Politik entsetzt: Bekennerschreiben nach Briefbombe gegen Ackermann

Politik entsetzt: Bekennerschreiben nach Briefbombe gegen Ackermann

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 19:27 Uhr
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Ackermann im Fokus - einer Kamera.

Quelle:Handelsblatt Online

Josef Ackermann ist eine Reizfigur unter den Bankern wie kaum ein anderer. Doch der Versuch, einen Anschlag auf den Top-Banker zu verüben, hat die Politik wachgerüttelt. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben.

Düsseldorf/FrankfurtItalienische Anarchisten haben sich zu einem versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekannt. Ein Bekennerschreiben war von der linksextremistischen Gruppe Informelle Anarchistische Föderation (FAI) unterzeichnet, wie die Ermittlungsbehörden in Frankfurt am Donnerstag mitteilten. In dem am Mittwoch abgefangenen Umschlag befand sich demnach eine „funktionsfähige Briefbombe“. 

Das hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main erklärten am Donnerstagabend, in dem Umschlag sei ein „verstecktes, gerolltes und in italienischer Sprache verfasstes“ Bekennerschreiben entdeckt worden. In dem auf Italienisch verfassten Text übernahm die FAI die Verantwortung für den Anschlagsversuch.

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Gemäß des Schreibens müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von insgesamt drei „Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. LKA und Staatsanwaltschaft stehen nach eigenen Angaben mit den betroffenen Sicherheitsbehörden in engem Kontakt.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte in Wiesbaden, es gebe noch keine konkreten Hinweise darauf, welche Ziele noch betroffen sein könnten. Es liege aber nahe, dass es sich um Finanzinstitute handeln könne.

Der an Ackermann persönlich adressierte Brief war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und geröntgt worden. Nachdem sich dabei der Verdacht auf einen möglichen Sprengsatz erhärtet hatte, wurde die Polizei eingeschaltet.

Spezialisten des Hessischen LKA entschärften den Sprengsatz in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Polizei. Bei dem Umschlag handelte sich um ein Couvert im Format DIN C5.

Erste Untersuchungen ergaben, dass es sich zum eine zündfähige Bombe handelte. Der Sprecher des LKA Hessen, Udo Bühler, bezeichnete die Briefbombe im Sender N24 als „gefährlichen Sprengsatz“. Zur Zusammensetzung des Sprengsatzes wollten sich LKA und Staatsanwaltschaft „aus ermittlungstaktischen Gründen“ zunächst nicht äußern. Die Untersuchungen dauerten an, hieß es dazu.

Die FAI übernahm in den vergangenen Jahren schon mehrfach die Verantwortung für Attentate auf Politiker und Polizei. Immer wieder wurde die italienische Gruppe dabei in der Weihnachtszeit aktiv.


Politik reagiert entsetzt

Mit Entsetzen hat die Politik auf den versuchten Briefbombenanschlag auf Ackermann reagiert. Der vereitelte Anschlag reihe sich ein in  eine Kette von Versuchen, mit Gewalt unser Miteinander zu stören, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner Handelsblatt Online. „Der Chef der Deutschen Bank wird als Person ja fortwährend in der öffentlichen Debatte dämonisiert. Das sollte beendet werden“, verlangte er. „Die Probleme der Finanzmarktordnung dürfen nicht einer einzelnen Person angelastet werden.“

Unbekannte hatten dem scheidenden Chef der Deutschen Bank eine funktionsfähige Briefbombe geschickt. Ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamts (LKA) sprach von einer „sehr brisanten, gefährlichen Bombe“. Der persönlich an Ackermann adressierte DIN-A-5-Umschlag war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und rechtzeitig von Spezialisten des LKA und der Polizei entschärft worden.

Der Vize-Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Volker Wissing, sieht einen Zusammenhang zwischen den Anti-Banken-Protesten und dem versuchten Anschlag. „Für das Attentat tragen auch diejenigen Verantwortung, die Herrn Ackermann nicht fachlich, sondern menschlich-persönlich kritisiert haben“, sagte Wissing Handelsblatt Online. Ackermann werde in Deutschland nicht als Verantwortlicher eines Unternehmens, sondern als Symbolfigur einer Branche und all ihrer negativen Auswüchse gesehen. „Das Attentat auf Herrn Ackermann ist ein deutliches Warnsignal an alle, dass eine Versachlichung der Diskussion über die Banken und Finanzmärkte dringend geboten ist“, sagte Wissing.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, muss der Anschlagsversuch „sehr ernst“ genommen werden. „Der Vorfall zeigt in erschreckender Deutlichkeit, wie wichtig politische Entscheidungen sind, die Finanzkrise zu beenden und wieder gesellschaftliche Beruhigung eintreten zu lassen“, sagte Wendt Handelsblatt Online. Es seien gerade ungewisse Zeiten und Abläufe, die bei manchen Menschen „völlig irrationale Ängste und Wutgefühle“ entstehen ließen. Die Ungewissheit darüber, ob es auch bei uns in Deutschland zu einem Verlust an Wohlstand und sozialer Sicherheit kommen könnte, richte sich dann recht undifferenziert auf die Banken. „Das ist eine nicht ungefährliche Entwicklung“, warnte der Polizeigewerkschafter.


In der Krise ist die Wut auf Banker groß

Ob jetzt gezielte Schutzmaßnahmen notwendig seien, müsse aus den Ermittlungen abgeleitet werden, sagte Wendt weiter. „Bislang scheint das eher nicht erforderlich zu sein, denn die vorhandenen Sicherheitssysteme haben funktioniert.“ Es wäre aber „völlig falsch, die ohnehin vorhandenen Ängste in der Bevölkerung noch durch Spekulationen anzuheizen, jetzt ist höchste Zeit für kluge Politik und die Wiederherstellung des Ansehens unserer Finanzinstitute“. Dazu müssten diese selbst aber auch „erkennbare Beiträge“ leisten.

Die Wut auf die Banker in der Euro-Schuldenkrise ist groß. Hunderttausende gingen in Europa und den USA in den vergangenen Wochen auf die Straße, um gegen die Macht der Finanzwelt zu demonstrieren. Der Schweizer Ackermann, der seit 2002 das größte deutsche Geldhaus führt, ist wie kaum ein anderer Banker eine Reizfigur. Der 63-Jährige gilt Kritikern als Vertreter eines ungebremsten Finanzkapitalismus, der für die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise aber auch für die Euro-Schuldenkrise verantwortlich gemacht wird.

Occupy-Aktivisten störten erst kürzlich einen Vortrag von Ackermann in Hamburg. Von dem Anschlagversuch distanzierte sich die Bewegung in Frankfurt jedoch deutlich. „Wo Menschen bedroht werden, hört der Spaß auf“, sagte Frank Stegmaier von dem Occupy-Camp im Bankenviertel unweit der Zwillingstürme der Deutschen Bank.

Ackermann, dem auch Kritiker hohe fachliche Qualifikation bescheinigen, steht immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Sein Wort hat Gewicht - auch in der Politik. In der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite 2008 stand Ackermann, dessen Ära bei der Deutschen Bank im Mai nächsten Jahres endet, zeitweise im Dauerkontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In der aktuellen Euro-Schuldenkrise verhandelte er als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF in Brüssel die Banken-Beteiligungen an der Griechenlandrettung.


New Yorker Polizei schickt Warnung an Wall Street

Welche Gründe der oder die Täter hatten, Ackermann den Brief mit einem explosiven Pulver zu schicken - darüber konnte zunächst nur gemutmaßt werden. Möglicherweise könnte die genaue Zusammensetzung des Pulvers Hinweise auf Täter und Motiv geben. Doch das Landeskriminalamt schweigt dazu aus ermittlungstaktischen Gründen.

So viel ist nach ersten Ermittlungen immerhin bekannt: „Das war kein Sprengstoff, weder militärischer oder gewerblicher“, sagt ein Polizeisprecher. Das Pulver hätte beim Öffnen des Umschlags „aber mit Sicherheit gefährlich werden“ und Verbrennungen an Hand, Gesicht und Oberkörper verursachen können. Möglicherweise sei das Pulver selbst hergestellt worden, oder es stamme aus einem Feuerwerkskörper.

Der persönlich adressierte Brief war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen, an die Polizei weitergeleitet und von Experten entschärft worden. Ackermann selbst soll an diesem Tag nicht im Haus gewesen sein.

Anschläge gegen andere Topbanker oder Manager in Deutschland scheinen nicht geplant gewesen zu sein. „Wir haben keinen Hinweis, das noch irgendwo anders Briefbomben eingehen sollten“, sagte LKA-Sprecher Udo Bühler.

Wie groß die Nervosität der Sicherheitsbehörden dennoch ist, zeigt die prompte Reaktion in der Finanzmetropole New York. Die New Yorker Polizei verschickte eine Warnung an Wall-Street-Unternehmen, dass sie bei Paketen „besonders vorsichtig“ sein sollten. Die Streifen rund um die Büros der Deutschen Bank in New York wurden verstärkt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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