Porträt: Koch: Pleite für erfolgsverwöhnten Macher

Porträt: Koch: Pleite für erfolgsverwöhnten Macher

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Der hessische Ministerpräsident Roland Koch

Roland Koch hat in Hessen seine erste bittere Niederlage erlitten. Zwar ist die Macht dem CDU-Ministerpräsidenten noch nicht völlig entglitten. Doch seine Partei verlor zwölf Prozentpunkte, während Andrea Ypsilanti und ihre SPD fast auf Augenhöhe gleichzogen.

Wie zum Schutz umgab sich Koch beim ersten Auftritt vor Anhängern und Presse mit Frau Anke und seinem ganzen Kabinett. Koch stellte sich als Politiker mit Mut zu unpopulärem Handeln dar: Die CDU sei nicht gegründet worden, um in Hochrechnungen zu glänzen, „sondern um das Land zu gestalten“.

An Koch scheiden sich die Geister. Für seine Anhänger ist er das größte politische Talent der CDU. Für die anderen ist er ein knallharter Konservativer, ein Parteikämpfer, der ohne Skrupel auch den Skandal um schwarze Kassen bei der hessischen CDU ausgesessen hat. Das Sammeln von Sympathiepunkten ist Kochs Sache nicht, dabei ist er im direkten Umgang unkomplizierter als andere Spitzenpolitiker. Bei öffentlichen Auftritten und in den Medien stellt der Jurist Koch vor allem seinen Schneid und seine Kompetenz heraus. Es gibt in der deutschen Politik nur wenige derart begabte Redner. Es gibt auch nur wenige, die aus dem Stand zu fast jedem Thema Wichtiges sagen können - von Finanzen über Wirtschaft bis zu Außenpolitik oder Gentechnik.

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Koch, geboren am 24. März 1958, wuchs in einer politischen Familie auf. Mit 14 gründete er in seiner Heimatstadt Eschborn einen Ortsverband der Jungen Union. Der Vater Karl-Heinz Koch wurde 1987 Justizminister der ersten christdemokratischen Regierung Hessens, zugleich zog der Junior erstmals in den Landtag ein. Vier Jahre später war das Nachwuchstalent schon CDU-Fraktionschef, 1998 wurde er Landesparteichef. 1999 bewies er zum ersten Mal sein Talent als Wahlkämpfer. Mit seiner Unterschriftenkampagne gegen die Einführung doppelter Staatsbürgerschaften sicherte er den Sieg über Rot-Grün. 2003 wurde er sogar mit absoluter Mehrheit wiedergewählt.

Auch in dem jüngsten Wahlkampf, der vor allem von der aufholenden SPD geprägt war, holte Koch schließlich den schweren Säbel hervor. Sein Angriff auf „zu viele junge kriminelle Ausländer“ strafte nicht nur seine eigenen Bemühungen um Integration Lügen, er schlug auch in Umfragen nicht an. Der Mann mit dem Mut zu harten, unpopulären Entscheidungen hatte wohl auch unterschätzt, wie viele Wähler seine Regierung verprellt hat.

Kochs Ambitionen über Hessen hinaus standen am Sonntagabend in den Sternen. Nach dem Machtverlust von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) galt der „junge Wilde“ Koch als einer der aussichtsreichsten Nachfolger. Doch nach dem Aufstieg von Angela Merkel verlegte sich Koch darauf, mit Loyalität gegenüber Merkel den CDU-Erfolg in der großen Koalition zu sichern. Das machte ihn zum ersten unter den möglichen Kronprinzen, doch nach der Hessenwahl scheint dieser Status verloren.

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