben einen Sinn für Kontraste, das muss man ihnen lassen. Die Holstenhallen in Neumünster sind vom Internethype maximal weit entfernt, extra verlegten Gigabyteleitungen zum Trotz.

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Kein Schild, keine Ordner: Wer es nicht wüsste, würde nicht glauben, dass hier die derzeit meist beachtete Partei zu ihrem Bundesparteitag geladen hat. Die Besucher laufen erst einmal durch eine Vorhalle mit Schlafsäcken und Isomatten bevor sie zum eigentlichen Parteitag vordringen können. Viele der 2500 angereisten Freibeuter schlafen direkt am Ort des Geschehens.

Die raue Welt des Wahlkampfes empfängt die Piraten bereits am Bahnhof: dort hat die Linke üppig plakatiert. "Keine stimme den Nazis" steht dort, daneben die Piratenflagge.

In Schleswig-Holstein wird am 6. Mai gewählt und die übrigen Parteien versuchen, aus den Problemen und Schwächen der Piraten Erfolge zu generieren. Den Kampf haben die Etablierten längst aufgenommen.

Die Newcomer kommen ohne die meisten Insignien der Bedeutung aus, die sonst auf Parteitagen Usus sind: Es gibt keine Werbestände von Unternehmen und Verbänden, keine schicken Gratisbuffets, dafür ein gefühltes Laptop-Teilnehmer-Verhältnis von 1:1. Überall im Saal herrscht das typische Orange vor, auf T-Shirts, Pullis und Fahnen.

Piratenpad

Es ist der kollektive Notizblock der Piratenpartei: Im Piratenpad können gemeinsam Protokolle geschrieben oder Pressemitteilungen entworfen werden. Der Vorteil: In Echtzeit können mehrere Personen ein Dokument online bearbeiten, es wird farblich hervorgehoben, wer was geändert hat – das lässt sich damit unterscheiden.

Technische Grundlage ist die inzwischen zu Google gehörende Software EtherPad, die auch Unternehmen nutzen können.

Noch ist die Partei Größer als ihre Protagonisten und erst recht als ihr Programm. Dennoch danken hier einige der bisherigen prominenten Wortführer ab, die den Piraten bisher Gesicht, Profil und Aufmerksamkeit verschafft haben - allen voran Marina Weisband. "Ich habe alles gegeben, was ich geben konnte", sagt sie heute unter großem Applaus. "Es war nicht perfekt, aber ich bin zufrieden."

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Alles andere als Perfekt war die Außendarstellung, der Umgang mit rechtem Gedankengut in der Partei. Der Parteitag zeigt hier klare Kante: Frauen in "Brains against racism" - Shirts, Flyer mit Demoaufrufen und Poster auf den Toiletten. Der Chef Sebastian Nerz erntet für seine Erklärung gegen Nazis und Antisemitismus breite Unterstützung. Sogar eine Erklärung gegen Holocaust-Relativierer wird vorgelesen.

Ganz normal sind die Piraten dann doch nicht: als Gefion Thümer spricht, fleht sie den Saal an, ihr nicht zu twittern. Sie könne sonst ihre Notizen auf dem iPhone nicht lesen. Und als der scheidende Bundesvorstand verabschiedet wird, gibt es Geschenke auf Piratenart: Bier für die Frauen, Blumen für die Männer.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.06.2012, 10:27 UhrAstrologinPalmer

    Also halten wir einmal fest:
    Der Oberpirat ist ein Beamter im Kriegsministerium - an Weisungen gebunden - und mit Sicherheit nicht die Idealfigur der Piraten.
    Der gemeine Pirat hätte gerne Staatsknete ohne Arbeit und ohne Bedingung, am liebsten fährt er gratis im ÖNV, zusammen mit unqualifizierten Zuwanderern raucht er unbehelligt sein Hasch-Pfeifchen.
    Also liegt er den ganzen Tag kiffend im Bett, beschäftigt sich mit Social-Media-Quatsch, Liquid-Allerlei und betrachtet grinsend die malochenden Vollidioten, die morgens um 6 Uhr aufstehen, um die Staatsknete zu erwirtschaften, die er für sein ausgefülltes Leben braucht.
    Habe ich etwas übersehen?
    Aber das alleine reicht schon aus, um bei den Wählern dieser Partei zu vermuten, sie hätten vielleicht nicht alle Tassen im Schrank.

  • 28.04.2012, 17:54 UhrKamika

    Ich bin sehr glücklich damit, dass wir nicht normal sind! Piratische Grüße von der Basis

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