Politiker bei Twitter: "Bratwurst ich komme"

Politiker bei Twitter: "Bratwurst ich komme"

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Twitter Buetikofer

Die Politik hat das Internet-Phänomen Twitter entdeckt. Zahlreiche Politiker versuchen über den Kurznachrichtendienst Wahlkampf zu machen – doch erfolgreicher sind oft deren satirische Fälschungen.

Die 208. Sitzung des Bundestages war eine turbulente Veranstaltung, an die sich manch Abgeordneter auch künftig noch erinnern wird. Denn am Donnerstag, dem 5. März 2009, gelangte das Phänomen Twitter zum ersten Mal in den Bundestag.

Auf der Tagesordnung stand die Diskussion des Medien- und Kommunikationsberichtes der Bundesregierung. Kulturstaatsminister Neumann pries das Werk als „einzigartiges, wissenschaftlich fundiertes Kompendium“, dass die Medienentwicklung vom Ende der 90er-Jahre bis heute aufzeige. Dabei wird die Entwicklung des Internet zum Web 2.0, dem „Mitmach-Netz“, sehr stiefmütterlich behandelt. Twitter, das meistdiskutierte Medium dieser Tage, oder das soziale Netzwerk Facebook werden in dem 228 Seiten starken Werk an keiner Stelle erwähnt.

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Twitter wird bleiben

Doch dafür gibt es Jörg Tauss. Nach diversen Zwischenrufen erklärte der medienpolitische Sprecher der SPD: „Ich bin ein begeisterter Twitterer, benutze Facebook und all die hübschen Dinge, die es da gibt.“

Im Nachhinein erhielten seine Aussagen einen komischen Beigeschmack. Denn im Anschluss an die Sitzung wurden Tauss´ Büros nach kinderpornographischem Material durchsucht. 

Die Untersuchungen gegen das Mitglied des Chaos Computer Clubs, der sich wie kaum ein anderer Politiker seit Jahren mit dem Internet befasst, laufen noch. Was auch immer dabei am Ende herauskommt, ob Tauss noch einmal in seine Ämter zurückkehren kann: Twitter ist spätestens seit diesem Tag den meisten Abgeordneten ein Begriff und wird es bleiben.

Inzwischen hat das Gezwitscher auch die Europäische Union erreicht. So wurde EU-Kommissionspräsident Barroso gestern auf einer Veranstaltung gefragt, ob Twitter die Wahlbeteiligung bei der Europawahl erhöhen könne. Berichtet hat es Reinhard Bütikofer, Twitterer der ersten Stunde bei den Grünen. Auch die Reaktion Barrosos: „Bleibt unklar, ob er twitter kennt“.

Inzwischen experimentieren immer mehr Politiker mit dem Kurznachrichtendienst. „In den letzten zwei Wochen gab es einen deutlichen Anstieg“, sagt Klas Roggenkamp, Betreiber der Internetseite wahl.de. Dort werden die Web.2.0-Aktivitäten der deutschen Politik verfolgt und in Übersichten dargestellt. Bereits 12 Prozent der gut 2500 Kandidaten für die Bundestags- und Europawahl in diesem Jahr haben sich bei Twitter registriert, so Roggenkamp.

Kritik und Alltagsbanalitäten

Die Grünen sind dabei besonders aktiv. Volker Beck gilt vielen im Internet als bester Twitterer. „Twitter ist in grüner Hand, die FDP ist stark auf Youtube und die SPD auf Facebook“, sagt Roggenkamp. Die Linkspartei hat sich lange zurückgehalten. Inzwischen gibt es einige Twitter-Profile. Auch Parteichef Gysi bekam eine Einführung. „Gute Sache, ich weiß nur noch nicht, wie oft ich dazu komme“, schrieb er im Februar. Und kam danach noch zu genau einem Eintrag. 

Der SPD-Spitzenkandidat im Saarland, Heiko Maas, hat extra einen Blackberry bekommen, um twittern zu können. Auch sein Pendant in Thüringen, Christoph Matschie, ist eifrig dabei. „Bizarre Inszenierung: CDU wählt Althaus in Abwesenheit zum Spitzenkandidaten. Warum warten die nicht, bis er wieder da ist?“ schreibt er da beispielsweise. Und wie es bei Twitter so ist, mischen sich politische Statements mit Alltagsbanalitäten. So twittert Matschie kurz darauf: „So, genug für heute. Jetzt geht's zum Angrillen bei Freunden. Bratwurst ich komme.”

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