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KommentarPlagiatsaffäre: Der richtige Rücktritt der Annette Schavan

von Max Haerder

Die engste Vertraute der Kanzlerin im Kabinett ist zurückgetreten. Es ist eine respektable, eine würdevolle Entscheidung. Und sie war unvermeidbar.

Rücktritt von Annette Schavan: Der Auftritt der Bundeskanzlerin und ihrer ehemaligen Bildungsministerin im Kanzleramt war vielleicht einer der ergreifendsten Momente in Merkels Kanzlerschaft. Quelle: dpa
Rücktritt von Annette Schavan: Der Auftritt der Bundeskanzlerin und ihrer ehemaligen Bildungsministerin im Kanzleramt war vielleicht einer der ergreifendsten Momente in Merkels Kanzlerschaft. Quelle: dpa

Schweren Herzens. Angela Merkel greift gleich zweimal zu dieser Formulierung. Schweren Herzens nur habe sie das Rücktrittsangebot von Annette Schavan angenommen. Die Kanzlerin braucht nur wenige Minuten, um der Hauptstadtpresse den Abgang ihrer Bildungsministerin mitzuteilen, aber es ist ihr anzusehen, dass diese Worte nicht die üblichen, bis zur Unkenntlichkeit abgenutzten  Floskeln des politischen Betriebes sind. Annette Schavan steht anderthalb Meter neben ihr und versucht einen tapferen Blick. Sie müssen da jetzt durch, gemeinsam.

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Dieser Auftritt im Kanzleramt dürfte einer der emotionalsten und schwierigsten, vielleicht sogar einer der ergreifendsten Momente in Merkels Kanzlerschaft sein. So respektvoll und warmherzig, aufrichtig und richtig im Ton spricht sie selten. Hier geht ihre wichtigste Vertraute im Kabinett. Gerade die Ministerin, die von allen einem Skandal am weitesten entfernt schien.

Bereits wenige Wochen nach dem Regierungswechsel 2009 erklärt Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung am 27. November 2009 seinen Rücktritt. Zum Verhängnis wird ihm die Kundus-Affäre, die in seine Zeit als Verteidigungsminister der großen Koalition zurückreicht. Nachfolgerin Jungs wird Ursula von der Leyen, die bis dahin Familienministerin war. In dieses Amt folgt ihr CDU-Kollegin Kristina Schröder, die damals noch Kristina Köhler hieß.

(Quelle: dpa)

Bild: REUTERS

Der Abgang war dennoch unvermeidbar. Für die Wissenschaftsministerin muss die Wissenschaft der einzig gültige Maßstab sein. Und diese hat Schavan – in Gestalt des Fakultätsrates der Universität Düsseldorf –  mit klarer Mehrheit den Titel entzogen. Dass sie nun rechtlich gegen den Entzug vorgeht und ihren Titel vorerst weiter tragen darf, ist ihr gutes Recht und es ist persönlich verständlich. Aber ohne den Rückzug hätte sie als Ministerin eine Klage gegen eben jenes System angestrengt, das sie im Amt zu fördern, zu verteidigen und zu vertreten hat. Es wäre eine unmögliche Lage gewesen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2013, 17:21 Uhrwalter

    Es bleiben sowohl der SPD wie auch der CDU keine andere Wahl, als Schavan zu loben.

    Die SPD lobt Schavan, weil diese nahezu sozialdemokratische Bildungspolitik gemacht hat. Die CDU lobt Schavan, weil diese den Skandal um das fehlende Examen und die unter Mogelverdacht stehende Dissertation vor der Wahl möglichst klein halten will.

    Man kann sich aber berechtigter Weise die Frage stellen, warum Schavan quasi eine sozialdemokratische Politik gemacht hat.

    Es liegt hier leider die Vermutung nahe, das Schavan wegen ihrer eigenen Angreifbarkeit nur einen Schmussekurs mit der SPD einschlagen konnte, auf keinen fall einen werte-konservativen Kurs.

    Wer kann dem CDU Wähler garantieren, dass Schavan von SPD- Seite nicht bereits vor Jahren mit warnendem Unterton auf die Problematik zumindest eines fehlenden Examens hingewiesen worden ist und sich angesichts dieser "Warnung" auf einen SPD freundlichen Kurs begeben musste?

    Der von dieser Dame eingeschlagene Kurs kann durch deren "Erpressbarkeit" vorbestimmt worden sein.

  • 10.02.2013, 05:48 UhrJoselyn

    Diese Heuchelei ist kaum mit anzuhören. Schließlich hat sie vorsätzlich getäuscht und es war von einem gut gemachten Betrug die Rede.

    Als Bildungsministerin war sie seit Bekanntwerden unhaltbar. Schließlich hat man in dieser Position eine Vorbildfunktion und vertritt die Regierung.

    Frau Merkel scheint bei der Auswahl ihrer Minister und Bundespräsidenten kein gutes Händchen zu haben.

  • 09.02.2013, 17:05 UhrCarla

    Ein unvermeidlicher und richtiger Rücktritt - doch er kam nicht etwa sofort und rechtzeitig . Die Stimmungen im Land hat wohl zu dieser unausweichlichen Entscheidung geführt?
    Ehrlichkeit tut gut - Heuchelei ist nie angebracht.
    Es ist ein Trauerspiel und eine weitere Blamage für Deutschland wie diese Regierung durch Streit , Chaos oder nur durch Skandale die Schlagzeilen stellt.
    So geht Vertrauen beim Bürger verloren.

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