Plagiatsvorwürfe : Lammert ist das Opfer eines Denunzianten

Plagiatsvorwürfe : Lammert ist das Opfer eines Denunzianten

Bild vergrößern

Die Doktorarbeit des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU). Aufgrund der Plagiatsvorwürfe gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Ruhr-Universität Bochum bereits ein Prüfungsverfahren in Gang gesetzt.

von Ferdinand Knauß

Die Plagiatsvorwürfe gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert sind bestenfalls kleinlich und schaden dem Wissenschaftssystem. Es ist an der Zeit, Regeln einzuführen, die solches Denunziantentum verhindern.

Selbst die eifrigsten Moralisten schreien nicht mehr auf, sondern registrieren die Nachricht eher routiniert: Plagiatsvorwurf gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert. Schon wieder ist ein neues Wild ins Fadenkreuz der Plagiatejagd geraten. Ein kapitaler Bock sogar, immerhin der zweite Mann im Staat.

Lammerts Jäger ist ein bekannter Unbekannter. Dieser Mensch, der sich nichtssagend „Robert Schmidt“ nennt, hat mit seinen Vorwürfen gegen die frühere Bildungsministerin Annette Schavan ein Verfahren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Gang gebracht, das diese letztlich zum Rücktritt zwang. Und womöglich ist es kein Zufall, dass er nun ausgerechnet Lammert als Opfer seiner Mühen auserkoren hat.

Anzeige

Lammert ist ein geistreicher Mann des geschliffenen Wortes, der sich auch dank seines politischen Amtes gerne über das banale Gezänk der Alltagspolitik stellt. Lammert gilt wie Schavan als einer der ganz wenigen denkfreudigen und gebildeten Spitzenpolitiker. Ein Mann, dem man es abnimmt, dass er nicht nur promovierte, um seine Wahlplakate mit dem Seriosität verheißenden „Dr.“ zu schmücken. Ein Mann, der wie Schavan zusätzlich zum Dr. auch einen Prof. – wenn auch nur ehrenhalber - im Namen führt.  

Bundestagspräsident unter Verdacht Plagiatsvorwürfe gegen Lammert

Verteidigungsminister Guttenberg und Bildungsministerin Schavan mussten wegen Plagiaten in ihren Doktorarbeiten bereits ihre Posten räumen. Nun gerät auf Bundestagspräsident Lammert unter Verdacht. Doch der wehrt sich.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) lässt seine Doktorarbeit auf Plagiate prüfen. Quelle: dapd

Jeder, der nur ein paar Semester an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät studiert hat, wird nach der Durchsicht der beanstandeten Stellen auf der Website lammertplag feststellen, dass die Behauptung des Plagiats bestenfalls kleinlich und unterm Strich haltlos ist. Ähnlich wie schon im Falle Schavan listet „Schmidt“ in Lammerts Dissertation von 1975 - Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung – Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet - Stellen auf, die seiner Ansicht nach verschleierte Übernahmen aus von Lammert nicht genannten zeitgenössischen Werken sind. Ein Beispiel: Lammert schreibt auf Seite 21 über den kausalen Zusammenhang des Wachstums von Organisationen und deren Bürokratisierung und bezieht sich dabei in einer Fußnote auf ein Buch von Bernhard P. Indik. Nun hat aber auch der Politologe Hans-Otto Mühleisen in einem 1973 erschienenen Buch diesen Zusammenhang unter Hinweis auf Indik erwähnt – mit völlig anderen Worten als Lammert. Ist das eine „Verschleierung“?  Selbst wenn Lammert tatsächlich durch die Lektüre von Mühleisen auf die Erkenntnisse von Indik aufmerksam geworden sein sollte, was ist daran auszusetzen? Formal richtig wäre, wenn er Indiks Buch tatsächlich nicht in der Hand gehabt haben sollte, die Fußnote: „Zitiert nach Mühleisen.“ Soll man dies Versäumnis wirklich ein Plagiat nennen?

Mühleisen selbst hat sich sofort nach Veröffentlichung der Vorwürfe zu Wort gemeldet: "Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt."  

„Robert Schmidt“ verkennt den Sinn und Zweck geisteswissenschaftlicher Forschung, wenn er den Eindruck erweckt, es käme darauf an, exakt nachzuzeichnen, auf welchen literarischen Umwegen man seine Quellen erschlossen hat. Akribie, mit der er selbst vermutlich reichlich gesegnet ist, ist nicht die zentrale Kategorie für die Güte von Geisteswissenschaft.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%