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Porträt: Berthold Huber - ein harter Verhandler

von bert.losse@wiwo.de

Im zweiten Anlauf soll es klappen: Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall wurde Berthold Huber heute zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt.

Neuer IG-Metall-Chef: Berthold Huber,  rtr
Neuer IG-Metall-Chef: Berthold Huber, Foto: rtr

Bis dahin war es für den 57-Jährigen ein langer Weg. Schon 2003 wollte er den Chefsessel besteigen, doch damals trickste ihn Jürgen Peters aus – für Huber blieb nur das Amt des Vize-Chefs. Während Peters für den Fundi-Flügel der IG Metall steht, repräsentiert Huber, obgleich ein harter Verhandler und mitnichten tarifpolitischer Softie, das Reformerlager. Huber wurde in Ulm geboren und wuchs mit sechs Geschwistern auf. Nach Abitur und Zivildienst machte der Ingenieursohn eine Ausbildung als Werkzeugmacher beim Bushersteller Kässbohrer. Schon mit 28 Jahren wählte ihn die Belegschaft zum Betriebsratschef. Mit 35 Jahren stieg Huber aus und begann in Frankfurt ein Philosophie- und Geschichtsstudium. Fünf Jahre später ging er für die IG Metall als Aufbauhelfer nach Ostdeutschland. 1991 wechselte er in die Zentrale, 1998 wurde er Bezirkschef in Baden-Württemberg. Dort schaffte er in den Tarifrunden 1999 und 2002 den Pilotabschluss. Huber sitzt im Aufsichtsrat von Siemens, Audi – und bald wohl auch bei Porsche/VW. Stärken & Schwächen: Intellektueller Feingeist Huber ist das ziemliche Gegenteil eines klassischen Gewerkschafters. „Der Berthold“, sagt ein langjähriger Wegbegleiter, „der ist bei uns der große Analytiker.“ Huber gilt in der bodenständigen IG Metall als intellektueller Feingeist – was die Fähigkeit, interne Netzwerke zu spinnen, nicht unbedingt fördert. Stets hat er jedoch einen klaren Blick für die Realitäten: Huber setzte sich bereits für die Flexibilisierung des Flächentarifvertrags ein, als dies in der Gewerkschaft noch als Teufelszeug galt. Als Bezirksleiter in Baden-Württemberg handelte er mit den Arbeitgebern zudem den bundesweit ersten Qualifizierungstarifvertrag aus. Huber neigt mittlerweile weniger zum Dozieren als früher, als er während eines Gesprächs schon mal aufsprang und Diagramme auf Flipcharts kritzelte. Doch wird er mit seiner nüchternen Art wohl auch künftig keine Säle zum Kochen bringen. Er ist zudem kein schneller Entscheider. Nicht wenigen gilt er als Zauderer, der Probleme zu lange hin- und herwälzt. Er selbst sieht sich als „unruhigen Menschen“; er sei „nie zufrieden, mit dem, was ich weiß“. Vorbilder: Rat von Franz Ein Mann hat Huber besonders geprägt – der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Franz Steinkühler, der die IG Metall von 1986 bis 1993 führte und dann wegen zweifelhafter Aktiengeschäfte seinen Hut nehmen musste. Der mittlerweile 70-jährige Steinkühler, der vielen Metallern noch heute als charismatischster Vorsitzender der Nachkriegsgeschichte gilt, war Hubers großer Mentor und Ratgeber. 1991 holte er ihn in die Gewerkschaftszentrale nach Frankfurt und förderte ihn nach Kräften. Wobei das Verhältnis nicht spannungsfrei war: „Zwischen Huber und Steinkühler hat es in inhaltlichen Fragen oft gekracht“, weiß ein langjähriger Begleiter. An der gegenseitigen Wertschätzung änderte das nichts; noch heute haben sie Kontakt. Vorlieben: Klassik und Kippen Wo der scheidende IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters poltert und agitiert, schätzt Huber den gepflegten politischen Diskurs; er mag es, in kleinem Kreis die Probleme der Welt zu erörtern. Und er hat so seine Marotten: Huber ist Kettenraucher; in sein weiträumiges und mit großen Glasfronten versehenes Büro im 15. Stock der Frankfurter IG-Metall-Zentrale kommt er gerne mit dem Rucksack. Wenn Huber abschalten will, hört er mit Vorliebe klassische Musik. Er mag Opern, soll Gerüchten zufolge aber auch gelegentlich Punkrock auflegen. Huber ist selbst ein passabler Klavierspieler und verbringt möglichst viel Zeit mit seiner Familie: Er ist seit 1999 mit einer Architektin verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.

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