Plagiatsaffäre: Von der Leyens Krisenverhalten „relativ gut“

ThemaStudium

Plagiatsaffäre: Von der Leyens Krisenverhalten „relativ gut“

Die Verteidigungsministerin steht unter Verdacht wegen einer 25 Jahre alten Doktorarbeit. Bisher geht sie mit der Plagiatskrise besser um als zuvor gestrauchelte Kollegen.

In der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat deren Krisenmanagement nach Expertenansicht bisher funktioniert - mit kleinen Einschränkungen. „Eigentlich ist ihr Vorgehen relativ gut im Vergleich zu dem ihrer Vorgänger, also Guttenberg und Schavan“, sagte der Berliner Medienwissenschaftler Professor Joachim Trebbe der Deutschen Presse-Agentur. „Sie hat von vornherein, als diese Vorwürfe aufkamen auf der Webseite VroniPlag, ihre Arbeit nochmal zur Prüfung vorgelegt. Und sie hat das relativ offen kommuniziert.“

Jedoch sei auch diese Ministerin „nicht ganz frei von dem Verfolgungswahn, der die Betroffenen irgendwann trifft“, sagte Trebbe, der am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität (FU) arbeitet. „Sie glauben, dass sie nicht wie alle anderen Promovenden geprüft werden, sondern dass sie strengeren Maßstäben ausgesetzt sind, weil sie öffentliche oder politische Personen sind. Und dass gewisse Kreise ein Interesse haben könnten, sie durch diese Affäre aus dem Amt zu drängen.“

Anzeige

Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten

  • PlagAware

    Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.

  • Turnitin

    Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.

  • Ephorus

    Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.

Die Plagiatsjäger werfen von der Leyen schwere Regelverstöße in ihrer 1990 erschienenen medizinischen Doktorarbeit vor. Bisher seien auf 27 von 62 Textseiten Plagiatfundstellen dokumentiert. Die Medizinische Hochschule Hannover überprüft auf Wunsch der Ministerin derzeit die Arbeit. Von der Leyen wehrte sich und sagte: „Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen.“ Ihr Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste 2011 sein Ministeramt niederlegen, als ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte. 2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach dem Entzug ihres Titels durch die Universität Düsseldorf zurück.

So zitieren Sie richtig!

  • Direktes Zitat

    Ein direktes Zitat ist wortwörtlich. Es muss in Anführungszeichen gesetzt werden. Man sollte direkte Zitate nicht zu häufig verwenden, sondern nur, wenn sie griffig und gut formuliert sind. Danach zum eigenen, akademischen Schreibstil zurückkehren.

    (Quelle: Esther Breuer, Leiterin des Kompetenzzentrums Schreiben an der Kölner Universität im www.ksta.de)

  • Indirektes Zitat

    Bei einem indirekten Zitat gibt man die Gedanken eines Anderen wieder. Unbedingt die Quelle nennen. Man sollte versuchen, eigene Formulierungen zu verwenden.

  • Gegenstimmen

    Es sollten immer auch Gegenstimmen mit einbezogen werden.

  • Kritischer Blick

    Mit den wissenschaftlichen Texten sollte man kritisch umgehen: Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit den Positionen Anderer kann sich die Wissenschaft weiterentwickeln.

  • Eigene Gedanken abgrenzen

    Es ist wichtig, die eigenen Gedanken von denen der anderen klar abzugrenzen, damit sich Eigen- und Fremdleistung für den Leser nachvollziehen lassen.

Im Gegensatz zu ihren einstigen Ministerkollegen habe von der Leyen bisher nicht behauptet, an den Vorwürfen sei nichts dran, sagte Trebbe. „Da es schon mindestens zwei Fälle gegeben hat im konservativen Lager, wo es schlecht ausging, wo Minister ihre Titel zurückgeben und zurücktreten mussten, ist das wenigstens mal eine andere Strategie.“ Wenn ein Beschuldigter hingegen zunächst jedes Fehlverhalten abstreite, komme hinterher auch noch der Lügen-Vorwurf hinzu. Trebbe vermutet, dass von der Leyen demnächst zu ihrer Entlastung auf den empirischen Teil ihrer Doktorarbeit verweisen wird. „Sie hat ja bestimmte Daten gemessen und diese Daten auch analysiert.“

Weitere Artikel


Ob die Ministerin schon durch den Verdacht beschädigt ist, lässt sich nach Trebbes Worten noch nicht sagen. Die Frage könne am Ende lauten: „Wann verliert man seine Glaubwürdigkeit?“ Denn eine Verteidigungsministerin sei auch Chefin der Bundeswehr-Universitäten. Trebbe: „Das heißt, sie muss Professoren treffen und die Verwaltung organisieren. Da verliert Frau von der Leyen auch ein Stück Glaubwürdigkeit, wenn sie ihren Doktortitel verliert.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%