Plagiatsaffäre: "Treten Sie zurück, Frau Schavan"

Plagiatsaffäre: "Treten Sie zurück, Frau Schavan"

Die Kritik an Bildungsministerin Schavan wegen ihrer Doktorarbeit wird lauter. Während Wissenschaftler sie verteidigen und der Universität das Verfolgen "politischer Interessen" vorwerfen, fordern viele ihren Rücktritt.

Es sind keine einfachen Tage für Bildungsministerin Annette Schavan. In der Debatte um die Aberkennung des Doktortitels des damaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die CDU-Politikerin gesagt, dass sie sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich schäme" für das, was passiert sei. Diese Worte können viele nicht vergessen, wenn es dieser Tage über ihre eigene Doktorarbeit diskutiert wird. Hat sie Textpassagen ihrer Doktorarbeit ohne korrekten Beleg von fremden Autoren übernommen?

Am Mittwoch soll das Gutachten der Universität Düsseldorf vorgestellt werden, das dies belegt.

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Wie bereits im Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg ist nun wieder eine Diskussion darüber entbrannt, ob eine Frau, die in ihrer Doktorarbeit offenbar unsauber mit Quellenangaben umgegangen zu sein scheint, weiterhin Ministerin - und für viele noch prekärer - Bundesbildungsministerin bleiben kann.

Rückendeckung gibt es von offizieller Seite. Am Montag erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin, dass sie "vollstes Vertrauen" in die Ministerin habe. Man solle zunächst die Stellungnahme Schavans abwarten. Der Entscheidung des Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf wolle sie nicht vorgreifen. Vor der unabhängigen Arbeit habe sie den notwendigen Respekt, sagte Merkel.

Plagiatsaffäre Ohne Doktor hätte Schavan nur noch Abitur

Sollte die Universität Düsseldorf beschließen, der Bildungsministerin Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen, muss sie auf jeden Fall zurücktreten. Ohne Titel stünde sie völlig ohne Universitätsabschluss da.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) Quelle: dapd

Ihr Doktorvater Erziehungswissenschaftler Gerhard Wehle versteht die Aufregung nicht. Die Arbeit, die vor 33 Jahren entstanden ist, entspreche "absolut dem wissenschaftlichen Standards", sagte Wehle der "Rheinischen Post": Dass Schavan vorsätzlich getäuscht hat, kann sich der 88-Jährige nicht vorstellen. "Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?", fragte er. Im Übrigen dürfte eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben bewertet werden. Die damalige Arbeit mit Zettelkästen sei deutlich fehleranfälliger gewesen als die heutige Arbeit am Computer.

Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten

  • PlagAware

    Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.

  • Turnitin

    Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.

  • Ephorus

    Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.

Verwunderung über Uni Düsseldorf
Offenbar scheint auch beim Prüfungsverfahren nicht alles glatt gelaufen zu sein. Große Verwunderung herrscht zum einen darüber, dass die Arbeit offenbar nur von einem Hochschullehrer geprüft worden sei. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Es gab schwere Fehler in dem Verfahren - die Universität sollte nun eine zweite Person bitten, die Vorwürfe sachlich zu prüfen."

Außerdem kritisiert der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald, dass die zuständigen Gremien der Universität durch die Vorab-Veröffentlichung durch den Spiegel nicht mehr frei entscheiden könnten. "Sie stehen nun unter öffentlichem Druck", sagte er. In der Dissertation gebe es zwar handwerkliche Fehler. Diese seien aber nicht derart gravierend, dass man von einem Plagiat sprechen könne. "Weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt", urteilte Frühwald. Die Heinrich-Heine-Universität hat am Dienstag Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, da das Gutachten den Medien zugespielt wurde, obwohl das Institut noch keine Entscheidung getroffen hatte.

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