Prima Klima im Karwendel?: G7 sollen Weg aus Kohleverstromung weisen

Prima Klima im Karwendel?: G7 sollen Weg aus Kohleverstromung weisen

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Umweltschützer erwarten vom G7-Gipfel eine Änderung der Klimapolitik.

Umweltaktivisten hoffen beim G7-Gipfel im Werdenfelser Landidyll auf wegweisende Entscheidungen. Das Klima fürs Klima ist derzeit nicht nur auf Schloss Elmau vergleichsweise günstig.

Selten in den vergangenen Jahren war die Hoffnung der Klimaschützer größer. Gibt es nun doch noch den lange für unmöglich gehaltenen Durchbruch beim Klimawandel? „Es gibt möglicherweise Hoffnung für die Klimakonferenz in Paris im Dezember“, sagt Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer. „Zumindest für die Vorstufe eines Abkommens.“ Ausgerechnet die von Umweltschützern oft als „Kohle-Kanzlerin“ verspottete Angela Merkel hat den Klimaschutz zum Gipfelthema gemacht. Klimaschützer aus allen G7-Ländern forderten unmittelbar vor dem Gipfel: „Beendet das fossile Zeitalter.“

Die Umweltschützer wittern vor der markanten Wettersteinwand in den bayerischen Alpen Morgenluft. Denn tatsächlich scheint die Großwetterlage international eine günstige zu sein. „Erstmals überhaupt ist 2014 der Kohlesektor in China nicht mehr größer geworden“, sagt Münchmeyer. Für 2015 gebe es sogar erste Anzeichen für einen leichten Rückgang.

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Umweltschützer vergleichen die Situation mit der vor einem Jahrzehnt. Damals wollte sich der G7-Gipfel im schottischen Gleneagles mit mutigen Schritten zum Klimaschutz hervortun, ein Jahr später hatte der „Stern-Report“ des britischen Ökonomen Nicholas Stern auch Zweifler zum Nachdenken gebracht, weil erstmals wirklich fundiert die drastischen wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels vorgerechnet wurden. Einschneidende Reformen auf der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 scheiterten dann jedoch am Widerstand der weltweit größten Klimasünder, den USA und China.

„Dann war pure Katerstimmung“, sagt Münchmeyer. Doch Schritt für Schritt habe sich die internationale Politik wieder herangerobbt. „Wir erwarten vom G7-Gipfel eine klimapolitische Vision“, sagt der Umweltschützer. Diese könnte beinhalten, dass langfristig ein Verzicht auf fossile Energieträger festgeschrieben wird. „Das Schlagwort lautet Decarbonisierung“, sagt Münchmeyer. Nach Berechnungen von Klimaschützern könnte Frankreich bereits 2020 kohlefrei sein. Deutschland, wo weit über 40 Prozent des Stroms aus Kohle gemacht werden, dagegen erst 2040.

„Die G7 sollte ein starkes Signal an Investoren setzen, dass das fossile Zeitalter dem Ende entgegengeht“, sagt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Tatsächlich beginnt auch in der Wirtschaft ein Umdenken. Große gemeinnützige Organisationen etwa in Großbritannien, darunter die Anglikanische Kirche und Prinz Charles, haben ihre Investments in fossile Energieträger zurückgezogen. Konzerne wie BP und Shell fordern inzwischen einen weltweiten Emissionshandel für Klimagase.

Aus Sicht der Klimaschützer ist es höchste Zeit zum Handeln. Sollte nichts passieren, befürchtet die britische Entwicklungsorganisation Oxfam riesige Kosten für die öffentlichen Kassen. Am Ende des Jahrhunderts könnten allein die Kohlekraftwerke für Klimaschäden und Anpassungskosten an den Klimawandel in Höhe von 450 Milliarden US-Dollar verantwortlich sein. Seit der Kopenhagener Klimakonferenz hätten fünf der sieben G7-Länder ihren Kohleverbrauch sogar noch gesteigert - darunter auch Deutschland. „Kohleverstromung trägt erheblich zum Klimawandel bei“, sagt Oxfam-Experte Jörn Kalinski, führe zu Dürren und Überschwemmungen und damit zu Armutsproblematik.

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Neun Jahre nach dem „Stern-Report“ ist es derselbe Ökonom, der mit einem Autoren-Team einen bedeutenden Aufschlag zum Klimawandel machen könnte. Unter dem Titel „Apollo“ haben britische Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten einen Plan vorgestellt, wie bis 2025 erneuerbare Energien günstiger gemacht werden können als die Verstromung fossiler Energieträger. Jedes industrialisierte Land müsste dann 0,02 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung flexibler Netze und besserer Speicherkapazitäten für Strom aus Sonnen- und Windkraft zur Verfügung stellen. 

Stern, ein Berater der konservativen britischen Regierung von Premierminister David Cameron, ist an einem wichtigen Punkt in trauter Einigkeit mit den Umweltschützern: Die Subventionen erneuerbarer Energien sind deutlich zu niedrig, die für Öl, Gas und Kohle, deutlich zu hoch. Regierungen in aller Welt unterstützen die Förderung fossiler Energien derzeit mit 550 Milliarden Dollar pro Jahr. Für Wind und und Sonne  - in Deutschland oft als Subventionsenergien gebrandmarkt - werden weltweit nur sechs Milliarden Dollar ausgegeben. 

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