Privat-Darlehen: Wulff verhandelte auch mit Unternehmer Geerkens

Privat-Darlehen: Wulff verhandelte auch mit Unternehmer Geerkens

, aktualisiert 21. Dezember 2011, 09:35 Uhr
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Bundespräsident Christian Wulff (li.) und der Unternehmer Egon Geerkens.

Quelle:Handelsblatt Online

Entgegen früheren Behauptungen war nicht nur Edith Geerkens, sondern auch ihr Mann Egon Geerkens an den Kreditverhandlungen über das Hausdarlehen an Christian Wulff beteiligt. Der Druck auf den Bundespräsidenten wächst.

HannoverDer Unternehmer Egon Geerkens war doch in die Verhandlungen über einen Privatkredit an den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff beteiligt. Das bestätigte Wullfs Anwalt Gernot Lehr in einem Schreiben an die Tageszeitung „Die Welt“. Lehr schrieb: „Der Darlehensgewährung vorausgegangen war die Suche des Ehepaars Wulff nach einer geeigneten Immobilie. Hierin war Herr Egon Geerkens aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden. In diesem Zusammenhang ging die Initiative für ein Privatdarlehen von Frau Edith Geerkens aus. Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt.“   

Bislang berief sich der Bundespräsidenten stets darauf, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin war. Zur Frage, inwieweit Egon Geerkens bei den Verhandlungen involviert war, hat der ehemalige Ministerpräsident Niedersachsens bislang keine Stellung genommen. Entsprechende Aussagen Geerkens am Wochenende im „Spiegel“ hatten diese Vermutung allerdings nahegelegt. Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob es irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer bestanden, hatte der damalige Ministerpräsident mit nein beantwortet.

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Wulff steht wegen des Kredits zum Kauf eines Hauses in Höhe von 500.000 Euro in der Kritik, den er 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident bekommen hatte. Kreditgeberin war nach Angaben Wulffs und seiner Anwälte Geerkens Ehefrau. Geerkens selbst  räumte allerdings im Magazin „Spiegel“ ein, er sei an den Kreditverhandlungen maßgeblich beteiligt gewesen. Die Grünen im Landtag hatten im Februar 2010 nach geschäftlichen Beziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer gefragt. Wulff ließ daraufhin  erklären, dass er mit Geerkens und dessen Firmen „in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen“ unterhalten habe.      

Am Dienstag war Wulff weiter in Erklärungsnot geraten, als bekannt wurde, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer die Rechnung für die Werbung zu einem Interview-Buch in Höhe von 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen beglichen hatte. Im Ältestenrat des niedersächsischen Landtags scheiterte indes ein Antrag der Opposition auf eine erneute Prüfung von Wulffs Kreditgeschäften.


Rufe nach einem Ende der Debatte

Die SPD mahnte Wulff zur Aufklärung. Aus der Koalition kamen dagegen Rufe nach einem Ende der Debatte. Der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold mahnte Wulff zur Aufklärung seiner Verbindungen zu Unternehmern. „Die Wahrheit kommt nur scheibchenweise ans Licht“, sagte Pronold der „Passauer Neuen Presse“. Als der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2000 in eine Flugaffäre der WestLB verstrickt war, habe Wulff ihn zum Rücktritt aufgefordert. „Er muss sich auch fragen lassen, welche Maßstäbe er an sich selber anlegt“, sagte Pronold.    

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sprach Wulff dagegen sein Vertrauen aus. In dem Fall gebe es keine handfesten Vorwürfe. „Es handelt sich eher um Stilfragen. Und da hat die Debatte etwas Pharisäerhaftes: Man sitzt in der Galerie und senkt oder hebt den Daumen“, sagte de Maizière der „Berliner Zeitung“.    

Der Vizechef der Niedersachsen-CDU, Hermann Kues, machte schlechten Stil bei Wulffs Kritikern aus. Einige von ihnen handelten scheinheilig, die Diskussion nehme bizarre Züge an, sagte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wulff sei ein guter Bundespräsident, der es nicht verdient habe, systematisch schlecht geredet zu werden.    

Die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt forderte ein Ende der Diskussion. Wulff habe in den vergangenen Tagen einen beachtlichen Beitrag zur Aufklärung der gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe geleistet, sagte sie der Zeitung. Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte, er halte die neuen Vorwürfe gegen Wulff im Zusammenhang mit der von einem Unternehmer finanzierten Werbung für ein Buch über Wulff für haltlos. „Nur weil jemand „Feuer' ruft, heißt das nicht, dass es wirklich brennt“, sagte er der Zeitung.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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