Private Krankenversicherung für alle: Bahr will Wettbewerb zum Durchbruch verhelfen

KommentarPrivate Krankenversicherung für alle: Bahr will Wettbewerb zum Durchbruch verhelfen

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Kassenpatienten sollen nach Bahrs Vorstellungen künftig auch zu Privatversicherungen wechseln können.

von Reinhold Böhmer

Gesundheitsminister Daniel Bahr will die Private Krankenkasse allen Bundesbürgern zugänglich machen. Doch er muss nachlegen, damit seine Umsetzungsvorschläge nicht nur ein billiger Wahlkampfschlager bleiben.

Mit seiner Idee, die private Krankenversicherung für jedermann zu öffnen, schmeichelt Gesundheitsminister Bahr allen, nicht nur der typischen FDP-Klientel: Ärzten, Anwälten und besser verdienenden Angestellten. Der Vorschlag ist an vielen Stellen zwar diffus, nimmt aber zum Teil die Zukunft vorweg, die sowohl in der privaten als auch gesetzlichen Krankenkassen diskutiert wird. Allerdings muss Bahr noch nachlegen, um dem Vorwurf eines billigen Wahlkampschlagers zu entgehen.

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Bahr hatte Schülern in der Rhein-Zeitung skizziert, wie er sich eine reformierte Krankenversicherung in Deutschland mit mehr Wahlfreiheit und Wettbewerb vorstellt. Die zentralen Elemente lassen sich auf folgende drei Kernpunkte verdichten: Jeder Bürger erhält eine Art medizinische Grundversorgung; darüber hinaus soll sich jeder Bürger unabhängig vom Einkommen eine privaten Krankenversicherung anschließen können; die private Krankenversicherung soll die Kunden ohne Gesundheitsprüfung nehmen müssen.

Entscheidungshilfe: Gesetzlich oder privat versichern?

  • Verdienen sie mehr als die nötige Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 53.550 Euro im Jahr?

    Ja: PKV geht
    Nein: Sie dürfen aus gesetzlichen Gründen nicht in die PKV

  • Sind Sie sich sicher, dass Sie zeitlebens auch höhere PKV-Beiträge zahlen können?

    Ja: spricht für die PKV,
    Nein: überlegen Sie es sich zwei Mal - Drin gefangen, drin gehangen

  • Haben Sie Familie? Oder planen Sie eine eigene Familie?

    Ja: in der GKV sind ihre Kinder kostenlos mitversichert, in der PKV kosten sie im Schnitt 120 Euro pro Kind und Monat extra
    Nein: dann ist die PKV für Sie vermutlich günstiger als die GKV

  • Legen Sie Wert auf Kinderbetreuung im Krankheitsfall?

    Ja: GKV übernimmt sie unter Voraussetzungen
    Nein: spricht für die PKV, in der Kinderbetreuung nicht als Standardleistung gilt

  • Legen Sie Wert auf Eltern-Kind-Kuren?

    Ja: diese Leistung übernimmt nur die GKV
    Nein: dann kann eine private Krankenversicherung günstiger sein

  • Legen Sie Wert auf die Erstattung von Brillen?

    Ja: davon zahlt die GKV nichts, nur die PKV
    Nein: spräche für GKV

  • Legen Sie Wert auf unauffälligen Zahnersatz?

    Ja: die GKV spart daran, dort bräuchten Sie eine private Zahnzusatzversicherung, bei der PKV brauchen Sie diese in der Regel nicht
    Nein: dann reichen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung aus

  • Legen Sie Wert auf alternative Heilmethoden?

    Ja: achten Sie auf die Wahl des GKV-Anbieters, einige erstatten auch Akupunktur und andere Verfahren. Oft ist die PKV aber kulanter

    Nein: GKV reicht aus

  • Legen Sie Wert auf Krankentagegeld, falls Sie länger als sechs Wochen in einem Jahr unter der selben Krankheit leiden und der Arbeitgeber deshalb die Lohnfortzahlung einstellen kann?

    Ja: die GKV zahlt. Die PKV zahlt Krankentagegeld nur, wenn diese Leistung zusätzlich vereinbart und über höhere Beiträge bezahlt wird
    Nein: dann spielt dieser Aspekt bei der Entscheidung GKV oder PKV keine Rolle

  • Sind Ihnen Wohlfühl-Elemente wie Einzelzimmer und Chefarztbehandlung wichtig?

    Ja: das spricht für eine Privatversicherung

    Nein: dann genügen die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse

  • Sind Sie bereit und in der Lage, Arzthonorare – auch für eine ganze Familie - vorzuschießen?

    Ja: Dann ist die PKV kein Problem
    Nein: dann ist der Abrechnungsmodus der GKV besser. Sie zahlt sofort.

Wer dahinter nur eine Zwei-, Drei- oder Vierklassenmedizin vermutet, verkennt die Sprengkraft, die in der praktischen Umsetzung dieser Kernpunkte für das jetzige System liegt. Und er übersieht, dass es längst Bestrebungen gibt, die in diese Richtung zielen und die auf die Einführung einer Krankenversicherung nach Schweizer Muster hinauslaufen: eine von allen finanzierte Grundsicherung, dazu eine freie Wahl der sonstigen medizinischen Versorgung. Vier Gründe, warum das so ist und was das in der Praxis bedeuten würde.

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