PISA-Studie: Deutsche Schüler sind zufrieden, aber keine Streber

PISA-Studie: Deutsche Schüler sind zufrieden, aber keine Streber

, aktualisiert 19. April 2017, 12:32 Uhr
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Deutsche Schüler sind weniger ehrgeizig als die aus anderen Industriestaaten.

von Milena MertenQuelle:Handelsblatt Online

Die meisten 15-Jährigen fühlen sich an ihren Schulen wohl, zeigt die neuste Auswertung der OSZE. Was den deutschen Schülern fehlt, ist Ehrgeiz: Nur wenige streben einen Hochschulabschluss an.

BerlinDeutsche Schüler sind weniger ehrgeizig als Schüler in anderen Ländern: Die Mehrheit strebt nicht danach, zu den Besten ihrer Klasse zu gehören. Das zeigt eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Grundlage von Ergebnissen der Schulstudie „PISA 2015“.

Die Studie untersucht das Lernverhalten und Lernumfeld von 15-Jährigen. Statt um Kompetenzen in Naturwissenschaft, Mathematik und Leseverständnis geht es diesmal darum, ob sich die Jugendlichen in ihrer Schule wohlfühlen. Die Bildungsforscher fragten die Schüler nach ihren Beziehungen zu Mitschülern, Lehrern und Eltern. Außerdem wollten sie wissen, wie die Jugendlichen ihre Freizeit gestalten und was sie sich für ihre Zukunft wünschen.

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Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick erfreulich: Die meisten der rund 10.000 befragten deutschen Schüler fühlen sich an ihren Schulen wohl. Drei Viertel der befragten 15-Jährigen geben an, dass sie sich ihrer Schule zugehörig fühlen. Fast genauso viele sind mit ihrem Leben insgesamt zufrieden: Auf einer Zufriedenheitsskala von 0 bis 10 erreichen sie im Schnitt 7,4 Punkte und liegen damit zwei Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt.

Allerdings gibt es auch einige beunruhigende Befunde: Vor allem Schüler aus benachteiligten Schichten fühlen sich der Schulgemeinschaft weniger zugehörig. 16 Prozent aller Schüler sagen, sie würden mehrmals im Monat von ihren Mitschülern gemobbt. Schüler, die sich als Außenseiter fühlen, sind insgesamt unzufriedener mit ihrem Leben. Allerdings ist Mobbing in den anderen OECD-Ländern ein häufigeres Problem als in Deutschland.

Von Schulaufgaben und Klausuren lassen sich die deutschen Schüler nicht stressen: Nur etwa jeder fünfte Schüler ist beim Lernen nervös und nur 42 Prozent haben Angst vor Klausuren. Damit sind die deutschen Schüler deutlich entspannter als Schüler in anderen OECD-Ländern. Ein Grund könnte in der vergleichsweise geringen Leistungsorientierung der deutschen 15-Jährigen liegen. Nur 43 Prozent der befragten Jugendlichen wollen zu den Besten ihrer Klasse zählen - in anderen OECD-Ländern liegt der Anteil bei durchschnittlich 59 Prozent. Immerhin 65 Prozent der deutschen 15-Jährigen bezeichnen sich selbst als ehrgeizig, unter den Schülern aus benachteiligten Schichten sind es sogar nur 60 Prozent.

Nicht einmal jeder fünfte Schüler in Deutschland glaubt, dass er in Zukunft einen Hochschulabschluss machen wird - zum Vergleich: im OECD-Durschnitt erwarten 44 Prozent der Schüler einen Universitätsabschluss zu machen. Auch hier zeigt sich in Deutschland wieder der Unterschied zwischen Jugendlichen aus sozial starken und schwachen Familien: 15-Jährige mit höherem soziökonomischem Status glauben stärker daran, dass sie ein Studium erfolgreich abschließen werden. Dieses Ergebnis überrascht: Immerhin schließen nach Angaben des Statistischen Bundesamts ein Drittel aller Schulabgänger die Schule mit dem Abitur ab und sind damit grundsätzlich für ein Hochschulstudium geeignet. Die Zahl der Studienanfänger steigt seit Jahren – viele der jetzigen 15-Jährigen trauen sich aber offenbar eine akademische Laufbahn nicht zu.

Die Ergebnisse stützen die bisherigen PISA-Studien, die in Deutschland einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen festgestellt haben. PISA steht für "Programme for International Student Assessment" und wird alle drei Jahre von der OECD organisiert. An der PISA-Studie 2015 nahmen gut eine halbe Million 15-Jährige aus 72 Ländern und Regionen teil. Sie mussten innerhalb von zwei Stunden Multiple-Choice-Aufgaben und offene Fragen beantworten. Außerdem sollten sie einen Hintergrund-Bogen mit Fragen über sie selbst, ihr Zuhause und ihre Schul- und Lernerfahrungen ausfüllen.

Bei der Test-Premiere vor 16 Jahren hatte Deutschland unerwartet schlecht abgeschnitten. Der sogenannte "PISA-Schock" führte bundesweit zu Debatten und Schulreformen. Im Dezember 2016 stellte die OECD die Ergebnisse der aktuellsten PISA-Studie vor: Die geprüften Schüler erzielten schlechtere Ergebnisse in Naturwissenschaften und Mathematik als drei und sechs Jahre zuvor, blieben aber mit ihren Leistungen durchweg im oberen Drittel der Ranglisten. Bei der Lesekompetenz ging es minimal aufwärts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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