Pkw-Maut-Kompromiss: "Die Diskriminierung von Ausländern bleibt"

Pkw-Maut-Kompromiss: "Die Diskriminierung von Ausländern bleibt"

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Die EU-Kommission will ihre Klage gegen die Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fallen lassen.

von Silke Wettach

Die EU-Kommission will ihre Klage gegen die Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fallen lassen. Doch auch gegen die neue Version der deutschen Pkw-Maut könnte es zu Klagen kommen.

Noch im September hatte die EU-Kommission angekündigt, die Bundesrepublik wegen der Pkw-Maut vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen zu wollen. Nun hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Verhandlungen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf Änderungen verständigt, weshalb die EU-Kommission auf den Gang vor das oberste EU-Gericht verzichten will. Doch das Risiko einer Klage besteht weiterhin. “Wenn Österreicher benachteiligt werden, behalten wir uns weitere Schritte vor”, sagt der österreichische Verkehrsminister Jörg Leichtfried. Er lässt aktuell prüfen, ob das neue Modell der deutschen Maut diskriminierend und europarechtswidrig ist.

PKW-Maut Dobrindt will Einigung noch im November

Brüssel und Berlin haben sich im Streit um die Pkw-Maut auf deutschen Straßen angenähert. Kritik daran gibt es vom ADAC und den Grünen. Verkehrsminister Dobrindt will eine Einigung noch in diesem Monat.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will eine Einigung zur Pkw-Maut noch im November erreichen. Quelle: dpa

Es gibt durchaus Hinweise darauf, dass die Pkw-Maut auch in ihrer überarbeiteten Fassung problematisch ist. “Die Diskriminerung von Ausländern bleibt”, urteilt der grüne Europa-Abgeordnete Michael Cramer. Die Pläne sehen vor, dass Deutschen die Mautgebühr vollständig mit der Kfz-Steuer verrechnet wird. “Fahrer aus anderen EU-Staaten werden weiter benachteiligt, weil sie von keiner Steuererleichterung profitieren”, so Cramer.

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Verkehrsminister Dobrindt will in der neuen Version Kurzzeit-Vignetten für ausländische Autofahrer einführen. Damit will er dafür sorgen, dass bei diesen Kurzzeitvignetten der Preis pro Tag maximal sieben Mal so teuer wäre wie der Tagespreis einer Jahresvignette, die insgesamt 130 Euro kosten soll. Den Faktor sieben hält die EU-Kommission für gerade noch akzeptabel. Bei der Maut in Kroatien hat sie ihn gebilligt.

Pkw-Maut in ausgewählten europäischen Ländern

  • Schweiz

    Autofahrer brauchen für die Benutzung der sogenannten Nationalstraßen, zu denen auch die Autobahnen gehören, eine Vignette. Sie gilt ein Jahr und kostet 40 Schweizer Franken

  • Österreich

    Für Autobahnen und Schnellstraßen ist eine Vignette nötig. Sie kostet für 10 Tage 8,80 Euro, für ein Jahr 85,70 Euro.

  • Slowenien

    Kroatienurlauber fahren meist durch Slowenien. Für Autobahnen und Schnellstraßen brauchen sie eine Vignette, die 15 Euro pro Woche kostet

  • Polen

    Die Autobahnen A1, A2 und A4 sind streckenweise gebührenpflichtig.

  • Kroatien

    Auf fast allen Autobahnabschnitten wird eine streckenabhängige Maut fällig.

  • Frankreich

    Urlauber müssen auf fast allen Autobahnen zahlen. Die Gebühr hängt auch von der gefahrenen Distanz ab.

  • Italien und Spanien

    Bei der Auffahrt auf die Autobahn bekommen Fahrer in der Regel ein Ticket, das sie beim Verlassen je nach Distanz bezahlen.

  • Portugal

    Die meisten Autobahnen kosten. Die Bezahlung erfolgt je nach Strecke an Mautstationen oder elektronisch.

Interne Schätzungen der EU-Kommission haben offenbar ergeben, dass Deutschland mit der Maut in der neuen Form mit keinen Mehreinnahmen rechnen kann. “Da müssten schon sehr viele Ausländer nach Deutschland kommen, damit ein Plus rauskommt”, heißt es in Brüssel. Im neuen Modell werden deutsche Fahrer von umweltschonenden Autos nämlich im Steuersystem überentschädigt für die Maut, so dass der Fiskus weniger einnehmen wird als bisher. “Unterm Strich werden damit die Investitionen gesenkt”, befürchtet der grüne Europa-Abgeordnete Cramer.

Dobrindt soll Juncker auch mit einer Zusage besänftigt haben, dass er ein europäisches Mautsystem unterstützen werde, das die gefahrene Distanz berücksichtigt. Solche Zusagen sind allerdings leicht zu machen. Die EU-Kommission hat dazu noch keinen konkreten Vorschlag gemacht, und es ist nicht absehbar, ob es unter den EU-Staaten dafür überhaupt eine Mehrheit geben würde, wenn sie in Brüssel darüber abstimmen müssten.

Der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug interpretiert den Kurswechsel der EU-Kommission, die sich bisher sehr hart gegenüber Deutschland gezeigt hat, als “Kniefall von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor Dobrindt.” Der österreichische Verkehrsminister Leichtfried vermutet ein Tauschgeschäft zwischen Brüssel und Berlin: “Es liegt der Eindruck nahe, dass sich die EU-Kommission auf einen Kuhhandel einlässt, um einem Konflikt mit Deutschland aus dem Weg zu gehen.”

Gesetzentwurf Lkw-Maut kommt für alle Bundesstraßen

Um ein paar Euro zu sparen, umfahren viele Laster Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen. Damit soll ab 2018 Schluss sein, denn die Lkw-Maut wird ausgeweitet. Etliche Städte dürften aufatmen.

LKW-Maut: Ausweitung auf alle Bundesstraßen Quelle: dpa

Kleinen Ländern wie Österreich, die Niederlanden oder Belgien wäre es lieber gewesen, wenn die EU-Kommission gegen die deutschen Pläne geklagt hätten. Schließlich ist es die offizielle Funktion der EU-Kommission, für die Einhaltung von EU-Recht zu sorgen. Da in der Vergangenheit wiederholt der Eindruck aufgekommen ist, die EU-Kommission gehe mit kleinen Ländern strenger um als mit großen, wäre die Pkw-Maut nun aber ein konkreter Fall, an dem ein kleines Land es darauf ankommen lassen könnte und vor den Europäischen Gerichtshof ziehen könnte.

Der grüne EU-Abgeordnete Cramer sieht eine unbürokratische Alternative zur deutschen Pkw-Maut und fordert eine Abschaffung des Steuerprivilegs für Diesel, das sich auf 18 cent pro Liter beläuft. Dies wäre schnell zu realisieren – ist bisher aber an der Lobby der Automobilindustrie gescheitert.

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