Populismus im Vergleich: Was Trump, Le Pen und AfD verbindet - und trennt

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Populismus im Vergleich: Was Trump, Le Pen und AfD verbindet - und trennt

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AfD-Chefin Frauke Petry, Front-National-Chefin Marine Le Pen und der gewählte US-Präsident Donald Trump.

von Ferdinand Knauß

Sie wollen nationale Souveränität und weniger Einwanderung – da sind sich Donald Trump, Marine Le Pen und die AfD einig. Doch wenn es um Wirtschaft und Umwelt geht, sind die Unterschiede groß.

In den USA kommt bald einer an die Macht, in Frankreich möglicherweise demnächst auch - und in Deutschland und anderen europäischen Ländern machen sie den regierenden Parteien zumindest immer mehr Wähler abspenstig. Klar, es ist von den so genannten „Populisten“ die Rede.

Doch haben Trump in den USA, Marine Le Pens Front National und die Alternative für Deutschland überhaupt grundlegende programmatische oder gar weltanschauliche Gemeinsamkeiten jenseits ihres Widerspruchs gegen die etablierten Eliten und deren einwanderungsfreundlicher Politik? Wie steht es mit deren ökonomisch-ökologischem Weltbild? Gibt es ein populistisches Denken über Sinn und Zweck und Grundlagen des Wirtschaftens in einer begrenzten Welt?

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Die Kritik, die Trump, Le Pen und die AfD an den gegenwärtigen ökonomischen Zuständen äußern und ihre Änderungsvorschläge sind letztlich eher oberflächlich. Man findet in Reden und Programmen wenig bis nichts, das auf einen Wunsch nach einer grundsätzlichen Bremsung oder Bändigung ökonomischer Dynamik zu Gunsten von gesellschaftlicher oder ökologischer Stabilität schließen ließe. Grundlegende Zweifel an der Notwendigkeit und absoluten Priorität wirtschaftlichen Wachstums finden sich nicht. Dennoch: Die weitgehende Blindheit Trumps vor ökologischen Problemen teilen weder der Front National noch die AfD.  

Darum hat Trump gewonnen

  • Frauen

    Clinton schnitt trotz Trumps frauenfeindlicher Äußerungen in der Wählergruppe deutlich schwächer ab als im Vorfeld erwartet. Zwar erhielt sie von Frauen zwischen 18 und 34 Jahren deutlich mehr Unterstützung als Trump, insgesamt aber betrug ihr Vorsprung bei Frauen mit 49 Prozent nur zwei Prozentpunkte. Zum Vergleich: Der scheidende Präsident Barack Obama schnitt 2012 bei Frauen sieben Prozentpunkte besser ab als sein damaliger Herausforderer.

  • Minderheiten

    Clinton kam Umfragen zufolge deutlich besser bei Amerikanern mit spanischen Wurzeln, Afroamerikanern, und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln an. Allerdings erhielt sie nicht so viel Rückhalt wie Obama vor vier Jahren, der seine Wiederwahl besonders den Stimmen der Minderheiten verdankte.

  • Bildung

    Trump punktete besonders bei Wählern ohne College-Ausbildung. Insgesamt betrug sein Vorsprung auf Clinton in dieser Gruppe zwölf Prozentpunkte. Bei weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss schnitt er sogar um 31 Prozentpunkte besser ab, bei weißen Frauen ohne Abschluss waren es 27 Prozentpunkte.

  • Weiße Evangelikale

    Streng gläubige weiße Amerikaner haben Trump die Treue gehalten - trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe, die gegen den Milliardär im Wahlkampf erhoben wurden. Etwa 76 Prozent der Evangelikalen gaben an, für Trump gestimmt zu haben.

  • Stadt-/Landbevölkerung

    Clinton tat sich in Ballungsräumen schwer, obwohl dort in der Regel viele Anhänger der Demokraten leben. Ihr Vorsprung auf Trump betrug dort gerade einmal sechs Prozentpunkte. In ländlichen Regionen schnitt Trump dagegen um 27 Prozentpunkte besser ab.

Schauen wir uns zunächst Trump an, den demnächst zweifellos mächtigsten Politiker der Welt. Im Auftreten mag er sämtliche hergebrachten Sprachregelungen gebrochen und Grenzen des Sagbaren überschritten haben, doch was er den Wählern verspricht, steht ganz in der Tradition der Wahlkämpfe 20. Jahrhunderts: Jobs. Was denen im Weg steht, ist zu beseitigen – ob es fremde Staaten oder Auflagen zum Schutz der Natur sein mögen. Trumps Zielsetzung ist, sofern man das aus seinen erratischen Wahlkampfauftritten und wenigen schriftlich fixierten Positionen folgern kann, ganz auf eine „dynamic booming economy“ ausgerichtet.

„Ob Stahlproduktion, Autobau oder Krankheitsbekämpfung, ich will, dass die nächste Generation der Produktion und Innovation genau hier stattfindet, in unserer großartigen Heimat: Amerika – um Wohlstand und Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter zu schaffen.“ Das war die Botschaft in seiner jüngsten Youtube-Ankündigung der zentralen Vorhaben seiner ersten 100 Tage im Amt: „to bring back jobs“.

Ökologische Gesichtspunkte spielen dabei überhaupt keine Rolle. Ebenso wie in seinem Wahlkampf kommt auf seiner website www.donaldjtrump.com unter den 16 „positions“ Natur- oder Umweltschutz nicht vor. Er kündigte an, Beschränkungen der Produktion „amerikanischer Energie” zu beseitigen, da sie Arbeitsplätze vernichteten. Auf der Website verspricht Trump, die noch unangezapften Schiefer-, Öl- und Gasvorkommen Amerikas im Wert von angeblich 50 Billionen Dollar zur Ausbeutung freizugeben, „plus saubere Kohlevorräte für mehrere Jahrhunderte“. Bedenken wegen der ökologischen Folgen der Erschließung und des Abbaus sind ihm keine Erwähnung wert.

Das ist Marine Le Pen

  • Attentat überlebt

    Marine Le Pen, Tochter des Politikers und FN-Gründers Jean-Marie Le Pen wurde am 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine geboren. Als Kind überlebte sie ein Attentat, das 1976 gegen das Wohnhaus der Familie verübt wurde. Die 46-Jährige war mit Geschäftsmann Franck Chauffroy verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Nach der Scheidung heiratete sie den FN-Funktionär Éric Lorio. Auch diese Ehe scheiterte. Marine Le Pen studierte in Paris Jura und erhielt 1992 die Anwaltszulassung. Bis 1998 war sie als Anwältin tätig. Besonders markant ist ihre dominante und und für eine Frau sehr tiefe Stimme.

  • Antikapitalistische Appelle

    Seit Marine Le Pen den Parteivorsitz inne hat, versucht sie frischen Wind in den „Front National“ zu bringen. So hat sie sich zum Ziel gesetzt, Anspielungen auf das Dritte Reich zu vermeiden, um das Bild einer rechtsextremen Partei loszuwerden. Dazu passt auch, dass sie sich stärker auf die Alltagsprobleme der Bürger fokussiert. Die hohe Arbeitslosigkeit und steigende Preise sind nun die neuen zentralen Themen. Ihre Rezepte zur Überwindung der Krise: Heimische Investoren sollen von einer Abwanderung abgehalten werden, Franzosen sollen bei der Jobsuche bevorzugt werden und das Land aus dem Euro austreten. Feindbild ist die "wilde Globalisierung".

  • Stimmungshoch

    Von 1998 bis 2004 war Marine Le Pen Abgeordnete im Parlament der Region Nord-Pas-de-Calais. Über ihren Wahlkreis Île-de-France zog sie 2004 ins Europaparlament ein. Nach Stationen im Regionalparlament der Île-de-France wurde sie 2011 an die Parteispitze des Front National gewählt. Bei der Präsidentenwahl 2012 wurde sie nach Hollande und Sarkozy drittstärkste. Zeitweise sahen Umfrageergebnisse, die im Magazin „Le Nouvel Observateur“ erschienen sind, den Front National als stärkste französische Partei. Seit der Europawahl im Mai 2014 ist sie Abgeordnete im Europäischen Parlament.

  • Islamfeindlich

    Eine explizite Feindschaft zum Islam gehört zu den zentralen Positionen Le Pens und ihrer Partei. Eine entsprechende Äußerung in einer Wahlkampfrede im Dezember 2010 brachte Le Pen ins Visier der Staatsanwaltschaft. Sie verglich öffentliche Gebete von Muslimen mit der deutschen Nazi-Besatzung. "Sicher geschieht dies ohne Panzer und ohne Soldaten, aber trotzdem ist es eine Besatzung, und betroffen sind die Einwohner", so Le Pen.

Der „Western Energy Alliance”, eine Interessenvereinigung von rund 300 Öl- und Gasunternehmen hat bereits verkündet, man sei „überglücklich“ wegen Trumps Wahlsieg. Schließlich wird erwartet, dass Trump grünes Licht für die „Dakota Acces Pipeline“ geben wird, die die Ölvorkommen in Nord-Dakota bis zu den industriellen Abnehmern in Ohio pumpen soll. Umweltschützer protestieren seit vielen Monaten dagegen.  

Aufsehen und Empörung erregte während des Wahlkampfes nicht zuletzt seine Ansichten über den Klimawandel, den er als „Bullshit“ und irreale Erfindung Chinas zur Schwächung der USA bezeichnete. Aus der internationalen Klimaschutzpolitik wollte er aussteigen. Das hat er allerdings in einem aktuellen Interview mit der „New York Times“ – wie so manche andere Ankündigung aus dem Wahlkampf – etwas revidiert: es gebe eine gewisse Verbindung zwischen menschlichem Tun und der Erderwärmung. „Es kommt darauf an, wie viel“, fügte er hinzu. Im Bezug auf den Klimavertrag wollte er sich nicht festlegen.

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