Bild: dapdAnnette Schavan (CDU)
Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" beschäftigte die Prüfungskommission der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach dem Vorwurf eines anonymen Plagiatejägers im Frühjahr 2012 hatte sich die Kommission des Falls angenommen. Anfang Februar 2013 hat nun die Hochschule der Bundesbildungsministerin den Doktortitel aberkannt. Am 9. Februar ist Annette Schavan als Bundesbildungsministerin zurückgetreten.
Bild: dapdKarl-Theodor zu Guttenberg (CSU)
Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Nach heftigen Protesten der Opposition und in der Bevölkerung trat Guttenberg von allen seinen Ämtern zurück. Die Universität Bayreuth erklärte in ihrem Abschlussbericht, der CSU-Politiker habe vorsätzlich getäuscht.
Bild: dpaSilvana Koch-Mehrin (FDP)
Wegen rund 120 Plagiaten in der Doktorarbeit der Europapolitikerin entzog die Universität Heidelberg ihr den Titel Mitte Juni 2011. Koch-Mehrin war nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und als dessen Vizepräsidentin zurückgetreten. Koch-Mehrin klagt den Titel derzeit vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe ein, nachdem ein Widerspruch gegen die Aberkennung bei der Universität erfolglos geblieben war.
Bild: dapdJorgo Chatzimarkakis (FDP)
Der Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Uni Bonn aus fremder Feder stammte. Zuvor waren im Internet Plagiatsvorwürfe laut geworden. Der FDP-Politiker kündigte an, er werde eine neue Arbeit vorlegen.

Margarita Mathiopoulos (FDP)
Die FDP-Beraterin verlor im April 2012 ihren Doktortitel, weil sie bei ihrer Dissertation abgeschrieben haben soll. Der Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn beschloss den Entzug. Mathiopoulos' Anwälte kündigten eine Klage an. Sollte der Entzug rechtskräftig werden, will ihr die Universität Potsdam eine Honorarprofessur entziehen.
Bild: dpaDieter Jasper (CDU)
Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete wurde Anfang Mai 2011 zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt, weil er einen Doktortitel zu Unrecht geführt hatte. Jasper hatte den Doktor der Wirtschaftswissenschaften 2004 an einer Universität in der Schweiz erworben, die gegen Geld akademische Grade vergeben soll.
Bild: ScreenshotKai Schürholt (CDU)
Der Oberbürgermeisterkandidat der Landauer CDU hatte sich 2007 im Wahlkampf mit einem Doktortitel geschmückt, obwohl er seine Promotion noch längst nicht abgeschlossen hatte. Das Amtsgericht Landau verurteilte den studierten Theologen im Juni 2009 wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 7500 Euro.
Annette Schavan (CDU)
Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" beschäftigte die Prüfungskommission der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach dem Vorwurf eines anonymen Plagiatejägers im Frühjahr 2012 hatte sich die Kommission des Falls angenommen. Anfang Februar 2013 hat nun die Hochschule der Bundesbildungsministerin den Doktortitel aberkannt. Am 9. Februar ist Annette Schavan als Bundesbildungsministerin zurückgetreten.
Es sind keine einfachen Tage für Bildungsministerin Annette Schavan. In der Debatte um die Aberkennung des Doktortitels des damaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die CDU-Politikerin gesagt, dass sie sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich schäme" für das, was passiert sei. Diese Worte können viele nicht vergessen, wenn es dieser Tage über ihre eigene Doktorarbeit diskutiert wird. Hat sie Textpassagen ihrer Doktorarbeit ohne korrekten Beleg von fremden Autoren übernommen?
Am Mittwoch soll das Gutachten der Universität Düsseldorf vorgestellt werden, das dies belegt.
Wie bereits im Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg ist nun wieder eine Diskussion darüber entbrannt, ob eine Frau, die in ihrer Doktorarbeit offenbar unsauber mit Quellenangaben umgegangen zu sein scheint, weiterhin Ministerin - und für viele noch prekärer - Bundesbildungsministerin bleiben kann.
Rückendeckung gibt es von offizieller Seite. Am Montag erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin, dass sie "vollstes Vertrauen" in die Ministerin habe. Man solle zunächst die Stellungnahme Schavans abwarten. Der Entscheidung des Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf wolle sie nicht vorgreifen. Vor der unabhängigen Arbeit habe sie den notwendigen Respekt, sagte Merkel.
Ihr Doktorvater Erziehungswissenschaftler Gerhard Wehle versteht die Aufregung nicht. Die Arbeit, die vor 33 Jahren entstanden ist, entspreche "absolut dem wissenschaftlichen Standards", sagte Wehle der "Rheinischen Post": Dass Schavan vorsätzlich getäuscht hat, kann sich der 88-Jährige nicht vorstellen. "Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?", fragte er. Im Übrigen dürfte eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben bewertet werden. Die damalige Arbeit mit Zettelkästen sei deutlich fehleranfälliger gewesen als die heutige Arbeit am Computer.
Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten
PlagAware
Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.
Turnitin
Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.
Ephorus
Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.
Verwunderung über Uni Düsseldorf
Offenbar scheint auch beim Prüfungsverfahren nicht alles glatt gelaufen zu sein. Große Verwunderung herrscht zum einen darüber, dass die Arbeit offenbar nur von einem Hochschullehrer geprüft worden sei. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Es gab schwere Fehler in dem Verfahren - die Universität sollte nun eine zweite Person bitten, die Vorwürfe sachlich zu prüfen."
Außerdem kritisiert der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald, dass die zuständigen Gremien der Universität durch die Vorab-Veröffentlichung durch den Spiegel nicht mehr frei entscheiden könnten. "Sie stehen nun unter öffentlichem Druck", sagte er. In der Dissertation gebe es zwar handwerkliche Fehler. Diese seien aber nicht derart gravierend, dass man von einem Plagiat sprechen könne. "Weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt", urteilte Frühwald. Die Heinrich-Heine-Universität hat am Dienstag Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, da das Gutachten den Medien zugespielt wurde, obwohl das Institut noch keine Entscheidung getroffen hatte.
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